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Archiv für den Monat Februar 2015

Stephen King – Das Spiel

„Das Spiel“

Das Spiel

Autor: Stephen King

Originaltitel: “Gerald’s Game”

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 464 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453433971

Genre: Horror & Thriller

ausgelesen am: 20.02.2015

Bewertung:

Meine Beziehung zum Autor Stephen King ist ein klassischer literarischer Spätzünder. Jahrelang habe ich mich strikt geweigert, seine Bücher zu lesen, weil ich überzeugt war, jemand, der so viel so schnell schreibt, könne nicht auch noch gut schreiben. Und dann kam „ES“. Ich weiß nicht mehr, was mich letztendlich dazu bewogen hat, zu diesem Buch zu greifen; welche äußere Motivation der Anlass war. Innerlich war es für mich eine persönliche Challenge. Ich wollte mich mit meiner Angst konfrontieren, denn schon seit ich ein kleines Mädchen war, fürchte ich mich schrecklich vor Clowns. Nun, meine Angst ist durch dieses Buch nicht besser geworden (eher schlimmer – ich hatte tatsächlich Albträume davon), aber zumindest habe ich meine Vorurteile gegenüber Stephen King hinter mir gelassen. Zugegebenermaßen habe ich bisher noch nicht viele seiner Werke gelesen, weil ich für seine Art des Horrors in einer bestimmten Stimmung sein muss. „Das Spiel“ ist da keine Ausnahme, denn es führt die LeserInnen tief in die Abgründe der Psyche.

Gerald Burlingame möchte mit seiner Ehefrau Jessie eine heiße Nacht voller Leidenschaft und knisternder Erotik verbringen. Deshalb fährt er mit ihr zu ihrem Haus am See – im Oktober lebt niemand mehr in den benachbarten Sommerhäusern, sie sind völlig ungestört. Er fesselt Jessie mit Handschellen ans Bett. Was Gerald über die Maßen erregend findet, ist für Jessie jedoch vor allem erniedrigend und demütigend. Sie möchte bei Geralds „Spiel“ nicht mehr mitmachen. Sie bittet ihn, die Polizeihandschellen zu lösen. Doch ihr Ehemann gibt vor, den Ernst ihrer Worte nicht zu begreifen und weigert sich. In einem wütenden Impuls tritt sie Gerald in Bauch und Leistengegend – und löst einen tödlichen Herzanfall bei ihm aus. So beginnt für Jessie die schlimmste Zeit ihres Lebens: isoliert und hilflos ans Bett gekettet, unfähig, sich mehr als ein paar Zentimeter zu bewegen. Doch das Schlimmste steht ihr noch bevor: nachts ist sie nicht allein…

Aus psychologischer Sicht ist „Das Spiel“ absolut brillant. Ich habe von Anfang an vermutet, dass sich die Handlung hauptsächlich in Jessies Kopf abspielt und das entspricht auch wirklich den Tatsachen. Bedenkt man, dass Stephen King auf diese Weise über 400 Seiten gefüllt hat, ist das schon sehr beeindruckend. Eine Handlung aufzubauen, in der die Protagonistin kaum aktiv handeln kann, sondern sich fast ausschließlich mit ihren Erinnerungen und ihrer eigenen Psyche befasst, zeugt meines Erachtens nach von großer schriftstellerischer Kunst.
Schon von der ersten Seite an nehmen die LeserInnen an Jessies Gedankenwelt teil. Man erlebt, wie sie von ihrem eigenen Ehemann abgestoßen ist und erkennt, dass die Liebe zwischen den beiden schon lange begraben ist. Dass sich Jessie trotzdem auf Geralds „Spiel“ mit den Handschellen einließ, ist trotz dessen durchaus nachvollziehbar: durch Geralds Erregung fühlte sie sich begehrenswert, eine Empfindung, die mit über 40 und nach 20 Jahren Ehe sicher nicht zu unterschätzen ist. Ebenso nachvollziehbar ist Jessies Reaktion auf Geralds Weigerung, die Handschellen zu lösen; de facto plante er, seine Gattin zu vergewaltigen, welche Frau wäre da nicht handgreiflich geworden? Ich gestehe, wirklich leid tat mir Geralds Tod dementsprechend nicht. So erreichen die LeserInnen schnell die Ausgangssituation des Romans: eine hilflose Jessie, die mit Handschellen ans Bett gekettet ist und sich nicht ohne weiteres selbst befreien kann. Da sie sich kaum mit etwas anderem beschäftigen kann, versinkt sie tief in ihrer Psyche. Diese ist deutlich vernarbt durch ein Trauma aus ihrer Kindheit. Man kann es wohl getrost als Ironie des Schicksals bezeichnen, dass Jessie erst das schlimmste Erlebnis ihres Lebens brauchte, um sich mit diesem Trauma auseinander zu setzen. Jahrzehntelang weigerte sie sich, sich mit ihren Erinnerungen zu konfrontieren, doch auf diesem Bett, völlig abgeschottet, kann sie ihnen nicht mehr entkommen. Interessanterweise erhält das Buch auf diese Weise eine zusätzliche Ebene: Jessie liegt nicht nur physisch in Ketten. Psychisch ist sie schon seit diesem verhängnisvollen Tag in ihrer Kindheit in ihrem Inneren gefangen. Umso vertrackter wird die Situation, als Jessie überzeugt ist, nächtlichen Besuch zu haben. Auch für mich verschwommen ab diesem Punkt die Grenzen von Realität und Halluzination, denn schon von Beginn an zweifelte ich an Jessies geistiger Gesundheit. Warum? Nun, das kann ich hier leider nicht verraten. 😉
Unglücklicherweise konnte Stephen King meine Aufmerksamkeit jedoch nicht ununterbrochen fesseln, weshalb ich das Buch nicht ausnahmslos positiv bewerten kann. Die Momente, in denen Jessie nichts tut, sich weder mit ihrer Psyche auseinander setzt, noch daran arbeitet, sich zu befreien, sind reichlich langatmig beschrieben. Das ist schade, aber auch typisch King. Durch diese Seiten muss man sich als LeserIn einfach durchbeißen, denn schlussendlich wird man dafür belohnt.
Natürlich bietet „Das Spiel“ darüber hinaus unglaublich viel Raum für Spekulationen. Ich habe mir sogar Bilder von Polizeihandschellen angesehen, weil mich die Frage, wie ich gehandelt hätte, nicht losließ. Eins kann ich euch verraten: ich hätte vermutlich eine andere Strategie als Jessie ausprobiert, um die verdammten Dinger loszuwerden.

„Das Spiel“ ist eine Tour de Force, deren subtiler Horror fast ausschließlich psychischer Natur ist. Stephen King ließ mich schaudern, indem er mich zwang, mich mit einer Vorstellung auseinander zu setzen, die zwar unwahrscheinlich, aber nichtsdestotrotz realistisch ist. „Das Spiel“ ist durchaus lesenswert, denn es zeigt Stephen King von einer anderen Seite und verdeutlicht, dass Horror nicht immer einen brutalen Mörder oder Übernatürliches braucht. Manchmal sind eine wildgewordene Fantasie und die Abgründe der Psyche völlig ausreichend, um einen eiskalten Schauer zu verursachen.

