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Archiv für den Monat März 2015

Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Ha, endlich mal wieder ein Gemeinsam Lesen, zu dem ich mehr als nur Mutmaßungen abgeben kann, weil ich nicht gerade erst ein neues Buch begonnen habe! 😀 Also will ich auch gar nicht groß rumblubbern und komme direkt zur Sache. Gemeinsam Lesen wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Schlunzen-Bücher durch einen Klick aufs Bild! 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ von Robin Li und befinde mich auf Seite 203 von 508.

Der Grendel

 

„Die mächtige Rasse der Junga fürchtet sich so sehr vor einer uralten Bedrohung namens »Der Grendel«, dass sie bereits seit 6000 Jahren versucht, alle Beweise ihrer Existenz zu tilgen. Noch gibt es einige Fragmente der Erinnerung aus jenen Zeiten, in denen das Monster sein Unwesen getrieben hat. Verstreut und verloren in den Untiefen der Galaxie. Doch genau hier verbirgt sich das Wissen, das benötigt wird, um die Gefahr zu bändigen, sollte der Grendel je wieder erwachen. Denn das Monster, der Albtraum der Götter, die Geißel der Galaxie – existiert noch immer…“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Neben sich hörte sie Geräusche, die auf hektische Wühlerei hindeuteten, und schließlich das schabende Geräusch, das man erwarten durfte, wenn klamme Finger mit einer Zunderbüchse hantierten.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich habe dieses Buch in einer LovelyBooks-Leserunde gewonnen. Momentan zerbreche ich mir ein bisschen den Kopf darüber, ob ich es mit einem Autor oder einer Autorin zu habe. Das ist nämlich weder auf dem Avatar noch auf dem Profil richtig zu erkennen. Letztendlich spielt es natürlich nicht wirklich eine Rolle, aber interessant wäre es schon. Vielleicht bin ich auch nur blind. 😀
Ansonsten… na ja. Bisher bin ich nicht sonderlich begeistert, so schade das ist. Ich weiß, dass es ein ziemlich verrücktes und absurdes Buch sein soll, das Genregrenzen sprengt, doch eigentlich finde ich es bis jetzt nur verwirrend, kleinkariert und langatmig. Robin Li’s Schreibstil erscheint mir unnötig kompliziert und so gewollt witzig, dass ich nicht darüber lachen kann. Ich habe über 100 Seiten gebraucht, um ein erstes Verständnis für die Ereignisse zu entwickeln. Er/Sie wirft mir immer nur so klitzekleine Erklärungsbröckchen zu, sodass ich den Großteil der Zeit damit verbringe, mit Händen und Füßen darum zu kämpfen, zu begreifen, wie alles zusammenhängt. Das ist wirklich anstrengend. Jeden Satz muss ich als mögliches Puzzelstück ansehen, es drehen und wenden, mit all den anderen Stückchen abgleichen und sie zusammenpassen, notfalls mit Gewalt. Er/Sie hält unglaublich viel zurück und ich muss sagen, da ich das merke, wirkt es auf mich wie ein künstliches Aufrechterhalten des Spannungsbogens. Ich finde, als LeserIn sollte man das Konstrukt des Spannungsbogens nicht spüren. Auch mit den Charakteren kann ich nicht wirklich etwas anfangen, weil es SO VIELE sind. Dadurch bekam noch keine einzige Figur richtige Tiefe, denn wenn es interessant werden könnte, verlässt man die aktuelle Figur auch schon wieder. Ich kann ihre Äußerungen und Gedankengänge nicht immer nachvollziehen. Manche Sätze ergeben für mich im Kontext keinen Sinn, was wohl darauf schließen lässt, dass Robin Li und ich uns auf keiner klaren Verständigungsebene befinden. Ich denke, wir passen nicht so gut zusammen. Vielleicht wird es noch besser und die Geschichte packt mich noch, aber so richtig rechne ich nicht mehr damit.
Bei einer Leserunde ist es ja üblich, dass man auf LovelyBooks auch Kommentare hinterlässt und seine Eindrücke schildert. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das wirklich tun soll. Reicht es nicht, wenn ich in der Rezension (höchstwahrscheinlich) Kritik üben werde? Muss ich da schon jetzt rumnörgeln? Das will doch niemand lesen, oder? Robin Li wirkte auf mich so nett und freundlich, ich will ihm/ihr eigentlich nicht unbedingt präsentieren, was ich an seinem/ihrem Buch nicht gut finde. Schon gar nicht, wenn alle anderen hellauf begeistert sind. Da würde ich mich wie eine Spielverderberin und Spaßbremse fühlen. Es kann ja niemand etwas dafür, dass sich mein Humor offenbar nicht mit Robin Li’s Humor deckt und wir keinen so guten Draht zueinander haben, aber es ist eben einfach blöd, wenn man erst ein Buch geschenkt bekommt und es dann nicht besonders mag. Ich fühle mich ein bisschen schuldig.
Andererseits wäre es vielleicht fairer, wenn ich Li schon darauf vorbereite, dass die Rezension nicht durchweg positiv ausfallen könnte. Ich schätze, er/sie veranstaltet diese Leserunde, um „Der Grendel, verbannt in alle Ewigkeit“ etwas bekannter werden zu lassen. Wir lesen es, empfehlen es weiter und setzen damit eine Kette in Gang. Wenn ich nun aber meinen Beitrag zu dieser Kette nicht leisten kann (und deswegen auch nicht werde, sollte es tatsächlich dabei bleiben), sollte ich Robin Li davon in Kenntnis setzen oder? Ach man. Schwierig.

4. Gibt es ein buchiges Event in diesem Jahr auf das ihr euch besonders freut, oder gab es mal was in der Vergangenheit, was euch so sehr begeistert hat, dass ihr es euch ganz bald mal wieder wünschen würdet?

Ja, tatsächlich gibt es das. Ich war bereits letztes Jahr am 10. Mai bei der Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung auf dem Berliner Bebelplatz und da würde ich dieses Jahr gern wieder hin. Mal abgesehen vom Programm finde ich die Aktion „Ein Ort zum Lesen“ ganz wunderbar und vor allem wichtig. Lesen gegen das Vergessen. Wir dürfen nicht zulassen, dass jemals wieder Bücher verbrannt werden, nur, weil die Ideen, Ansichten und Meinungen der AutorInnen unbequem sind. Deswegen müssen wir uns erinnern, auch, wenn es weh tut. Und glaubt mir, es tut weh. Wer Bücher liebt, kann nicht auf dem Bebelplatz stehen und völlig unbeeindruckt sein. Die „Leere Bibliothek“, das Mahnmal von Micha Ullman, löst bei mir eine Gänsehaut aus und treibt mir die Tränen in die Augen, denn es ist in seiner Schlichtheit wahnsinnig aussagekräftig.
Bis jetzt konnte ich leider noch keine genaueren Informationen dazu ausfindig machen, aber es steht wohl bereits fest, dass Die Linke diese Gedenkveranstaltung auch dieses Jahr wieder ausrichtet. Natürlich werde ich auch dieses Jahr wieder einen Bericht für euch schreiben. Da es bis zum 10. Mai allerdings noch ein bisschen hin ist, findet ihr HIER meine Eindrücke des letzten Jahres, für diejenigen, die es interessiert. 🙂

Was lest ihr im Moment und auf welche Buch-Ereignisse freut ihr euch dieses Jahr?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Kommentare und wünsche euch einen wundertolligen Dienstag! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Schon mal nachgeeifert?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Wisst ihr, was brutal ist? Montagmorgens Besuch vom Gasmann zu bekommen. Klar, ich wusste es vorher, aber trotzdem. So mag ich meinen Tag einfach nicht beginnen, weil der Gasmann alles durcheinander bringt. Na ja. Immerhin kann ich jetzt ziemlich sicher sein, dass ich nicht an einer Gasvergiftung sterbe. 😀
Obwohl dieser Montag auch sonst nicht gerade dazu einlädt, eine neue Woche zu beginnen (Regen in Berlin -.-*), behalte ich die Tradition bei und starte mit der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja:

Glaubst du, du hast schon mal einer Buchfigur nachgeeifert?