 
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Verfasst von - 27. Februar 2015 in Horror, Rezension, Thriller

 

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Colleen Hoover – Weil ich Layken liebe

„Weil ich Layken liebe“

weil ich layken liebe

Reihe: Slammed #1

Autor: Colleen Hoover

Originaltitel: Slammed

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 352 Seiten

Verlag: dtv

Sprache: Deutsch

ISBN: 3423715626

Genre: Drama & Romantik & Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 16.02.2015

Bewertung:

„Weil ich Layken liebe“ von Colleen Hoover – eines dieser extrem gehypten Bücher, das mich wohl als eine der Letzten erreicht hat. Ich hatte eigentlich vor, das Buch auf Englisch zu kaufen; es stand eine Weile auf meiner Wunschliste. Doch dann fiel mir die deutsche Version bei einem Mängelexemplar-Ausverkauf in die Hände und da konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich neige dazu, in solchen Fällen an das Schicksal zu glauben und bin überzeugt, es war richtig für mich, „Weil ich Layken liebe“ in Deutsch zu kaufen und zu lesen.

Durch den plötzlichen Tod ihres Vaters muss die 18-jährige Layken gemeinsam mit ihrer Mutter Julia und ihrem kleine Bruder Kel umziehen – vom heißen Texas ins kühle, verschneite Michigan. Layken ist traurig und fest überzeugt, dass sie Michigan hassen wird. Doch dann begegnet sie Will. Will ist all das, von dem Layken nicht wusste, dass sie es braucht. Nach dem alles verzehrenden Kummer der letzten Monate lehrt er sie, wieder zu lachen. Es ist die große Liebe auf den ersten Blick; eine Verbindung, so tief und intensiv, dass das Schicksal selbst seine Hand im Spiel haben muss. Aber das Schicksal ist nicht gütig und treibt bitterböse Scherze mit denen, die sich in Sicherheit wiegen. Drei Tage gönnt es Will und Layken, dann stellt es sich ihrer jungen Liebe hinterlistig mit aller Macht in den Weg und bringt eine Flut frischer Tränen und neuen Schmerzes mit sich…

„Weil ich Layken liebe“ ist traurig, schmerzvoll und einfach zum Heulen – aber es preist auch das Leben und die Liebe. Es ist die wundervolle, zauberhafte Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf und doch viel zu mächtig ist, um sie zu ignorieren. Ich habe das Buch innerhalb von 24 Stunden verschlungen; das sagt wohl alles darüber aus, wie sehr mich Laykens und Wills zutiefst tragische Beziehung mitgerissen und auch mitgenommen hat. Ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Ich litt mit dem jungen Paar, war verzweifelt und konnte nicht aufhören, zu hoffen, dass sie doch noch ein Hintertürchen finden, das ihre Liebe möglich macht. „Weil ich Layken liebe“ verdient den Hype; Colleen Hoover hat eine großartige Geschichte erschaffen, die mein Herz und meine Seele berührt hat.
Wie oft habe ich mir gewünscht, ich könnte in das Buch hineinrutschen und Layken fest in den Arm nehmen. Sie leidet so herzzerreißend, muss so viele Rückschläge und Schmerzen einstecken. Ich fühlte auf jeder Seite mir ihr; gemeinsam haben wir gelacht und geweint. Ich konnte jede, wirklich jede ihrer Emotionen, Handlungen und Reaktionen nachvollziehen und verstehen, mich in sie hineinversetzen und hatte eine unglaublich starke, solide Verbindung mit ihr. Sie ist so echt, so lebendig und glaubwürdig, dass ich sie mir tatsächlich in meinem Leben als Freundin vorstellen kann. Ich liebe ihre nachdenkliche Seite; ihre Gedanken zu den Phasen der Trauer haben mich sehr beeindruckt. Auch konnte ich verstehen, dass sie sich in Will verliebt. Er ist einfach bezaubernd.
Wenn ich so darüber nachdenke, tauchen in dem Buch gar nicht viele Charaktere auf, doch die vorhandenen Figuren sind alle so liebevoll, tiefgreifend und überzeugend dargestellt, dass es für die Geschichte gar nicht mehr braucht. „Weil ich Layken liebe“ braucht kein hochkompliziertes Geflecht unzähliger Persönlichkeiten, es braucht nur eine Handvoll, die sich den Widrigkeiten des Lebens stellen. Laykens Mom Julia erinnerte mich beispielsweise an meine eigene Mutter. Ihre Stärke, ihr Mut, ihre aufopferungsvolle Liebe zu ihren Kindern. Das ist es, was das Buch besonders macht: man erkennt als LeserIn Aspekte des eigenen Lebens darin. Wir alle haben schon einmal einen Verlust erlebt, der uns das Herz aus der Brust riss. Wir alle kennen (hoffentlich) das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden. Wir alle wissen, wie es ist, wenn man sich nichts sehnlicher wünscht, als die eigenen Emotionen abschalten zu können. Das Leben ist, was passiert, während wir Pläne machen. Manches muss man nehmen, wie es kommt, denn man kann nicht alles organisieren. Darum ist es manchmal besser, die Vernunft zum Schweigen zu bringen und einfach zu handeln. Laykens Freundin Eddie hat das verstanden. Sie bewahrte sich trotz schlimmer Erfahrungen und einer schwierigen Kindheit ihre Lebensfreude und ihren Optimismus. Vielleicht müssen wir alle ab und zu ein bisschen mehr wie Eddie sein. Genießen, statt zu zerdenken.

Das Leben schert sich nicht um Balance oder Fairness und schlägt genau dann mitten ins Gesicht, wenn man nicht damit rechnet und erst recht nicht bereit dafür ist. „Weil ich Layken liebe“ erinnerte mich daran, dass die Welt noch so schwarz und hoffnungslos aussehen kann, es gibt immer einen Ausweg. Wir haben immer eine Wahl. Äußere Einflüsse, Zwänge und Verpflichtungen lassen uns das manchmal vergessen. Wir fallen, damit wir lernen, wieder aufstehen zu können.
Ich liebe dieses Buch und kann es kaum erwarten, die Fortsetzung „Weil ich Will liebe“ zu lesen. Ihr müsst Layken und Will kennenlernen. Ihre Liebesgeschichte ist traurig, dramatisch und zerbrechlich, doch sie ist auch so außergewöhnlich, dass es sich einfach lohnt, dafür zu kämpfen. Als ich das Buch ausgelesen hatte, habe meinem Lieblingsmenschen einen Kuss gegeben und ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Denn Liebe ist das, was das Leben magisch macht.

 

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Daniela Rohr – Im Turm des Panopticons

„Im Turm des Panopticons“

Im Turm des Panopticons

Autor: Daniela Rohr

Format: Kindle Edition

Seitenzahl: 102 Seiten (Print-Ausgabe)

Verlag: Selbstverlag

Sprache: Deutsch

ASIN:  B00HBD05G8

Genre: Science Fiction & Thriller

ausgelesen am: 15.02.2015

Bewertung:

Die Autorin Daniela Rohr trat vor zwei, drei Wochen mit der Bitte um eine Rezension an mich heran. Sie schlug mir vor, entweder ihre Roman-Collage „Der Zeit-Zwirbel-Effekt und seine Knöpfchendrücker“, die aus 11 zusammenhängenden Kurzgeschichten besteht, oder die Novelle „Im Turm des Panopticons“ zu rezensieren. Beide Werke sind dem Genre Science Fiction zuzuordnen. Reine Science Fiction lese ich sonst eher nicht, aber für mich klang „Im Turm des Panopticons“ so spannend und interessant, dass ich neugierig wurde. Ich nahm ihre Bitte mit Freuden an.

Im Turm des Panopticons erfüllt Linea Wermut ihren Dienst. Das Herz des gigantischen, interstellaren Gefängnisses ist bereits seit über 5 Monaten ihr Arbeitsplatz. Als Wärterin ist es ihre Aufgabe, rebellische SystemkritikerInnen zu beobachten – ohne dass die Insassen es bemerken. Unzählige Kameras, gläserne Zellen und das zentrale Computersystem „Alexa“ machen die totale Überwachung möglich. Alles ist genau wie immer für Linea – das heißt, hauptsächlich sterbenslangweilig. Doch dann scheint einer der Gefangenen bei einer Routineüberprüfung der Zellen genau in die Kamera zu starren. Direkt in Lineas Gesicht. Als wüsste er, dass sie da sei. Was absolut unmöglich ist. Linea fühlt sich unbehaglich, schiebt den Vorfall jedoch schnell gedanklich beiseite. Er kann sie nicht sehen. Keinesfalls. Aber als Linea weitere seltsame Verhaltensweisen der Insassen auffallen, kommt ihr der Gedanke, dass sie sie doch sehen könnten, plötzlich gar nicht mehr so absurd vor…

Dafür, dass ich reine Science Fiction normalerweise meide, hat mich „Im Turm des Panopticons“ sehr positiv überrascht. Vielleicht sollte ich dem Genre doch ab und zu eine Chance einräumen und mich darauf einlassen. Diese Novelle von Daniela Rohr ist ein wirklich spannender Psycho-Trip, der die LeserInnen schnell in eine Dimension führt, in der Realität und Einbildung parallel zueinander zu existieren scheinen. Es ist, als würden sich verschiedene Versionen derselben Situation über einander legen, sodass alles irgendwie zusammen passt, irgendwie aber auch überhaupt nichts. Ich fühlte mich, als würde ich durch dicken Nebel waten; am Rande konnte ich immer wieder Schemen der Wahrheit ausmachen, die jedoch konturlos blieben. Umso spaßiger und aufregender war es, zu raten, was denn nun tatsächlich mit Linea geschieht. Erst ganz am Ende löst Daniela Rohr diesen Nebel auf – mit einem Knall, der sich gewaschen hat.
Die Zugkraft der Geschichte geht meines Erachtens nach von der Protagonistin Linea aus. Sie ist eine wirklich starke Figur, in die ich mich sofort hineinversetzen konnte. Ich denke, die Identifikation mit ihr fiel mir besonders leicht, weil ich mich in einigen Szenen vermutlich ganz ähnlich verhalten hätte. Als ihre Paranoia zunehmend drängender wurde, konnte auch ich mich ihrem Einfluss nicht ganz entziehen. Ich begann zu zweifeln. Trotzdem ließen sich all die Jahre Thriller-Erfahrung nicht völlig ausknipsen, am Ende war meine Intuition doch unbestechlich. Aber ich liebe ja den Moment, in dem mir vom Autor oder in diesem Fall der Autorin gesagt wird, dass ich auf der richtigen Fährte war. Die Auflösung der tatsächlichen Situation konnte ich in ihren Details selbstverständlich nicht vorhersehen, was auch gut so war, allerdings war es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass mich Daniela Rohr nicht völlig verwirren konnte. 😉
Darüber hinaus hat mich die bedrohliche, beklemmende Atmosphäre nachhaltig beeindruckt. Die Darstellung der absoluten Isolation, in der sich Linea befindet, ist Daniela Rohr hervorragend gelungen. Diese Isolation ist der Ausgangspunkt aller Entwicklungen, denn Linea ist nicht nur von den Insassen des Gefängnisses komplett abgeschottet, sondern auch von der Erde. Sie kann telefonieren, aber ansonsten ist ihr einziger Kontakt die künstliche Intelligenz des Computersystems Alexa. Wie sagt man so schön? „Im Weltall hört dich niemand schreien“. Genau das macht die Situation so vertrackt und unheimlich. Sie ist ganz allein. Niemand kann ihr helfen. Niemand versteht ihre Ängste. Wie reagiert man, wenn man das Gefühl hat, langsam verrückt zu werden und außer der unausweichlichen Rationalität eines Computers keinen Beistand bekommt? Ich konnte voll und ganz nachvollziehen, wie verzweifelt Linea sich gefühlt hat. Wem sollte sie glauben? Ihren eigenen Augen oder Alexas Logik?

„Im Turm des Panopticons“ ist eine zwingende Novelle, der man sich als LeserIn gedanklich einfach nicht entziehen kann. Man kommt nicht darum herum, sich zu fragen, wie man selbst handeln würde, wäre man in Lineas Position. Daniela Rohr hat meiner Meinung nach eine Menge Potential und Talent, das sich vor allem darin zeigte, dass ich selbst irgendwann nicht mehr sicher einschätzen konnte, was Wirklichkeit ist und was Einbildung. Das Ende der Geschichte setzt dann noch mal einen drauf; völlig unvorhersehbar, selbst wenn man glaubt zu wissen, was mit Linea passiert und ebenso nachhaltig wie die Atmosphäre. Ich erwische mich auch jetzt noch manchmal dabei, dass ich darüber nachdenke, weil mich die aufgeworfene Frage einfach beschäftigt.
Ich kann euch dieses kurze Werk begeistert empfehlen, aber wenn ihr es lesen möchtet, nehmt euch einen Tag Zeit, an dem ihr sonst nichts anderes vorhabt, denn ich bin überzeugt, ihr wollt und könnt es nicht mehr aus der Hand legen.

Ich bedanke mich von Herzen bei Daniela Rohr, die mir ihr Werk als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat und außerdem wahnsinnig freundlich war. Wollt ihr mehr über sie und ihr Schaffen wissen? Dann schaut doch mal auf ihrer Website vorbei!

 
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Verfasst von - 25. Februar 2015 in Science-Fiction, Thriller

 

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24. 02. 2015 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Jeden Dienstag lesen wir gemeinsam! Diese wunderbare Aktion wird jede Woche abwechselnd von Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher betreut; die Fragen dieser Woche findet ihr bei Weltenwanderer durch einen Klick aufs Bild. 🙂

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese gerade „The Thorn and the Sinking Stone“ (Thorn and Dagger #1) von C. J. Dushinski. Es ist ein eBook, daher gibt es keine Seitenanzahl und irgendwie auch keine Prozente (vielleicht hab ich da aus Versehen was verstellt…), also kann ich euch nur sagen, ich bin auf Position 67 von 2.944, also noch ganz am Anfang.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„He sheathed his weapon and grabbed a towel from the floor, running it over his hair.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Wenn ihr auf den Link zum Buch klickt, werdet ihr sehen, dass dieser Reihenauftakt eigentlich noch nicht erschienen ist. Erscheinungsdatum ist der 10. März. Ich habe das Buch trotzdem, weil ich es als ARC (Advance Copy) vom Verlag Entangled Teen bekommen habe. Das gleiche gilt übrigens auch für „Red“ von Alyxandra Harvey, welches ich als letztes gelesen habe. Meine Aufgabe ist, beide Bücher zu lesen und bis zum Erscheinungsdatum zu rezensieren. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich für die ARCs ausgesucht wurde, weil es einfach irgendwie cool ist, ein Buch vor der Veröffentlichung zu lesen. 😀
An sich kann ich natürlich noch so gut wie gar nichts sagen, denn ich befinde mich gerade mal in Kapitel 2. Offenbar ist das Buch abwechselnd aus der Sicht der ProtagonistInnen geschrieben: Sebastian Leold, „The Sinking Stone“ und Valencia Hara, „The Thorn“, die aus verfeindeten Familien stammen. Ja, ich weiß, wonach das klingt. Aber was soll’s, „Romeo und Julia“ ist schließlich eine schöne, romantische Liebesgeschichte, also nehme ich das einfach in Kauf. 🙂
Das erste Kapitel fand ich ganz erstaunlich, denn man trifft Sebastian auf der Beerdigung seines Vaters. C. J. Dushinski beginnt ihre Handlung dementsprechend äußerst düster. Es erinnerte mich stark an die Beerdigung der Waynes, als Bruce Wayne ein Kind und noch nicht Batman ist. Vermutlich lag es auch an den Andeutungen bezüglich des Settings, denn Dushinskis „Rain City“ scheint Gotham City nicht ganz unähnlich zu sein. Warten wir’s ab. 😉

4. Mit wem (ausser im Netz) tauscht ihr euch noch über eure Leseleidenschaft aus? Habt ihr gleichgesinnte Freunde im Familien- oder Bekanntenkreis?