Ich muss ehrlich sagen, ich kann mit dieser Frage nicht wirklich etwas anfangen. Erstens denke ich, wir hatten erst vor ein paar Wochen eine ganz ähnliche Frage („Glaubst du, dass Bücher dein Denken/Handeln schon mal beeinflusst haben?“ –> HIER geht es zum Beitrag) und zweitens halte ich es für sehr schwer, diese Frage konkret zu beantworten. Wie ich bereits vor ein paar Wochen schrieb, ich habe noch nie gedacht „Ich mache das jetzt so und so, weil XY auf Buch Z das ebenfalls so gemacht hat“. Doch unbewusst und/oder unterbewusst ist es natürlich sehr gut möglich, dass ich bestimmte Verhaltensweisen von Charakteren übernommen habe, weil sie mich beeindruckt haben.
Als Kind habe ich garantiert mal so getan, als wäre ich eine Figur aus einem Buch, nur kann ich mich leider nicht daran erinnern.
Svenja erwähnte, dass sie heutzutage manchmal denkt „Wie hätte der/die wohl reagiert?“ – das kann ich von mir nicht behaupten. Vielleicht bin ich dafür zu sehr in der Realität verankert. Es gibt allerdings auch nur wenige Situationen, in denen ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll und Hilfe von literarischen Figuren bräuchte.
Ich weiß, diese Antwort ist vermutlich nicht ganz so befriedigend, wie ihr es euch gewünscht hättet, aber ich schrieb ja, ich kann mit der Frage nicht so viel anfangen. Nächste Woche wird es bestimmt wieder besser. 😉

Und ihr? Habt ihr schon mal versucht, wie eine Buchfigur zu sein?

Ich freue mich auf eure Antworten und Kommentare, vielleicht habt ihr ja mehr zu dem Thema zu sagen als ich! 😉
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Let’s talk about… Gender in der Urban Fantasy: Mein perfekter untoter Freund

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute möchte ich mit euch eine neue Beitragsreihe unter dem Banner „Let’s talk about..“ beginnen, in der wir uns gemeinsam intensiv mit dem Thema Gender in der Urban Fantasy beschäftigen werden. Bereits vor Monaten habe ich begonnen, dazu zu recherchieren und musste dann schnell einsehen, dass das Thema viel zu umfangreich ist, um es in einem einzelnen Post zu besprechen. Also habe ich mir überlegt, dass wir uns am besten mit jedem Artikel, den ich zu dem Thema ausfindig machen konnte (und vielleicht noch machen werde), einzeln auseinandersetzen.
Heute beginnen wir sanft und relativ locker, indem wir der Frage nachgehen, was Vampire als Partner vor allem im Young Adult Bereich so begehrenswert macht. Was fasziniert uns an den Untoten und warum sind wir bereit, sie als Liebhaber junger Frauen im Teenageralter zu akzeptieren?
Dafür stelle ich euch ein Paper von Ananya Mukherjea von 2011 vor, das den Titel „My Vampire Boyfriend: Postfeminism, ‚Perfect‘ Masculinity, and the Comtemporary Appeal of Paranormal Romance“ trägt. Ich möchte diesen Artikel nicht bloß zusammenfassen, sondern werde auch ein paar eigene Gedanken einfließen lassen, bevor ich im Anschluss versuchen möchte, Mukherjeas Theorie auf die Young Adult Urban Fantasy Bücher zu übertragen, die ich bereits gelesen habe.
Seid ihr bereit für ein bisschen Wissenschaft? Dann los! 😀

Das zentrale Thema in Young Adult Urban Fantasy Romanen ist die Liebe zwischen einer jungen Mädchen-Frau (diese Bezeichnung wird nachher noch klarer) im Highschool-Alter und einem bluttrinkenden Jungen-Mann, der Schmerzen leidet bei dem Versuch, keine Menschen zu töten oder seine Liebste nicht in einen Vampir zu verwandeln. Meist wird die große Erste Liebe romantisiert und idealisiert dargestellt; die LeserInnen begeben sich in eine Welt des jugendlichen Überschwungs, jugendlicher Begeisterung und jugendlicher Attraktivität. Vermittelt wird die zugrundeliegende Idee, dass die Liebe zu einer besonders reinen, „guten“ jungen Frau auch einen im Wesentlichen extrem „bösen“ oder „schlechten“ Mann zu retten vermag. Um zu verstehen, was an diesen Beziehungen so anziehend ist, müssen wir uns zuerst einmal ansehen, wie die Persönlichkeiten, aus denen sich das literarische Paar zusammensetzt, charakterisiert sind.

Vampires-vampires-32618086-422-450Die herausragendste Eigenschaft von Vampiren wie Edward aus der Twilight-Reihe ist wohl ihre allumfassende Dualität. Man kann sie getrost als wandelnd Widersprüche bezeichnen, denn sie bündeln Qualitäten, die zum Teil sehr gegensätzlich sind. Sie sind jung und gleichzeitig alt, vereinen ein jugendliches Äußeres mit dem, was man wohl eine „alte Seele“ nennen kann: der Erfahrung und Weisheit des Alters. LeserInnen müssen beide Altersangaben anstandslos und vorbehaltlos akzeptieren können, denn andernfalls droht die beschriebene Beziehung, in die Perversion abzurutschen. Schließlich sprechen wir hier über Altersunterschiede von mehreren hundert Jahren.

Darüber hinaus ist das jugendliche Äußere des Untoten in der Regel außerordentlich attraktiv und begehrenswert. Nicht nur die Heldin der Geschichte sehnt sich nach dem Vampir, sondern auch ihre Freundinnen, die Mädchen an ihrer Schule und nicht selten bemerken es auch ältere (weibliche) Bezugspersonen. Er hingegen interessiert sich ausschließlich für die Heldin, obwohl er an jeder Hand 10 Frauen haben und ein eigenes Mode-Magazin verlegen könnte. Auf diese Weise wird die Heldin im Kopf der LeserInnen zu einer einzigartigen, prominenten und wichtigen Persönlichkeit, die einfach etwas Besonderes sein MUSS, weil er für sie schwärmt. Ihrer eigenen Ausstrahlung und Wirkung auf Männer ist sie sich (noch) nicht bewusst; sie vermittelt einen jungfräulichen, naiven und unschuldigen Eindruck.

Sein tatsächliches Alter lässt den Vampir wie einen dunklen Gentleman aus einer anderen Zeit erscheinen: reich und sozial dominant bietet er der in der Entwicklung begriffenen Heldin altmodische, aber stabile Gender Rollen und Erwartungen, die ihrer eigenen Situation oft krass entgegen gesetzt sind. Sie selbst weiß meist noch gar nicht, welche Rolle sie verkörpern möchte und was sie von sich selbst erwartet. In ihrer Beschreibung unterscheidet sie sich oft stark von ihren Altersgenossinnen. Sie ist weniger cool, weniger selbstbewusst, eher still und zurückhaltend, eben einfach „anders“ als die Anderen. Der daraus entstehenden Unsicherheit steht der Vampir gegenüber, der durch sein wahres Alter bereits gewissermaßen einen „abgeschlossenen“ Entwicklungsstand erreicht hat. So kann sich die Geschichte primär oder sogar vollständig auf ihre Entwicklung konzentrieren. Der Vampir befindet sich in einer Lage, in der er die Entwicklung und Selbstfindung seiner Heldin unterstützen kann, die mit den verwirrenden Möglichkeiten und Erwartungen der Welt kämpft, um ihre eigene Weiblichkeit zu definieren. Statt diesen Prozess zu unterdrücken oder sich davon bedroht zu fühlen, ist er in seiner Persönlichkeit so gefestigt, dass er sie darin bestärken und sogar beschützen kann, ohne ihre weitere Entwicklung ins Wanken zu bringen.

Als Old School Gentleman hat er das unbedingte Bedürfnis, seine Anbetete vor Gefahren jeglicher Art zu bewahren, sei es nun vor ihr selbst, äußeren Einflüssen oder vor ihm. Ihr Verlangen nach einem Gentleman wiederum ist exemplarisch für die schwierige Beziehung, die viele Frauen zu Weiblichkeit und zum Feminismus haben. Die Heldin verkörpert den Konflikt des Bedürfnisses, sich beschützt zu fühlen und ihre äußere Weiblichkeit anerkannt zu wissen mit dem Streben nach einem selbstbestimmten, aktiven Leben. Während viele menschliche Partner an diesen (scheinbaren) Gegensätzen scheitern würden, ist es ihr mit einem übernatürlichen Liebhaber möglich, beides zu bekommen. Sie Bella-Edward-kurz-vorm-kussmuss sich nicht entscheiden. Ihr Liebster personifiziert die maskulinen Ideale mehrerer Klassen und Epochen für mehrere Alters- und Bevölkerungsgruppen. Sie kann aus einer Vielzahl von Charaktereigenschaften und Fähigkeiten wählen, die ihrer Entwicklung entgegenkommen. Der Vampir ist wehrhaft und aggressiv, wenn es nötig ist (wenn auch eher widerwillig, er hat keine Neigung zur Gewalt, es sei denn, seine Partnerin ist in Gefahr oder wird bedroht); ist aber trotz dessen sensibel, einfühlsam, romantisch und aufopferungsvoll. Jede für die Heldin potentiell bedrohliche Eigenschaft wird dadurch neutralisiert, dass er in der Beziehung den erwachsenen Part übernimmt. Er ist derjenige, der auf verantwortungsbewusstem Verhalten und Zurückhaltung besteht. Man kann durchaus davon sprechen, dass er in vielen Situationen beides ist: Vaterfigur und Liebhaber. Die Heldin kann sich jeder Zeit darauf verlassen, dass er ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie kann auf seine Erfahrungen zurückgreifen und wenn es hart auf hart kommt, trifft er auch ungeliebte Entscheidungen zu ihrem Wohl. Niemals würde er die Situation sexuell ausnutzen, denn das Risiko, ihr damit zu schaden (ob nun physisch oder psychisch, weil sie noch nicht bereit für eine sexuelle Beziehung ist), ist viel zu hoch – dessen ist er sich nur allzu bewusst.

So wird schnell klar, was Vampire in der Rolle des Partners einer jungen, menschlichen Frau so bemerkenswert macht: sie sind alles auf einmal. Sie erfüllen jedes Bedürfnis und Verlangen ihrer Heldin, denn sie sind gleichzeitig sehr hart und sehr weich, faktisch fehlerlos. Obwohl auch menschliche Partner vampirische Züge aufweisen können, könnten sie niemals dieselbe Dualität verkörpern. Vampire in der Young Adult Urban Fantasy sind hypermaskulin, darin besteht ihr Reiz. In der Realität wäre uns diese Hypermaskulinität wohl definitiv zu viel, denn wer möchte schon einen Partner an seiner Seite wissen, der absolut perfekt ist, immer das Richtige sagt und tut? Doch in der YA UF funktioniert das Konzept, weil der Vampir auf diese Weise zu einer Figur wird, die viele verschiedene weibliche Wünsche und Sehnsüchte harmonisch in sich vereint. Er ist eine Projektion. Stephenie Meyer fasste Edwards Attraktivität für Bella sehr treffend zusammen: „We can’t all be slayers“.

Soweit die Theorie. Ganz offensichtlich funktioniert Mukherjeas Ansatz wunderbar mit der Liebesgeschichte zwischen Edward und Bella aus der Twilight-Serie. Doch ist er auch auf andere Romane übertragbar?
Ich bin mir sicher, dass das Fall ist, selbst mit Figuren, die komplexer sind als Bella und Edward. Obwohl ich feststellen musste, dass ich wenige Young Adult Romane gelesen habe, die Vampire behandeln (ja, wirklich, offenbar mag ich YA Dystopien lieber als YA UF), gibt es doch ein sehr aktuelles Beispiel, in denen ich ähnliche Tendenzen feststellen konnte, obwohl die ProtagonistInnen völlig anders sind als Bella und Edward: Gavriel und Tana in „The Coldest Girl in Coldtown“. Meiner Meinung nach sind Tana und Gavriel wesentlich facettenreicher als ihre KollegInnen des Genres, aber ihre Beziehung ist aus genau den gleichen Gründen knisternd und spannend. Es ist das Spiel mit dem Feuer und der Gefahr, ohne jemals wirklich in Gefahr zu sein. Ich kann hier leider nicht allzu sehr ins Detail gehen, ohne zu spoilern, doch Fakt ist, meiner Meinung nach sind sich Edward und Gavriel in ihrer grundlegenden Konstruktion gar nicht so unähnlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Details verschleiern ihre wesentlichen Gemeinsamkeiten. Man sieht den absolut durchgeknallten Gavriel und kann sich nicht vorstellen, dass er sich jemals genauso verhält wie der sanftmütige, poetische Edward. Aber ich bin überzeugt, dass es so ist. 😉

Was haltet ihr von Mukherjeas Theorie?

Stimmt ihr ihr zu, dass der Reiz des vampirischen Liebhabers in seiner Hypermaskulinität liegt? Weil er perfekt ist und der Heldin alles geben kann, was sie sich wünscht und herbei sehnt? Weil er sie unterstützt und ihre Entwicklung fördert, völlig uneigennützig?
Im abschließenden Teil des Papers vermerkt Mukherjea, dass die Beliebtheit des Genres daher rührt, dass die Liebesgeschichte eine Beziehung darstellt, in der eine junge Frau Sicherheit und Schutz erfährt, ohne auf weibliches Vergnügen oder das Ausleben ihrer Weiblichkeit verzichten zu müssen. Im Gegenteil: der Vampir ermöglicht ihr, ihre Möglichkeiten zu maximieren. Daraus schließt Mukherjea, dass diese Art von Beziehung etwas ist, was sich viele Frauen der Realität wünschen.
Ich für meinen Teil muss dem zustimmen. Rational weiß ich genau, dass ich mit einem Edward niemals glücklich werden könnte, doch emotional… na ja, ich habe damals gesagt „Edward ist einfach ein Kerl zum Heiraten“. Er ist eine hübsche kleine Illusion. Ging es euch genauso? Habt ihr ebenfalls für Edward geschwärmt, obwohl ihr rein intellektuell genau wusstet, dass er zu perfekt ist?

Lasst eure Gedanken einfach freien Lauf, wie immer gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Ich freue mich sehr auf unseren Austausch! 🙂
Alles Liebe,
Elli

P.S.: Läuft alles nach Plan, geht es übrigens nächste Woche bereits weiter, mit einem etwas heftigeren Thema: Vergewaltigungsmythen in der Urban Fantasy.

P.P.S.: Wenn ihr das Paper von Ananya Mukherjea lesen möchtet, sagt Bescheid! Ich verschicke es gern per E-Mail im PDF-Format!

(Bildquelle 1)
(Bildquelle 2)

 

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Holly Black – The Coldest Girl in Coldtown

„The Coldest Girl in Coldtown“

the coldest girl in coldtown

Autor: Holly Black

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 422

Verlag: Little, Brown Books for Young Readers

Sprache: Englisch

ISBN: 0316213098

Genre: Fantasy > Urban Fantasy > Young Adult

ausgelesen am: 08.03.2015

Bewertung:

Holly Black ist eine Bestsellerautorin, die es aus irgendeinen Grund erst jetzt in mein Bücherregal geschafft hat. Ich habe keine Ahnung, warum ihre Werke bisher an mir vorbei gegangen sind, denn ihre erste Veröffentlichung „Tithe: A Modern Faerie Tale“ fand bereits 2002 statt. Seitdem war sie sehr fleißig und konnte besonders im Young Adult Bereich Erfolge verzeichnen. Außerdem ist sie eng mit Cassandra Clare befreundet, mit der sie seit letztem Jahr an einer gemeinsamen Fantasy-Serie arbeitet: Magisterium.
„The Coldest Girl in Coldtown“ ist ein Einzelwerk, auf das ich durch Yvos Blog It’s All About Books aufmerksam wurde und von dem ich erst annahm, es sei eine YA Dystopie. Falsch gedacht – es ist Urban Fantasy.