Das ist leicht zu beantworten: mit meinen Eltern. Ich fahre jeden Sonntag zum Essen zu ihnen (es sei denn, ich muss arbeiten, aber das kommt eher selten vor) und wir unterhalten uns jeden Sonntag mindestens einmal über Bücher. Ich erzähle, was ich gelesen habe und wie ich es fand. Ist es ein Buch, dass Mama und Papa ebenfalls gelesen haben, diskutieren und philosophieren wir gern auch mal stundenlang darüber. Natürlich empfehlen wir uns auch gegenseitig Bücher. Mir ist dabei aufgefallen, dass mich die Bücher, die mein Vater liest, mittlerweile neugieriger machen als die Bücher, die meine Mama liest. Das hängt gar nicht damit zusammen, dass ich ihre Auswahl nicht mögen würde, eher im Gegenteil. Unser Buchgeschmack ist sich sehr ähnlich, wir lesen fast genau die gleichen Bücher. Nur meine Vorliebe für YA Romane teilen wir nicht, weil sie sich für dieses Genre mittlerweile zu alt fühlt, was ich auch verstehen kann. Sie hat mir ja nun doch einige Jahre voraus, da ist es nachvollziehbar, dass sie manchmal Probleme hat, sich in die jugendlichen ProtagonistInnen hineinzuversetzen. Ich vertraue ihren Empfehlungen. Aber wenn mein Papa ein Buch toll findet, ist das für mich oft eine Möglichkeit, ein neues Genre oder eine neue Herangehensweise an das Schreiben auszuprobieren. Darum machen mich seine Empfehlungen oft neugieriger. 😉
Mit dem Lieblingsmenschen unterhalte ich mich auch über Bücher, aber das ist anders, weil wir so unterschiedliche Bücher lesen. Die Bücher, die wir beide gelesen haben, kann man an einer Hand abzählen. Sein Geschmack ist… sagen wir mal exklusiv. Man könnte auch sagen, seine Auswahl ist sehr begrenzt. 😀 Auch liest er lange nicht so viel wie ich. Aber das spielt für mich eigentlich keine Rolle, weil er stattdessen etwas für mich tut, was mir viel bedeutet: er hört mir zu. Er hat eine Engelsgeduld und hört sich alles an, was ich über ein Buch zu sagen habe, selbst wenn er nichts darauf erwidern kann. Jede Schwärmerei, jedes Gemecker. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und das entschädigt mich bei Weitem dafür, dass wir nicht richtig über Bücher diskutieren können, weil unsere Geschmäcker zu verschieden sind. 🙂

Was lest ihr im Augenblick? Mit wem unterhaltet ihr euch über Bücher?

Ich freue mich wie immer über jede Meinung und jedes Kommentar! 😀
Alles Liebe,
Elli

 
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Verfasst von - 24. Februar 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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23. 02. 2015 – Montagsfrage: In welcher Umgebung liest du am meisten?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Montagmorgen, ein Tässchen Kaffee und die Wiederholung der Oscars im Fernsehen (da ich sie heute Nacht leider nicht gucken konnte). Dazu die Montagsfrage von Svenja aka Buchfresserchen. Kein schlechter Start in die Woche, oder? 😉
Ende der Woche ist meine Hausarbeit fällig, was bedeutet, dass ich danach wieder mehr Zeit für euch habe. Ich freue mich schon sehr darauf, weil ich ein paar interessante Themen im Kopf habe, die ich unbedingt mit euch besprechen möchte. Aber heute widmen wir uns erst einmal meinem Liebslingsplätzchen zum Lesen, denn Svenja möchte wissen:

In welcher Umgebung liest du am meisten?

Obwohl ich eigentlich immer und überall lese, wo es möglich ist, lese ich doch zu Hause am meisten. Auf meiner Couch habe ich mir eine Ecke komplett mit Kissen ausgepolstert, sodass einfach jede Leseposition bequem ist. Hier kann ich stundenlang sitzen und/oder liegen und mich völlig in einer Geschichte verlieren, am liebsten mit einer Decke über den Beinen, selbst wenn mir nicht wirklich kalt ist. Links neben mir ist dann immer noch genug Platz, dass ich alles, was ich sonst so brauche, dort abstellen kann. So nehme ich dann schnell mal meine ganze, relativ große Couch in Beschlag, habe aber auch alles in Reichweite. Ich baue mir quasi ein Nest beim Lesen. 😀 Außerdem ist direkt rechts neben meiner Couch der Platz meiner Hündin. Wenn sie sitzt, kann ich sie auch beim Lesen streicheln und kraulen. Das ist wirklich schön, weil meine Leseatmosphäre dadurch sehr entspannt und einfach… kuschelig ist. 🙂
Im Bett lese ich auch gern, tue es aber fast nie. Der Lieblingsmensch muss immer sehr früh aufstehen um zur Arbeit zu fahren und muss dementsprechend auch ziemlich früh ins Bett, einige Stunden, bevor ich mich selbst dazu lege. Ich möchte nicht, dass er aufwacht, also ist Licht anmachen keine Option.
Im Sommer lese ich auch recht gern im Park, während die Prinzessin durch die Gegend springt und auf Baumstämmen (das sind keine Äste mehr) herumkaut, aber da ich immer ein Auge auf sie habe, schaffe ich dabei nicht so viele Seiten. Schön ist es trotzdem. 🙂

Wo lest ihr am meisten?

Beschreibt mir euren liebsten Leseplatz, ich bin neugierig! Ich freue mich wie immer sehr auf eure Antworten und Kommentare und wünsche euch einen tollen Start in die Woche!

Alles Liebe,
Elli

 
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Verfasst von - 23. Februar 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Lissa Price – Enders

„Enders“

enders

Reihe: Starters – Enders #2

Autor: Lissa Price

Format: Hardcover

Seitenzahl: 352

Verlag: ivi (Piper Verlag)

Sprache: Deutsch

ISBN: 3492702643

Genre: Science Fiction > Dystopie > Young Adult

ausgelesen am: 15.02.2015

Bewertung:

Was habe ich mich auf „Enders“ von Lissa Price gefreut. Der erste Band dieses Zweiteilers, „Starters“, war eine meiner ersten YA-Dystopien und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich dieses Genre so gern und häufig lese. Ich glaube, ich habe „Starters“ noch im Erscheinungsjahr gelesen, das war 2012. „Enders“ erschien laut Goodreads ein Jahr später, da ich aber unbedingt die deutsche Hardcover-Ausgabe haben wollte (passend zu meiner Ausgabe von „Starters“), war ich einige Zeit zu geizig, um es zu kaufen. Dieses Jahr habe ich es endlich hinter mich gebracht, in den sauren Apfel gebissen und die 16€ ausgegeben. Ich habe mir ja vorgenommen, mehr Reihen abzuschließen. 😉

Prime Destinations ist zerstört. Doch der Old Man ist noch immer da draußen und macht Callie Woodland das Leben schwer. Der manipulierte Chip in ihrem Kopf ermöglicht es ihm, in ihre Gedanken einzudringen. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als den Chip endlich loszuwerden und ein normales Leben zu führen. Bisher gibt es jedoch keine Möglichkeit, den Chip zu entfernen, ohne den Träger zu töten. Alle Starters, die sich der Body Bank als SpenderInnen zur Verfügung stellten, müssen stets fürchten, dass sie ohne Vorwarnung die Kontrolle über ihren Körper und ihre Gedanken verlieren. Callie setzt alles daran, den Old Man aufzuhalten, der weiterhin seine egoistischen und skrupellosen Pläne verfolgt. Als sie es am wenigsten erwartet, begegnet sie dem einen Menschen, der den Old Man möglicherweise noch mehr hasst als sie: Hyden. Sein Sohn. Callie braucht seine Hilfe, denn nur gemeinsam haben sie eine Chance, seinem Vater das Handwerk zu legen. Doch kann sie ihm überhaupt trauen? Oder verfolgt auch er eigene Ziele?