Coldtowns: abgeschottete Städte hinter dicken Mauern. Gefängnisse der Verdammten. Seit bekannt wurde, dass Vampire keine mystischen Sagengestalten, sondern die blutige Realität sind, entstanden diese streng gesicherten Städte auf der ganzen Welt. Käfige für uralte Bestien, die ebenso tödlich wie glamourös sind. Aber sie sind auch ein Zufluchtsort für Aussteiger, frustrierte Jugendliche und all diejenigen, die sterben wollen, um das Leben zu spüren.
Tana weiß, dass Coldtown gefährlich ist, ganz gleich, was die Medien ihr weismachen wollen. Doch als sie eines Morgens nach einer wilden Party in einem Haus voller Leichen erwacht, ist Springfield der einzige Ort, an den sie gehen kann. Ihr Ex-Freund Aiden ist infiziert und sie selbst – nun, sie weiß es nicht. Dann ist da auch noch der Vampir Gavriel, der ein dunkles Geheimnis zu verbergen scheint. Zu dritt machen sie sich auf den Weg nach Springfield und Tana muss lernen, dass der Unterschied zwischen Jäger und Beute weniger eindeutig ist, als sie dachte…

„The Coldest Girl in Coldtown“ war eine etwas komplizierte Lektüre für mich, weil ich lange nicht richtig wusste, was ich damit anfangen soll. Die alternative Realität, die Holly Black konstruierte, fand ich interessant und glaubhaft, doch ich kam nicht richtig an die Protagonistin Tana heran. Ich hatte keine gute Verbindung zu ihr. Trotz dessen empfand ich das Buch insgesamt als überraschend tiefsinnig, weswegen es letztendlich für vier Sterne reichte.
Ich denke, das zentrale Thema dieses Romans ist die Versuchung. Mithilfe der Vampire erschuf Holly Black für die Menschen eine Möglichkeit, alle gesellschaftlichen Zwänge abzulegen und zu einer rohen, ungefilterten Version ihrer selbst zu werden. Keine Ketten, keine Scham, keine Reue. Eine recht attraktive Aussicht, auch für Tana. Sie weiß, dass sie der Versuchung nicht nachgeben sollte, weil es neben all den augenscheinlichen Vorteilen auch bedeutete, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Leider konnte ich bis zum Ende nicht vollständig nachvollziehen, wie genau Tana über die Vampire denkt. Anfangs ist sie fasziniert von ihnen, doch im Laufe der Geschichte ändert sich das. Ich habe nicht mitbekommen, wann das passiert ist und wodurch es ausgelöst wurde. Holly Black hat mich nicht daran teilhaben lassen. Auch fiel es mir schwer, zu verstehen, warum Tana nach dem Blutbad im Haus ihrer Freunde überhaupt nach Springfield fährt, statt die Polizei zu rufen. Dafür gab es eigentlich keinen rationalen Grund. Doch ich bin bereit, dieses Verhalten einfach ihrem Schockzustand zuzuschreiben und es damit gut sein zu lassen.
Die Vampire selbst sind kurz gesagt Monster. Blutrünstig, kaltherzig, skrupellos. Spitzenprädatoren aus dem Bilderbuch. Ich fand sie äußerst überzeugend, da sie wunderbar eine weitere zentrale Frage transportieren: warum sind Monster für uns so reizvoll? In diesem Zusammenhang gefiel mir auch die mediale, finanzielle Ausschlachtung der Vampire sehr gut. Ich halte dieses Verhalten der Medien für realistisch. Es sieht ihnen ähnlich, blutgierige Unsterbliche zu Superstars zu machen und sie bis zur Grenzwertigkeit zu vermarkten. Holly Black bewies hier eine treffende, scharfe Sichtweise auf bestimmte Mechanismen unserer Gesellschaft.
Mein Lieblingscharakter des Buches war eindeutig Gavriel. Er ist verrückt. Wirklich. Total irre. Ich hatte das Gefühl, als kenne nur er allein ein delikates Geheimnis, das ihm gegenüber allen anderen einen Vorteil verschafft. Als bewege er sich auf einer völlig anderen Ebene des Seins. Zwar sind auch all die anderen Charaktere auf ihre eigene Art Freaks, aber Gavriel toppt sie alle.

„The Coldest Girl in Coldtown“ ist ein interessanter YA-UF Roman, der mich in verschiedenen Punkten positiv überrascht hat. Holly Black ist eine bemerkenswerte Autorin, von der ich gern noch mehr lesen möchte. Sie macht mich neugierig, weil ihre Art zu schreiben nicht das übliche YA-Wischiwaschi ist. Sie scheut sich nicht, blutige Details zu beschreiben und behandelt ihre Charaktere als vollwertige Individuen, die mehr zu bieten haben als nur oberflächliche Klischees.
Ich denke, „The Coldest Girl in Coldtown“ ist die richtige Lektüre für LeserInnen, die die Nase voll haben von kitschigen, romantischen Young Adult Urban Fantasy Romanen und es lieber handfest mögen. Holly Black beweist, dass nicht nur Männer derbe Urban Fantasy schreiben können. Lasst ihr euch auf ihre Welt ein, werdet ihr merken, wie verlockend die Versuchung des Monströsen sein kann.

 
 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild! 🙂
Es scheint so, als wäre der Montag für mich prinzipiell DER Auslese-Tag der Woche. Irgendwie bin ich in einen Rhythmus gerutscht, der zur Folge hat, dass ich bei Gemeinsam Lesen immer gerade erst mit einem neuen Buch angefangen habe und nur ein paar Seiten lesen konnte. So auch heute. Ich kann euch heute also wieder nur Erwartungen präsentieren, statt wirklich etwas zu meiner aktuellen Lektüre sagen zu können.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich habe gestern Abend noch mit „Hexed“ von Kevin Hearne begonnen und befinde mich jetzt auf Seite 11. Das ist der zweite Band der Iron Druid Chronicles und ein Zugeständnis meines Bauches an unser Jahresziel, nicht so viele neue Reihen anzufangen und dafür bereits begonnene weiterzulesen oder abzuschließen. 😉

HexedAtticus O’Sullivan, last of the Druids, doesn’t care much for witches. Still, he’s about to make nice with the local coven by signing a mutually beneficial nonaggression treaty—when suddenly the witch population in modern-day Tempe, Arizona, quadruples overnight. And the new girls are not just bad, they’re badasses with a dark history on the German side of World War II.

With a fallen angel feasting on local high school students, a horde of Bacchants blowing in from Vegas with their special brand of deadly decadence, and a dangerously sexy Celtic goddess of fire vying for his attention, Atticus is having trouble scheduling the witch hunt. But aided by his magical sword, his neighbor’s rocket-propelled grenade launcher, and his vampire attorney, Atticus is ready to sweep the town and show the witchy women they picked the wrong Druid to hex.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Leif’s fangs popped out and he launched himself from his chair to the edge of my front lawn, scanning the darkness for assailants with all his senses.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Hach, Atticus. Ein Mann ganz nach meinem Geschmack. Angenommen, es gäbe ihn wirklich und er lebte in meiner Nachbarschaft – ich würde ihn stalken. Vorausgesetzt, der Lieblingsmensch wäre nicht in meinem Leben. Nicht nur, dass Atticus wohl phänomenal gut aussieht (trotz seiner rund 2.000 Lebensjahre), er hat auch einen fantastischen, spritzigen Humor, der auf mich wirklich äußerst attraktiv wirkt. Ich finde es großartig, mit welcher Leichtigkeit er sein Leben bestreitet und dass er niemals den Glauben an sich verliert. Er ist lässig und einfach derbe cool. Außerdem kann er magiern (zaubern klingt immer so nach Taschenspielertricks). Und er führt richtige Gespräche mit seinem Hund Oberon. Mir fällt nichts ein, was ich an ihm nicht leiden kann, was besonders in der Urban Fantasy selten vorkommt. Ich mag Atticus genau so, wie er eben ist. Ja, ich weiß, ich klinge ein bisschen nach Fan-Girl. Na und? 😀
Ich erwarte vom zweiten Band der Reihe, dass er mich genauso begeistert wie der erste und dass ich wieder einige interessante Details aus zum Teil bereits fast vergessenen Glaubensrichtungen erfahre. Die keltische Mythologie steht natürlich im Vordergrund, aber da ich mich mit dem entsprechenden Götterpantheon und ihren Beziehungen nicht auskenne, soll mir das nur recht sein. Bestimmt wird es auch wieder sehr actionreich und lustig, worauf ich mich ebenfalls freue, weil die letzten Bücher, die ich gelesen habe, doch eher auf Psychisches konzentriert und sehr ernst waren. Kaum Schlägereien. Jetzt darf mal wieder geprügelt werden! 😀 Und Atticus ist dafür einfach der perfekte Kandidat.

4. Welches Buch würdest du einem absoluten Lesemuffel empfehlen, um ihn davon zu überzeugen, dass Lesen einfach das absolut tollste ist? Und warum gerade dieses Buch?

Wow, was für eine Frage. 😀 So toll ich sie finde, die Antwort ist wirklich nicht leicht. Ich habe so viele tolle Bücher in meinem Leben gelesen, dass diese Frage ganz ähnlich ist, als würde man mich fragen, welches Buch mein liebstes auf der ganzen Welt ist. Mal davon abgesehen, dass ich denke, die Antwort ist auch von besagtem Lesemuffel abhängig. Jemandem, der sich nicht vorstellen kann, dass Orks in einer anderen Welt existieren könnten, würde ich zum Beispiel niemals einen Fantasy-Roman empfehlen.
Spontan würde ich „Schiffbruch mit Tiger“ von Yann Martel (zur Rezension geht es HIER lang) auswählen, weil dieses Buch meiner Meinung nach nicht nur wundervoll, sondern auch ein ziemlicher Allrounder ist. Es geht um das Leben, die Liebe, es gibt Abenteuer und Action, aber auch Wissen, etwas zu Lachen und ein bisschen Drama. Ich denke, es gibt sehr viele Menschen, denen ich durch dieses Buch klarmachen könnte, wie toll Lesen ist. Vielen, aber eben nicht allen. Jedes Buch, das ich empfehlen könnte, wäre für einige Muffelchen perfekt geeignet, für andere wiederum gar nicht. Letztendlich wäre es also davon abhängig, was für einen Menschen ich vom Lesen überzeugen wollte. Ich würde versuchen, sehr vorsichtig und einfühlsam an diese Aufgabe heranzugehen, denn wähle ich das falsche Buch aus, bestätigt das das Muffelchen vermutlich nur und im schlimmsten Fall nimmt es nie wieder ein Buch zur Hand. Und dafür möchte ich keinesfalls verantwortlich sein. 😉

Was lest ihr im Moment? Welches Buch würdet ihr einem Lesemuffel empfehlen und warum?

Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Beobachtungen?

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Hallo ihr Lieben!  🙂

Heute ist Montag, also starten wir wieder einmal gemeinsam in eine neue Woche! Für mich ist diese Woche relativ vollgepackt, aber ich werde wohl trotz dessen versuchen, den ersten Post zum Thema Gender in der Urban Fantasy zu veröffentlichen. 😉
Jetzt beantworte ich aber erst einmal die Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja:

Habt ihr schon mal Situationen beobachtet, die euch an Passagen aus gelesenen Büchern erinnern?

Ich muss ehrlich sagen, diese Frage überfordert mich. 😀 Ich habe die Frage bereits heute Nacht gelesen und habe dann beim Einschlafen die ganze Zeit darüber nachgedacht. Und heute Morgen beim Gassi gehen mit meinem Hund auch noch mal. Mir ist nichts eingefallen. Vielleicht liegt es an der absoluten Reizüberflutung in der Großstadt, aber ich sehe täglich so viele Menschen und beobachte so viele Situationen, dass sie es in den seltensten Fällen in mein Langzeitgedächtnis schaffen. Selbst die merkwürdigen Beobachtungen verschwinden irgendwann wieder. 😀
Also habe ich mich entschieden, euch stattdessen eine Geschichte aus meiner Jugend zu erzählen, die fast GENAU SO auch in einem Buch passiert ist. Das Lustige daran ist (im Nachhinein), dass ich den gleichen Fehler wie die Protagonistin gemacht habe, obwohl ich ja bereits gelesen hatte, wie das bei ihr geendet ist.

Ich war damals etwa 12, 13, 14 Jahre alt. Das Buch hieß „Umzug nach Wolke Sieben“ von Sabine Both und stammt aus der Reihe „Freche Mädchen, Freche Bücher!“. Ich habe das Buch übrigens auch noch. Soweit ich mich erinnere, enttäuscht die Protagonistin Jule darin ihre beste Freundin Mechthild, weil sie unbedingt zu einer Schulparty möchte. Mechthild findet diese Veranstaltungen doof, deswegen lügt Jule sie an und erzählt ihr nicht, dass sie hingeht, sondern behauptet, dass sie aus irgendeinem anderen Grund keine Zeit für Mechthild hat (Familienausflug oder so). Aus Zufall ruft Mechthild dann allerdings bei Jule zu Hause an und findet so heraus, dass Jule bei der Party ist. Mechthild ist furchtbar enttäuscht und verletzt. Als Jule von der Party heimkommt, erfährt sie von ihren Eltern, dass Mechthild angerufen hat.
Bei mir lief es fast genau so ab. Ich sollte damals mit meinen Freundinnen C. und J. ein Schulprojekt für Geschichte ausarbeiten, zum Thema Todesstrafe und Folter. An besagtem Tag hatte ich C., meiner besten Freundin, versprochen, am Nachmittag in die Bibliothek zu gehen und Bücher dazu herauszusuchen. Na ja. Hatte ich nicht vor. Ich wusste schon im Voraus, dass ich an diesem Tag nicht in die Bibliothek gehen würde, sondern mich stattdessen mit einer weiteren Freundin R. treffen würde, die nicht auf unsere Schule ging. Ich machte mich also auf den Weg zu R., während C. glaubte, ich würde fleißig recherchieren. Dumm nur, dass C. dann anrief, während ich bei R. war. Mein Vater wusste natürlich nichts davon, dass ich C. angelogen hatte und erzählte ihr, dass ich bei R. war. Tja. C. schäumte vor Wut und war zu Recht überaus enttäuscht von mir. Sie dachte, ich würde das ganze Projekt versauen. Was ich verstehen kann. Damals bereits und heute immer noch.
Zum Glück wusste ich aber durch die Geschichte von Jule und Mechthild, dass mir nichts anderes übrig blieb, als bei C. zu Kreuze zu kriechen und mich zu entschuldigen. Jule fuhr vor der Schule bei Mechthild vorbei und brachte ihr einen riesigen Strauß Sonnenblumen, Mechthilds Lieblingsblumen. Sie entschuldigte sich herzergreifend und Mechthild verzieh ihr ihren Fehltritt. Ich nahm mir ein Beispiel an Jule und machte es genauso. Gut, es war kein Strauß Sonnenblumen, sondern eine einzelne Rose (glaube ich), aber das Prinzip war das gleiche. Und es hat tatsächlich funktioniert. 😀 C. verzieh mir meine blöde Lüge und ich konnte ihr glaubhaft vermitteln, dass mir das Projekt durchaus am Herzen lag und mir eine gute Note genauso wichtig war wie ihr. Ich glaube, ich habe C. danach nie wieder angelogen. Und Jule Mechthild übrigens auch nicht.

Habt ihr schon mal eine Situation erlebt oder beobachtet, die fast genauso in einem Buch passiert ist?