Die schlechteste Fortsetzung aller Zeiten. Denke ich an „Enders“, fallen mir lauter Worte mit der Vorsilbe un- ein: unlogisch, unrealistisch, unglaubwürdig. Es ist so furchtbar, dass ich die Phase der Enttäuschung noch beim Lesen hinter mir gelassen habe und nun einfach nur wütend bin. Ich kann nicht glauben, dass Lissa Price ihre Geschichte selbst völlig ruinierte. Der erste Band „Starters“ war großartig, doch was sie sich bei diesem Albtraum von einer Fortsetzung gedacht hat, ist mir absolut schleierhaft. Ich weiß, ich sollte Respekt gegenüber der Autorin und ihrer Arbeit empfinden, aber in diesem Fall fällt mir das wahrlich sehr schwer.
Für mich ging es von der ersten Seite an bergab. Ich kam nicht in die Geschichte rein, konnte keine Verbindung zu den Ereignissen aufbauen und fand auch keinen Zugang zu den Charakteren, trotz Rekapitulation des ersten Bandes. Trauriger Weise änderte sich das nicht mehr. Irgendwann musste ich mich mit der Distanz abfinden. Vermutlich war das gut so, denn andernfalls hätte ich die schiere Absurdität von „Enders“ noch schlechter ertragen. Ich habe noch nie dermaßen unnatürliche, steife, seltsame zwischenmenschliche Beziehungen und Dialoge in einem Buch erlebt. Die Protagonistin und Ich-Erzählerin Callie trifft also Hyden, mit dem sie sich zusammentut, obwohl er der Sohn ihres Erzfeindes ist. Sie behauptet zwar, ihm nicht zu trauen, verhält sich jedoch komplett entgegengesetzt. Das konnte ich bereits nicht nachvollziehen, aber gut. Ich hätte darüber hinwegsehen können. Dann fangen sie an, die Starters einzusammeln, die einen Chip von Prime im Kopf haben. Immer wieder verlassen sie dafür ihr Versteck. Wochenlang. Ohne dass sie jemand entdeckt. Hmhm. Okay. Eines schönen Tages sind Callie und Hyden wieder einmal unterwegs und finden einen Starter namens Jeremy, den sie ebenfalls in ihr Versteck bringen wollen. Dumm nur, dass der nicht gerettet werden möchte. Also überwältigt Hyden ihn kurzerhand. Sie entführen den armen Jungen gegen seinen Willen. Aber das ist noch nicht alles. Als Jeremy bewusstlos im Auto liegt, übernimmt Hyden seinen Körper. Aus purem Egoismus, nicht für den guten Zweck oder so. Er klaut seinen Körper! Er tut genau das, wofür alle Starters den Old Man verabscheuen! Und komischerweise finden das alle, Callie eingeschlossen, ganz okay. Doch das Beste an der Situation, die sowieso schon haarsträubend genug war, war folgendes: als Hyden Jeremys Körper dann endlich zurückgibt, werden die beiden mehr oder weniger FREUNDE! Der Typ klaut seinen Körper und Jeremy ist nicht mal sauer?! Ich hätte Hyden dafür verprügelt. Als ich meinem Lieblingsmenschen von diesem Handlungsstrang erzählt habe, ist mir erst klar geworden, WIE absurd das eigentlich alles ist. Ich musste so sehr lachen, dass mir die Tränen kamen.
Und Callie? Während ich sie in „Starters“ wirklich mochte und in ihr eine sympathische Kick Ass-Heldin sah, fand ich sie nun grauenvoll. Hätte ich nur einmal mehr erleben müssen, wie sie vor sich hin jammert, wäre das Buch aus dem Fenster geflogen. Callie ist der Nabel der Welt in der Geschichte, alles dreht sich um sie, sie ist ja so besonders. Nebencharaktere? Kann man vernachlässigen, dafür darf Callie noch eine Runde jammern. Selbst ihr bester Freund Michael, der angeblich wie ein Bruder für sie ist, bleibt ein konturloser Geist. Ich begreife eigentlich nicht, wieso er überhaupt auftaucht, denn er trägt nichts, aber auch gar nichts zur Handlung bei. Callie und er führen nicht ein richtiges Gespräch, stattdessen zeichnet er sich dadurch aus, dass er offenbar immer, ungeachtet der Umstände, schlafen kann.

Meine Meinung? Lasst es. Lest „Enders“ nicht, auch nicht, wenn ihr „Starters“ gelesen habt. Besonders nicht, wenn ihr „Starters“ mochtet. Es tut mir leid, das schreiben zu müssen, aber „Enders“ ist seit langer, langer Zeit das schlechteste Buch, das ich gelesen habe. Es war Zeit- und Geldverschwendung. Ich bereue es, was mir sonst eigentlich nie passiert, weil auch ein Buch, das mir nicht gefällt, eine Erfahrung ist. Jahre habe ich auf diese Fortsetzung gewartet – ich es hätte es mir sparen können. Ich bin wirklich wütend auf Lissa Prica und denke nicht, dass sie von mir je wieder eine Chance bekommt.

 
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Verfasst von - 20. Februar 2015 in Dystopie, Science-Fiction, Young Adult

 

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Christoph Hardebusch – Jenseits der Drachenküste

„Jenseits der Drachenküste“

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Reihe: Sturmwelten #3

Autor: Christoph Hardebusch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 528 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453523989

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 11.02.2015

Bewertung:

Ein Sturm zieht auf. Noch immer jagen die HeldInnen der See die gefährliche magieabsorbierende Ladung, die sich mittlerweile auf der Todsünde befindet.
Roxane, Jaquento und Bihrâd befinden sich auf dem Schiff Siorys – Roxanes erstes eigenes Kommando als Kapitänin. Sie segeln der Todsünde hinterher, stets in der Hoffnung, sie einzuholen oder zumindest einen entscheidenden Hinweis auf ihr Ziel zu erlangen.
Admiral Aomas Thyrane wird währenddessen aufgrund seiner Anschuldigungen gegenüber der Thaynrisch-Kolonialen Handelscompagnie auf Lessan von der Marine gefangen gehalten. Doch glücklicherweise ist er mit zwei mächtigen Maestre befreundet, die alles daran setzen, ihn zu befreien. Mithilfe von Manoel und Sinao kann Thyrane entkommen. Sobald sie sich wieder auf der Imperial befinden, segeln sie erneut in die Sturmwelt, um endlich der Natur der geheimnisvollen Ladung auf die Schliche zu kommen.
Der Poet Franigo hingegen muss in Hiscadi erleben, wie die Revolution, die er in Gang setzte, ihre eigenen Kinder frisst. Schon bald hat er keine andere Wahl mehr, als das Land zu verlassen. Da trifft es sich vorzüglich, dass er einem Fremden begegnet, der ihm nicht nur Arbeit anbietet, sondern ihn auch aus Hiscadi hinaus schmuggelt. Gemeinsam mit dem alten Mann begibt Franigo sich auf eine weite Reise, ohne recht zu verstehen, warum der Alte so entgegen kommend ist.
Das Schicksal führt die HeldInnen auf Wege, die alle nur ein Ziel kennen: die Lande jenseits der Drachenküste. Denn hier wird sich die Zukunft der Welt entscheiden.

Mein Herz blutet. Ich bin wirklich untröstlich, dass ich für „Jenseits der Drachenküste“ nicht mehr als drei Sterne vergeben kann. Die ersten beiden Bände, „Sturmwelten“ und „Unter schwarzen Segeln“, waren beeindruckend und unwiderstehlich, aber das Finale wirkte auf mich… unfertig. Es ist nicht rund, es gibt zu viele Handlungsstränge, die gar nicht oder nur unbefriedigend zu einem Abschluss gebracht werden. Es fühlte sich an, als hätte sich der Autor Christoph Hardebusch im letzten Drittel des Buches völlig verloren, als wäre ihm seine eigene Handlung entglitten, sodass es einfach nicht mehr passte. Vielleicht hat er die Handlung doch nicht ausreichend vorangetrieben und wurde nicht fertig. Vielleicht hatte er nicht mehr genug Platz oder Zeit, um wirklich alle offenen Fragen aufzuklären. Was es auch war, es ist unfassbar schade, denn meiner Meinung nach hätte er kinderleicht noch ein viertes Buch füllen können. Viele interessante und vielversprechende Ansätze verliefen stattdessen im Sande. Natürlich sprechen wir hier immer noch über ein gutes Buch mit einer einzigartigen, dichten Atmosphäre und starken Charakteren, aber ich bin wirklich enttäuscht, dass das Finale der Geschichte nicht gerecht wurde.
Gerade weil die Figuren alle sehr besonders und individuell sind und Hardebusch auch seine Nebencharaktere äußerst liebevoll und lebendig gezeichnet hat, ist es jammerschade, dass einige zu kurz kamen. Das trifft meines Erachtens speziell auf den Magietrinker Bihrâd zu. Er begleitet Jaquento die ganze Geschichte über, hat dafür meiner Meinung nach aber eine viel zu kleine Rolle. Ich war spätestens seit dem zweiten Band äußerst neugierig und wollte unbedingt mehr über ihn erfahren. Ähnlich wie die Caserdote (Priester) ist er in der Lage, Magie zu unterbinden, doch in seiner Heimat, den Mauresken Städten, gilt diese Fähigkeit nicht als Segen, sondern als Fluch. Dadurch hat Bihrâd eine eher schwierige Vergangenheit, die in krassem Kontrast zu seinem jetzigen Wesen steht. Ich empfand ihn stets als sehr loyal, ausgeglichen und selbstbeherrscht. Er gibt wenig von sich preis und redet nur dann, wenn er auch wirklich etwas zu sagen hat. Dadurch umgibt ihn eine geheimnisvolle Aura und irgendwie hatte ich erwartet, dass sich diese im finalen Showdown auflöst, weil er im maßgebenden Moment eine wichtige Funktion erfüllt. Leider lag ich damit falsch. In der alles entscheidenden, spannenden Seeschlacht ist er zwar dabei, doch Hardebusch konzentriert sich in diesen letzten Szenen fast ausschließlich auf seine Hauptcharaktere.
Für mich war darüber hinaus der Handlungsstrang des Admirals Aomas Thyrane äußerst unbefriedigend. Das beziehe ich nicht mal auf ihn persönlich, sondern auf seine ursprüngliche Aufgabe. Er sollte herausfinden, inwiefern die Handelscompagnie in alles verwickelt war, was mit der geheimnisvollen Ladung zu tun hat. In diesem Punkt vernachlässigte Hardebusch jegliche Hintergründe und Erklärungen. Wie haben die Händler das Artefakt überhaupt gefunden? Was hatten sie damit vor? So gern ich Thyrane habe, ich finde, Hardebusch hat sich von all den anderen Ereignissen ablenken lassen, wodurch die Rolle der Compagnie unter den Tisch fiel. Dieser Handlungsstrang ist für mich so zu einer überstehenden Kante geworden, an der ich mich unangenehm gestoßen habe.

Alles in allem denke ich, dass die Sturmwelten-Trilogie als Tetralogie wesentlich besser funktioniert hätte. Im Finale „Jenseits der Drachenküste“ beschlich mich ab dem letzten Drittel das Gefühl, dass sich Christoph Hardebusch stark unter Druck gesetzt fühlte, einen Abschluss zu konstruieren, für den weder er noch die Geschichte schon bereit war. Und wer weiß, vielleicht war sein Seefahrerabenteuer ursprünglich tatsächlich auf vier Bände ausgelegt.
Ich möchte euch die Trilogie trotz meiner Enttäuschung bezüglich des Finales empfehlen, denn die positiven Aspekte überwiegen die negativen bei Weitem. Hardebusch konnte mich von seinem schriftstellerischen Talent überzeugen und hat mich in den vorangegangenen Bänden so sehr begeistert, dass ich denke, es lohnt sich trotzdem, die Reihe zu lesen. Allerdings solltet ihr eure Erwartungen an den letzten Band wirklich im Zaum halten.
Die Sturmwelt ist exotisch, aufregend, magisch und auf jeden Fall eine Reise wert!

Sturmwelten – Die Rezensionen zur Trilogie im Überblick:

Sturmwelten #1: “Sturmwelten”
Sturmwelten #2: “Unter schwarzen Segeln”
Sturmwelten #3: “Jenseits der Drachenküste”

 
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Verfasst von - 18. Februar 2015 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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17. 02. 2015 – Gemeinsam Lesen

Gemeinsam Lesen 2

Hallo ihr Lieben! 🙂

Heute gibt es eine ganz besondere Ausgabe von Gemeinsam Lesen, denn heute findet es zum 100. Mal statt! Herzlichen Glückwunsch! 😀 Anlässlich dieses wichtigen Meilensteins gibt es diese Woche sogar etwas zu gewinnen. Wenn ihr mehr erfahren wollt, schaut bei Schlunzen-Bücher durch einen Klick aufs Bild vorbei. 😉
Außerdem wird es zukünftig eine kleine Änderung geben: die vierte Frage wird bereits eine Woche zuvor veröffentlicht, damit Blogposts besser vorbereitet werden können. Ich finde das gut, denn oft habe ich bereits zu meinem aktuellen Buch so viel zu sagen, dass ich bei der vierten Frage dann unter Zeitdruck gerate, weil ich eigentlich los muss oder etwas zu tun habe. Ein dickes Danke! für diese Änderung an Weltenwanderer und Schlunzen-Bücher!

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Ich lese jetzt „Das Spiel“ von Stephen King und bin gerade auf Seite 45, also noch ganz am Anfang.