Ich freue mich sehr auf eure Geschichten und Kommentare und wünsche euch einen wundervollen Wochenstart! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Peter V. Brett – Das Lied der Dunkelheit

„Das Lied der Dunkelheit“

das lied der dunkelheit

Originaltitel: „The Warded Man“ / „The Painted Man“

Reihe: Demon Cycle #1

Autor: Peter V. Brett

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 797 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453524764

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 01.03.2015

Bewertung:

Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind fürchtet die Nacht. Denn mit der Dunkelheit kommen die Dämonen. Verschwindet die Sonne am Horizont, kriechen sie aus dem Horc hervor und alles, was die Menschen zu schützen vermag, sind uralte Siegel, die die Dämonen nicht passieren können. Einst gab es mächtige Kampfsiegel, doch diese Symbole gingen über die Jahrtausende verloren und so haben die Menschen keine andere Wahl, als sich jede Nacht ängstlich hinter den Schutzsiegeln zu verbarrikadieren.
Als die Mutter des jungen Arlen bei einem Dämonenangriff ums Leben kommt und er erleben muss, wie sein Vater tatenlos zusieht, erkennt er, dass er es leid ist, sich furchtsam zu verstecken; er will kämpfen. Arlen läuft davon und macht sich auf die Suche nach dem Wissen um die Kampfsiegel und nach Menschen, die noch einen letzten Funken Hoffnung und Mut in sich tragen.
Das Tal der Holzfäller, Leeshas Heimatdorf, ist dem Dorf, in dem Arlen aufwuchs, sehr ähnlich. Auch ihr Leben wird maßgeblich von einem brutalen Dämonenangriff geprägt, denn dadurch erkennt sie ihr Talent und ihre Bestimmung. Unter der Anleitung der alten Bruna wird sie zur Heilerin ausgebildet.
Rojers Eltern werden von Dämonen umgebracht, als er gerade einmal drei Jahre alt ist. Seit dieser verhängnisvollen Nacht wächst er bei dem Jongleur Arrick auf.
Drei Menschen, die durch die Horclinge fast alles verloren haben. Können sie gemeinsam den Menschen ihren Kampfeswillen wiedergeben, wenn sich ihre Wege kreuzen?

Eigentlich kann ich gar nicht viel zu „Das Lied der Dunkelheit“ sagen, denn es gibt einfach nichts zu meckern. 😀 Ich fand es fand es fantastisch, so fantastisch, dass ich diesen dicken Wälzer innerhalb von knapp drei Tagen ausgelesen habe. Dieses Buch ist High Fantasy at its finest und ein delikater Vorgeschmack auf eine überzeugende, spannende Serie.
Besonders beeindruckt war ich von der greifbaren Vorstellbarkeit von Bretts Welt, die atmosphärisch beschrieben ist, ohne langatmig Geduld von den LeserInnen zu erfordern. Wir begegnen Arlen direkt nach einem Dämonenangriff in seinem Dorf und begreifen so sehr schnell, wie gefährlich und eingeschränkt die Lebensrealität der Menschen ist. Die Angst vor den Horclingen bestimmt jedes einzelne Leben; der Stand der Sonne ist das Maß aller Dinge. Geschickt verwebt Brett in diese Ausgangssituation Erklärungen und Hintergründe; er beweist Autorität, nimmt seine LeserInnen an die Hand und erläutert, wie es überhaupt so weit kommen konnte. So fühlte ich mich die gesamte Geschichte über nicht nur den Figuren sehr nahe, sondern auch dem Autor selbst.
Die drei Protagonisten werden einzeln und sehr ausführlich etabliert, wodurch es für mich völlig unkompliziert war, ein Gefühl für sie zu entwickeln und sie richtig kennenzulernen. Ich fand es großartig, dass mir alle drei als Kinder vorgestellt wurden und ich sie dann einige Jahre begleiten durfte, denn so erlebte ich live und in Farbe, wie sie (mehr oder weniger) erwachsen wurden. Ich war dabei, als Arlen, Leesha und Rojer jeweils am Scheideweg standen und entscheiden mussten, wie sie ihr weiteres Leben gestalten wollen. Das war eine sehr schöne Erfahrung. Außerdem wusste ich einfach von Beginn an, dass sich ihre Wege kreuzen würden und ich konnte es kaum abwarten, bis es soweit war. Auf die eine oder andere Weise sind sie alle Außenseiter der Gesellschaft, weil sie ihr Leben abseits der Norm leben. Sie sind besondere Persönlichkeiten; von ihrem Aufeinandertreffen versprach ich mir viel Spannung und tja, was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. 😉
Vergleicht man Arlen, Leesha und Rojer mit ihrem Umfeld, wird erst deutlich, WIE außergewöhnlich sie sind. Peter V. Brett hat vor allem die Mentalität der Dorfbevölkerung hervorragend getroffen. Ich bin zwar eine Großstädterin, aber auch ich weiß, dass es schwer sein kann, auf dem Land zu leben, wenn man anders ist. In einer Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und in der über alles getratscht wird, bleibt nichts verborgen und ein Gerücht kann sich mir nichts, dir nichts verselbstständigen. Trotz dessen versäumt Brett es nicht, diesem Bild den besonderen Zusammenhalt hinzuzufügen, den es wohl so nur in Dörfern geben kann. Sobald es Nacht wird, sobald es heißt „Wir gegen die Dämonen“, sind all die kleinen Streitigkeiten des Tages vergessen.
Die Dämonen an sich verdienen übrigens auch ein herzliches Lob. Ihre Vielfalt ist verblüffend und ich kann verstehen, warum die Menschen solche Angst vor ihnen haben. Leesha fällt gegen Ende des Buches auf, dass allerdings nur sehr rudimentäre Fakten über sie bekannt sind; ich freue mich schon darauf, mit ihr gemeinsam im nächsten Band mehr über sie herauszufinden, das wird bestimmt sehr interessant und spannend.

„Das Lied der Dunkelheit“ ist ein großartiger Serien-Auftakt, der Lust auf mehr macht. Das Buch stand sehr lange ungelesen in meinem Regal – jetzt kann ich das nicht mehr verstehen. Arlen, Leesha und Rojer steht meiner Meinung nach eine fantastische Reise bevor, die sie mit so mancher Prüfung konfrontieren wird. Wenn sie wirklich den schlummernden Kampfeswillen der Menschen wieder erwecken möchten, wird das ein hartes Stück Arbeit. Ich bin wirklich neugierig auf den nächsten Band, den ich allerdings auf Englisch lesen werde, weil die Originalausgabe („The Desert Spear“) schlicht und ergreifend viel günstiger ist. Ich kann mir noch gar nicht richtig vorstellen, in welche Richtung Peter V. Brett seine Geschichte treiben möchte und bin gespannt, was er mit mir vorhat.
Ich kann euch „Das Lied der Dunkelheit“ guten Gewissens empfehlen, wenn ihr High Fantasy liebt. Euch erwarten ein atmosphärischer, vorstellbarer Weltenaufbau, facettenreiche Charaktere und ein Kampf, der grundlegender nicht sein könnte: die Menschheit gegen das Böse!

 
10 Kommentare

Verfasst von - 18. März 2015 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese Aktion wird abwechselnd von Schlunzen-Bücher und Weltenwanderer betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Schlunzen-Bücher durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich fange heute mit „Red Queen“ (Red Queen Trilogy #1) von Victoria Aveyard an, bin also noch auf Seite 1 von 388.

Red Queen „Mare Barrow’s world is divided by blood—those with red and those with silver. Mare and her family are lowly Reds, destined to serve the Silver elite whose supernatural abilities make them nearly gods. Mare steals what she can to help her family survive, but when her best friend is conscripted into the army she gambles everything to win his freedom. A twist of fate leads her to the royal palace itself, where, in front of the king and all his nobles, she discovers a power of her own—an ability she didn’t know she had. Except . . . her blood is Red.

To hide this impossibility, the king forces her into the role of a lost Silver princess and betroths her to one of his own sons. As Mare is drawn further into the Silver world, she risks her new position to aid the Scarlet Guard—the leaders of a Red rebellion. Her actions put into motion a deadly and violent dance, pitting prince against prince—and Mare against her own heart.

From debut author Victoria Aveyard comes a lush, vivid fantasy series where loyalty and desire can tear you apart and the only certainty is betrayal.“

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„I hate First Friday.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Ich kann zu „Red Queen“ noch nichts sagen, außer, dass ich mich jetzt sehr sehr lange auf dieses Buch gefreut habe. Ich bin sehr neugierig, ob die Geschichte dem wundervollen Cover gerecht wird. 😉
Da ich mit „Red Queen“ noch nicht begonnen habe, möchte ich stattdessen noch in paar Worte zu „My Sister, My Love“ von Joyce Carol Oates sagen, das ich heute nacht (irgendwann nach Mitternacht) beendet habe. Normalerweise würde ich mit meinen Gedanken bis zur Rezension warten, aber ich weiß bereits, dass ich aus Platzgründen sowieso nicht alles integrieren kann, das mir durch den Kopf geht. Außerdem habe ich das Gefühl, noch nicht richtig damit abgeschlossen zu haben.
„My Sister, My Love“ ist das emotionalste Buch, das ich je gelesen habe. Als ich gestern damit fertig wurde, habe ich mich furchtbar gefühlt: wund und verletzlich. Ich hätte gern ein bisschen geweint, um das Gefühl los zu werden und weil Skyler als Protagonist eine ganze Flut von Tränen des Mitgefühls und der Anteilnahme verdient. Aber ich konnte nicht. Es ging einfach nicht; es war, als wäre ich paralysiert. Die letzten Seiten haben mich in einen emotionalen Schockzustand versetzt. Als wären die Gefühle, die ich mit Skyler durchlebt habe, zu groß, zu heftig, um damit fertig zu werden. Es wird sehr schwer, meine Emotionen für die Rezension in Worte zu fassen, weil mich Joyce Carol Oates wieder einmal völlig überwältigt hat. Und so gern ich geweint hätte, ich glaube, Skyler hätte das nicht gewollt. Ich weiß, er ist nicht real, aber es ist fast unmöglich für mich, ihn als fiktive Persönlichkeit zu betrachten. So GUT schreibt Joyce Carol Oates. Ich kann nicht begreifen, warum sie hier in Deutschland offenbar kaum jemand kennt. Ihr müsst ihre Bücher lesen, das ist mein voller Ernst. Man weiß nicht, was gute Literatur ist, bevor man nicht erlebt hat, wie sie Geschichten zum Leben erweckt. Ihr Stil wird als „psychologischer Realismus“ bezeichnet – das ist die einzige Beschreibung, Einteilung und Kategorisierung, die mir passend und angemessen für ihre Werke erscheint. Sie schreibt keine „realistische Fiktion“; ihre Bücher sind so realistisch, dass man nicht mehr von Fiktion sprechen kann meiner Meinung nach. Bitte gebt ihr eine Chance. Bitte lernt sie kennen. Sie ist einfach unerreicht, unvergleichlich und – kurz gesagt – meine liebste weibliche Autorin.

4. Was ist euer liebster Leseplatz? Gerne dürft ihr uns auch Fotos davon zeigen!

Ich habe zwei Plätze ausgewählt, die ich euch heute zeigen möchte. Meine geliebte Couchecke (mein Lesenest) und den Park, in dem ich im Sommer gern lese. 🙂 Die Fotos sind heute entstanden; die Bilder vom Park habe ich geschossen, während ich mit meiner Hündin dort im schönsten Sonnenschein spazieren war. Ihr könnt alle Fotos anklicken, falls ihr sie gern größer sehen möchtet.

Meine Couch

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Hier seht ihr meine Leseecke auf meiner großen, gemütlichen Couch. Das Regal, das direkt dahinter steht, ist meine kleine Blogger-Ecke. Dort stehen die Bücher, die ich noch rezensieren muss und auf der Pinnwand sammele ich Ideen für Beiträge. Im Moment liegen dort zum Beispiel auch die Artikel zum Thema Gender in der Urban Fantasy. Alles, was direkt mit dem Prozess des Lesens zu tun hat, habe ich in diesem Regal verstaut: meinen Kindle, meine Lesezeichen, Notizbücher, Stifte… alles schön geordnet an einem Platz. 🙂

Unser Park

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Im Park gibt es viele Plätze, an denen man entspannt lesen kann. Doch meistens sitze ich an dem Ort, den euch die ersten beiden Fotos zeigen. Für euch sieht das vermutlich nur wie ein Haufen Steine aus, aber in Wirklichkeit sind es Steinbänke, die ein paar meiner Bekannten extra aufgebaut haben, damit man im Sommer dort sitzen kann. Was wie ein Tisch wirkt, ist eigentlich ein Grill. 😉 Momentan wirkt es noch recht trostlos und kahl, aber im Sommer ist alles grün und für mich eine Oase der Entspannung, mitten in der Stadt. Das Gebiet wird nicht gewartet, dadurch ist alles naturbelassen und der perfekte Auslauf für meine quirlige Hündin. Dort lese ich. Es ist so schön, einfach zwischen den Bäumen zu sitzen, meine Kleine in der Nähe (in Sicherheit) zu wissen und in ein Buch abzutauchen. Ich liebe es. 🙂

Was lest ihr im Moment und wo lest ihr am liebsten?

Ich freue mich sehr auf eure Kommentare und Geschichten! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Montagsfrage: Längste Leseflaute?

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Hallo ihr Lieben! 🙂

Scheint bei euch auch die Sonne? Hier in Berlin ist es ein wunderschöner, strahlender Montag; da hat man richtig Lust auf eine neue Woche. Und wie könnte man diese neue Woche besser beginnen als mit der Montagsfrage vom Buchfresserchen Svenja? 😉

Was war bei euch die längste Phase, in der ihr nicht gelesen habt?

Wow, das ist eine wirklich schwierige Frage für mich. Ich bin mir nicht sicher. Wenn ich jemals eine richtige Leseflaute hatte, muss sie schon ziemlich lange her sein. Im Teenager-Alter, so mit 14 oder 15, habe ich vermutlich nicht so viel gelesen, weil mir damals andere Dinge wichtiger waren (meine Freunde), aber ich erinnere mich selbst aus dieser Zeit an Nachmittage, die ich mit einem Buch verbracht habe. Manchmal saß ich zum Beispiel neben meinen Freunden, während sie Karten gespielt haben und habe gelesen. Ich bin überzeugt, seit ich aktiv selbst lese, gab es immer ein „aktuelles Buch“, selbst wenn ich früher nicht so viel am Stück gelesen habe wie heute. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich jemals kein Buch in meiner Tasche gehabt hätte. Ich habe mir den Kopf zermartert, aber mir fällt einfach keine Zeit ein, in der ich mal nicht gelesen hätte. Ich muss also raten. Ich schätze, das längste war… eine Woche? Ich bin mir wirklich nicht sicher, es kann länger gewesen sein oder auch kürzer.
Ich weiß, dass wirklich viele BloggerInnen das Problem mit den Leseflauten kennen, aber bisher wurde ich von solchen Phasen meiner Meinung nach verschont, denn eine Woche kann man ja nun nicht als Flaute bezeichnen. Ich habe eigentlich immer Lust zu lesen und blicke ich in mein Regal, grinsen mich all die ungelesen Bücher förmlich an und ich werde ganz zappelig, weil ich die unzähligen Geschichten am liebsten alle auf einmal lesen würde. Für diese schier unstillbare Lust und Neugier auf neue Bücher und Geschichten bin ich sehr dankbar, denn ich wüsste gar nicht richtig, was ich ohne sie mit mir anstellen sollte. Ich würde mich wohl schrecklich langweilen. Also klopfe ich dreimal kräftig auf Holz, werfe mir Salz über die Schulter und vollführe auch gern jeden sonstigen abergläubischen Trick, damit es für immer so bleibt. 😉

Hattet ihr schon mal eine Leseflaute? Wie lang war sie und wodurch wurde sie ausgelöst?