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

„Sie blieb auf dem Teppich, schönen Dank, und sie hatte auch nicht die Absicht, wieder durchzudrehen.“

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ich heute noch mit „Weil ich Layken liebe“ von Colleen Hoover beschäftigt sein werde, aber da ich das Buch innerhalb von 24 Stunden verschlungen habe, musste ich mir gestern Abend eine neue Lektüre suchen. Nachdem ich nun nacheinander zwei YA-Bücher gelesen habe, brauchte ich wieder einmal Erwachsenen-Lektüre. 😉 Auf meinem Blog habe ich bisher noch kein Buch von Stephen King rezensiert, also wurde es mal Zeit dafür.
„Das Spiel“ handelt von einer erotischen Nacht, die RICHTIG schief läuft. In ihrem Sommerhaus möchte Gerald Burlingame dem Sexleben mit seiner Frau Jessie neuen Schwung verleihen. Er fesselt sie mit Handschellen ans Bett, doch Jessie ist alles andere als begeistert und fühlt sich hauptsächlich erniedrigt. Sie bittet ihn, die Handschellen zu öffnen – Gerald weigert sich. In einem Anfall von Wut verpasst sie ihm einen Tritt. Dieser Tritt löst bei Gerald eine tödliche Herzattacke aus. Jetzt liegt Jessie auf dem Bett und kann sich kaum bewegen, denn den Schlüssel der Handschellen deponierte Gerald weit entfernt auf der Kommode. Im Klappentext steht zur weiteren Handlung folgendes:

„Mit Handschellen ans Bett gefesselt, beginnt für Jessie ein quälender Albtraum: Nachts bekommt sie unheimlichen Besuch…“

Ich gehe davon aus, dass sich die weitere Handlung hauptsächlich in Jessies Kopf abspielt und rechne mit einem hervorragenden Psycho-Trip in bester King-Manier. Ich bin ja noch ganz am Anfang, aber ich bin schon jetzt wieder einmal begeistert, wie anschaulich und vorstellbar King eine bestimmte Situation beschreibt. Ich konnte sofort in die Handlung eintauchen und habe auch problemlos ein Bild von der Beziehung der beiden Eheleute zu einander bekommen. Jessie wollte ihrem Mann einen Gefallen tun indem sie bei seinem Spiel mit machte, obwohl sie ihn eigentlich nicht mehr liebt. Mehr noch, er stößt sie sogar ab und nach dem Eindruck, den King mir vermittelt hat, kann ich das sogar verstehen. Ich hätte mich von diesem Mann auch nicht anfassen lassen wollen. Nicht mal an der Schulter.
Hilflos und völlig isoliert, kann ich mir gut vorstellen, dass für Jessie die Grenzen von Realität und panikinduzierten Horrorvorstellungen verwischen. Ob sie tatsächlich noch Besuch von einer realen Person bekommt… tja, wer weiß? Vielleicht stellt sie es sich auch nur vor. Ich bin gespannt. 😀

4. Das 100. mal „gemeinsam Lesen“! Lasst es Revue passieren und erzählt uns seit wann ihr dabei seid, was ihr an gemeinsam Lesen so mögt, oder habt ihr sogar Verbesserungsvorschläge? Gibt es etwas, was ihr vermisst, was ihr gerne anders hättet? Oder etwas was ihr besonders schätzt, was diese Aktion für euch einfach wirklich einzigartig und perfekt macht?

Ich bin erst seit dem 4. November 2014 dabei, aber in dieser vergleichsweise kurzen Zeit ist diese Aktion für mich sehr wichtig geworden. Auf der einen Seite finde ich es wahnsinnig interessant zu lesen, in welche Bücher ihr eure Nasen steckt, obwohl ich nicht immer die Zeit habe, bei wirklich allen TeilnehmerInnen vorbeizuschauen. Auf der anderen Seite ist die Aktion auch für meinen eigenen Leseprozess bedeutsam. Auf diese Weise erhalte ich die Möglichkeit, bereits vor der Rezension über ein bestimmtes Buch nachzudenken. Ich kann positive und negative Aspekte gegeneinander abwägen und den Grundtenor meiner Gedanken erkennen. In meinem Kopf herrscht oft ein bisschen Chaos, was Buchgedanken angeht; durch Gemeinsam Lesen kann ich die wichtigsten aus dem Chaos befreien und gewinne so bereits eine Vorstellung davon, in welche Richtung sich meine Rezension entwickeln wird. Es ist ein hilfreicher Schritt zu einer strukturierten Buchbesprechung.
Dementsprechend habe ich auch keine Verbesserungsvorschläge, von mir aus kann die Aktion so bleiben wie sie ist. 😉

Was lest ihr im Augenblick? Was gibt euch die Aktion Gemeinsam Lesen?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Meinungen und Kommentare! 🙂
Alles Liebe,
Elli

 
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Verfasst von - 17. Februar 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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16. 02. 2015 – Montagsfrage: Reiz des Lieblingsgenres?

montagsfrage neu

Hallo ihr Lieben! 🙂

Momentan ist es etwas ruhig hier auf dem wortmagieblog. Das liegt nicht daran, dass ich keine Lust hätte oder keine Rezensionen zustande brächte, sondern es hängt einfach damit zusammen, dass ich eine Hausarbeit bis Ende des Monats fertigstellen muss. Ich versuche selbstverständlich trotzdem, Beiträge vorzubereiten, aber das dauert eben länger als sonst, weil ich mir keinen ganzen Tag dafür Zeit nehmen kann. Der kreative Prozess einer phonologischen Analyse und der einer Rezension unterscheiden sich doch sehr. 😉
Die heutige Montagsfrage von Svenja aka Buchfresserchen passt mir allerdings ziemlich gut:

Was macht den Reiz eures/eurer Lieblingsgenre/s für euch aus?

Mir geht es da genauso wie Svenja. Ich lese am liebsten Fantasy, weil mich diese Bücher so weit von der Realität wegbringen, wie es nur möglich ist. Sie laden mich zum Träumen und zu herrlichen Gedankenspielen ein. Kein anderes Genre schafft es, dass ich Lust verspüre, meine Sachen zu packen und auf einem Schiff anzuheuern, wenn ihr euch erinnert. 😉 Ich denke, meine Beziehung zu Fantasy-Literatur lässt sich am besten mit einem Zitat zusammenfassen, das aus einem Song von Stephan Weidner stammt:

„Die Wirklichkeit ist immer da,
sei nie mit ihr zufrieden,
denn sie ist Zufall,
Zeit sie zu besiegen

Sie ist maßlos enttäuschend,
wahrlich keine Freude,
und nur zu ändern,
indem wir sie leugnen“

Ich liebe diese Zeilen, weil es genau das ist, was ich (oft) beim Lesen empfinden möchte. Die Wirklichkeit konfrontiert uns täglich mit schrecklichen Dingen; jeden Tag muss ich Nachrichten lesen, in denen im Grunde nur wieder einmal steht, wer wann aus welchen sinnlosen Gründen gestorben ist oder gelitten hat. In der Fantasy werden die Bösen in der Regel besiegt. Sie werden für ihre Schlechtigkeit bestraft. In der Realität passiert das nur in den seltensten Fällen. Es gibt so viele Beispiele, die zeigen, dass die weltweiten Rechtssysteme meist gar nicht greifen, sobald Geld im Spiel ist. Verbrechen gegen die Menschenrechte oder die Menschlichkeit werden gern übersehen, wenn damit viel Geld zu verdienen ist. Ich sage nur Fußball-WM in Katar. In einem Fantasy-Buch wäre das niemals möglich. Eine Gruppe tapferer HeldInnen würde rechtzeitig eingreifen und verhindern, dass so etwas passiert. Es ist schön, in ein Buch abzutauchen, in dem die Rollen von Gut und Böse ganz klar verteilt sind und in dem die Guten am Ende des Tages siegen. Die Welt macht mich oft sehr traurig. Fantasy-Literatur hilft mir, das für ein paar Stunden zu vergessen.

Außerdem lese ich unheimlich gern Dystopien, vor allem aus der Young Adult – Sparte. Ich denke, die Gründe sind in diesem Punkt ganz ähnlich wie beim Fantasy-Genre. In YA-Dystopien siegen ein paar Jugendliche über ein repressives, furchtbares System, indem sie einfach das Richtige tun. Durch Mut und tiefe Freundschaft sind sie in der Lage, eine Gesellschaft zu ändern, die noch viel schlimmer ist als unsere. Ich wünschte, es wäre in der Realität genauso. Ich wünschte, es bräuchte nur ein paar beherzte Teens, um eine Revolution zu starten, die Unrecht, Armut und Leid beendet. Leider funktioniert unsere Welt so nicht. Aber es ist schön, es sich vorzustellen und genau dabei helfen mir YA-Dystopien. Sie vermitteln mir ein Gefühl von… „Ganz egal, wie schrecklich die Welt ist, lebst du die richtigen Werte, bist du in der Lage, sie zu ändern“. Wenn alles hoffnungslos scheint, erinnern mich diese Geschichten daran, nicht aufzugeben.