Ich freue mich sehr auf eure Kommentare, weil mich interessiert, wie es für euch ist. Da ich das Phänomen selbst anscheinend nicht kenne, ist es für mich umso spannender, von euren Erfahrungen zu lesen. 🙂
Ich wünsche euch einen grandiosen Wochenstart! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
 

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Hinhalte-Taktik Extrem: Mein Amazon-Experiment

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen, die vor ziemlich genau einem Jahr begann. Im Juli 2014 habe ich schon einmal davon berichtet, doch da die wenigsten von euch zu diesem Zeitpunkt bereits zum illustren Kreis meiner hochgeschätzten Follower gehörten, werde ich diesen Schwank noch einmal erzählen. 😉

Im Frühjahr 2014 lief im Fernsehen der Film „Ich bin Nummer 4“. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde diesen Film klasse. Also sah ich ihn mir wieder einmal an. Vorher ist es mir nie aufgefallen, doch dieses Mal wurde mir durch den Vorspann klar, dass es sich um eine Verfilmung handelt. Die literarische Vorlage stammt von Pittacus Lore; „Ich bin Nummer 4“ ist der erste Band der Serie Lorien Legacies. Da ich den Film so genial finde und keinesfalls darauf warten wollte, dass die weiteren Bände ebenfalls verfilmt werden (was übrigens bis heute in den Sternen steht), entschied ich, die Bücher zu kaufen. Eine kurze Suche bei Amazon förderte dann schnell zu Tage, dass es eine hübsche Box gibt, die die ersten drei Bände enthält. Ich liebe Schuber, weil sie das Problem, die gleichen Ausgaben für eine Reihe zusammen zu suchen, unkompliziert lösen. Das Boxset hatte zu diesem Zeitpunkt den Status „Derzeit nicht verfügbar“. Ich habe es trotzdem bestellt, weil ich davon ausging, Amazon würde sich bemühen, es für mich zu besorgen und mich informieren, sobald sie Erfolg hätten. Ich bin ja recht geduldig, wenn es um Bücher geht, weil mein SuB so riesig ist. 😉
Die Bestellung ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her. Am 09. März 2014 habe ich den Schuber geordert. Seitdem bekomme ich in einigermaßen regelmäßigen Abständen (etwa einmal im Monat) E-Mails von Amazon mit folgendem Inhalt:

“Guten Tag,
wir versuchen noch immer, den/die folgenden am 09. März 2014 bestellten Artikel für Sie zu besorgen:

Lore, Pittacus “Pittacus Lore Box Set”

Derzeit können wir Ihnen leider keinen Liefertermin nennen.Sobald wir ein aktuelles voraussichtliches Lieferdatum haben, werden wir Sie umgehend per E-Mail informieren.

Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld. Wir versuchen weiterhin, den Artikel noch für Sie zu beziehen, können allerdings nicht garantieren, dass der Artikel noch erhältlich ist.
Falls Ihnen die Wartezeit zu lange wird, können Sie die Bestellung natürlich jederzeit stornieren, solange sie sich nicht im Versandprozess befindet.”

Im Mai 2014 wurde mir das erste Mal ein Liefertermin genannt. Die Sendung sollte angeblich zwischen dem 15. und 20. Juni bei mir eintreffen. Ihr könnt euch sicher denken, dass das nicht geklappt hat. Amazon behauptete daraufhin, der Liefertermin verschöbe sich auf den Zeitraum vom 05. bis 15. Juli. Das wurde natürlich auch nichts. Seitdem bekam ich nur noch die Standard-E-Mail. die ich oben zitiert habe.

I am Number Four Box Set Bestellung Amazon

Warum mache ich das? Warum warte ich seit einem Jahr auf ein Bücher-Set, das wohl niemals hier ankommt?

Wisst ihr, mir geht es gar nicht darum, dass ich diese Box unbedingt haben wollen würde. Unter anderen Umständen würde ich niemals ein Jahr auf ein Buch warten, das ich auch anders kaufen kann. Hier geht es nur noch um das berühmte Prinzip. Es war ein einjähriges Experiment. Ich wollte wissen, wie lange Amazon mich theoretisch hinhalten würde, ohne einmal deutlich zu sagen „Tut uns leid, diese Ausgabe ist vergriffen, können wir nicht ändern, ist nicht zu bekommen, kaufen Sie die Bücher doch einzeln!“. Tja. Die Antwort lautet: mehr als ein Jahr. Vermutlich würden sie mir niemals sagen, dass sie die Box nicht besorgen können. Denn das entspricht nicht ihrem Konzept. Amazon ist u.a. deshalb so erfolgreich, weil sie ihren KundInnen vermitteln, für jeden zu jeder Zeit alles besorgen und liefern zu können. Dass das nicht stimmt, hat mein Experiment klar gezeigt. Natürlich wussten wir alle schon vorher auf einer abstrakten Ebene, dass auch den Möglichkeiten von Amazon Grenzen gesetzt sind. Aber das ist nicht der Punkt, der mich ärgert und warum ich Amazon so lange Zeit gegeben habe.
Es geht darum, dass ihre eigene Firmenpolitik sie daran hindert, ehrlich mit ihren KundInnen umzugehen. Denn so empfinde ich das. Sie haben mir verschwiegen, dass der Schuber vergriffen ist. Irgendwann im Laufe des vergangenen Jahres hätten sie den standardisierten Satz „[…] können allerdings nicht garantieren, dass der Artikel noch erhältlich ist.“ in etwas wie „Gib’s auf, du Sturkopf! Selbst wir können die Box nicht herbei zaubern! Vergriffen ist nun mal vergriffen!“ (oder so ähnlich 😀 ) ändern sollen. Amazon ist nicht in der Lage, ihren KundInnen frei weg zu sagen, dass ein Artikel oder ein Produkt außerhalb ihrer Reichweite liegt und das finde ich nicht in Ordnung.
Jemand anders als ich wüsste vielleicht nicht, dass diese nicht erfolgte Lieferung auf eine vergriffene Ausgabe zurückzuführen ist. Jemand anders würde vielleicht daran glauben, dass Amazon tatsächlich engagiert ist, die Box zu besorgen. Jemand anders würde vielleicht noch ein Jahr warten. Dieses Hinhalten ist Bullshit. Wir versuchen es weiter, bla bla. Um EIN WENIG Geduld bitten sie mich.
Mittlerweile hat Amazon den Hinweis „Derzeit nicht verfügbar“ aus der Artikelbeschreibung des Boxsets herausgenommen. Das heißt, sie wissen ganz genau, dass es nicht mehr gekauft werden kann; dass es vergriffen ist und sie es nicht liefern können. Warum sind sie nicht in der Lage, mir das auch mitzuteilen? Ich finde das nicht sehr kundenfreundlich.

Letztendlich wird das Ergebnis meines kleinen Experiments nichts ändern. Ich werde trotzdem weiterhin bei Amazon kaufen, weil es einfach bequem ist. Aber ich weiß jetzt auch, dass ihre Kundenfreundlichkeit Grenzen kennt. Ich werde wohl nie wieder einen Artikel bestellen, der mit „Derzeit nicht verfügbar“ gekennzeichnet ist, weil ich ihnen nicht vertrauen kann, dass sie mir ohne Umschweife mitteilen, wenn dieser Artikel generell nicht lieferbar ist. Keine Frage, dass ich die Bestellung des Boxsets jetzt stornieren und mir die Lorien Legacies – Serie als Einzelbände besorgen werde.

Mich würde jetzt interessieren, ob ihr auch schon mal ähnlich seltsame, ärgerliche Erfahrungen mit Amazon oder anderen Websites gemacht habt, die Bücher verkaufen. Seid ihr auch schon einmal auf ähnliche Weise enttäuscht worden? Ist euch so etwas vielleicht sogar in einem „normalen“ Buchladen passiert? Erzählt mir eure Geschichten! Je mehr Erfahrungen wir austauschen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas noch einmal vorkommt. Wir müssen als KundInnen zusammen halten. 😉

Ich freue mich auf eure Kommentare und hoffe, dass euch meine Geschichte zumindest ein bisschen unterhalten hat. 🙂
Viele liebe Grüße,
Elli

 
 

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