Warum greift ihr so gern zu eurem Lieblingsgenre? Was macht diese Bücher für euch so besonders?

Ich freue mich sehr auf eure Meinungen und Kommentare, weil ich wirklich gern wüsste, inwiefern euch das eine oder andere Genre fasziniert. Vielleicht sind unsere Gründe ja ganz ähnlich. 🙂

Viele liebe Grüße,
Elli

 
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Verfasst von - 16. Februar 2015 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Christoph Hardebusch – Unter schwarzen Segeln

„Unter schwarzen Segeln“

Unter schwarzen Segeln

Reihe: Sturmwelten #2

Autor: Christoph Hardebusch

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 528 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453523970

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 07.02.2015

Bewertung:

In dem Gefecht vor der illegalen Sklavenkolonie Hequia mussten viele tapfere Seeleute ihr Leben lassen. Die Freiheit der Sklaven hatte einen hohen Preis und darüber hinaus konnten Kapitän Deguay und die Maestra Tereisa auf der Todsünde entkommen, mit der Totwey und ihrer seltsamen, magieschluckenden Ladung im Schlepptau. Jaquento und Roxane bringen die befreiten Sklaven nach Lessan, wo sie der Thaynrischen Marine Bericht erstatten müssen. Die Besprechung verläuft nicht gut – Jaquento wird festgenommen und Roxane erhält den Befehl, ihn nach Thaynric zu bringen, um sich gemeinsam mit ihm vor einem Kriegsgericht zu verantworten. Doch die launischen Winde halten auf ihrer Reise einige Überraschungen bereit. Die Jagd nach der Totwey ist noch nicht vorbei.
Währenddessen beauftragt die Thaynrische Marine den bereits pensionierten Admiral Aomas Thyrane, die Vorkommnisse auf der Insel Hequia zu untersuchen. Der Seewolf, wie er genannt wird, soll herausfinden, inwiefern die Thaynrisch-Koloniale Handelscompagnie in den Transport der Ladung der Totwey verwickelt ist. In Lessan trifft Thyrane auf Sinao und Manoel, die der Gerichtsbarkeit der Thayns entgehen konnten. Schnell wird deutlich, dass die Händler mächtig Dreck am Stecken haben.
Ein Beben zieht sich durch die Welt, ausgehend von der Ladung der Totwey. Mächtige Magie ist am Werk und droht, alle Beteiligten mit Haut und Haaren zu verschlingen.

Ich empfand „Unter schwarzen Segeln“ als würdige, logische Fortsetzung der Sturmwelten-Trilogie. Es bietet mehr Action als der erste Band „Sturmwelten“, zeichnet sich aber trotz dessen durch dieselbe, beruhigende Ausstrahlung aus. Hardebuschs Darstellung der spannenden Abenteuer auf See ist und bleibt unwiderstehlich; ich konnte mich erneut völlig in seiner Welt verlieren. Mit seinem besonderen, eingängigen Schreibstil erschafft er einen Sog, der mich mit seiner fantastischen Bilderflut die Realität vergessen ließ. Ich liebe die Sturmwelt, mit all ihren Wundern und der Magie, der See, den Schiffen und den verwegenen Charakteren, die in ihrer Unterschiedlichkeit so real und lebendig wirken.
Gleich zu Beginn des Buches lernen die LeserInnen eine neue Figur kennen: den Admiral Aomas Thyrane. Mal davon abgesehen, dass ich seinen Vornamen sehr schön finde, hat er mich auch von der ersten Seite an für sich gewonnen und ansatzlos immer mehr Sympathiepunkte gesammelt. Er ist ein alter Sturkopf, der in seinem Leben schon so manchen Kampf gegen die Obrigkeit ausgefochten hat. Einige hat er gewonnen, andere verloren, doch was ihm blieb, ist die Erkenntnis, dass Gerechtigkeit in der Politik oft keine Rolle spielt. Trotzdem gab er nie auf, er kämpft noch immer. Ich mag ihn sehr, denn Hardebusch konnte mich sofort davon überzeugen, dass Thyrane ein guter Mensch ist. Ich habe mich auf die Kapitel aus seiner Sicht richtig gefreut. Das lag unter anderem auch daran, dass Thyrane wundervoll mit Sinao und Manoel umgeht. Er behandelt sie nicht als minderbemittelte Wilde wie all die anderen Offiziellen der Marine, sondern nimmt sie ernst. Ich denke, vor allem für Sinao war diese Erfahrung ungemein wichtig, weil sie UniformträgerInnen bisher nur als grausam und ungerecht erlebte. Kein Wunder, dass sie niemandem außer Manoel richtig vertraut. Ich hatte übrigens recht: die Beziehung von Magie und Religion wird in diesem Band endlich erläutert. Hardebusch nutzt dafür elegant das Schülerinnen-Lehrer-Verhältnis von Sinao und Manoel; während Manoel Sinao geduldig die Geschichte von Hardebuschs Welt erklärt, lauschen auch seine LeserInnen seinen Worten und begreifen so die Hintergründe.
„Unter schwarzen Segeln“ hat darüber hinaus eine politische Ebene, die am deutlichsten durch den Poeten Franigo sichtbar wird. Eingeführt wurde er bereits im ersten Band, doch erst jetzt beginnt er, richtig in die Geschichte zu passen. Wie auch der Pirat Jaquento stammt er aus Hiscadi, eine Nation, die seit Jahren unterdrückt und besetzt ist. Ohne es zu wollen gerät Franigo im Laufe seiner Reise in eine Rebellion, die sich gegen die Besatzung richtet. Es war wirklich interessant zu beobachten, wie diese Revolution immer größer wurde und quasi ein Eigenleben entwickelte, bis zu dem Punkt, an dem Franigo jeden Einfluss verlor, obwohl er zu Beginn eine Art Gallionsfigur war. Zusätzlich ist der Poet tatsächlich derjenige, der den LeserInnen erste Hinweise auf Jaquentos Vergangenheit und Herkunft verschafft, was meine Neugier zwar nicht vollständig befriedigte, aber immerhin weiter anfachte. Selbstverständlich entwickelt sich auch der Handlungsstrang zwischen Roxane und Jaquento weiter; es bleibt angenehm prickelnd und teilweise sogar ein bisschen verrucht. Ich hoffe, dass sie trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft eine Zukunft haben. Ich habe das Gefühl, im Gegensatz zu mir wissen die beiden noch gar nicht, wie gut sie eigentlich zusammen passen.

„Unter schwarzen Segeln“ ist eine wunderbare Fortsetzung der Sturmwelten-Trilogie. Christoph Hardebusch behält seine ausgeglichene Schreibweise bei und lässt sich auch im zweiten Band nicht hetzen. Trotzdem ist eine Entwicklung erkennbar; ich hatte nie das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich bin jetzt über die Maßen gespannt auf das große Finale „Jenseits der Drachenküste“, denn bisher kann ich noch nicht vollständig absehen, wohin Hardebusch mit mir möchte. Bis jetzt sind bereits so viele verschiedene Handlungsstränge begonnen und/oder weitergeführt worden, dass ich einfach erleben möchte, wie er sie am Ende alle zusammenführt. Ich freue mich sehr darauf.

 
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Verfasst von - 14. Februar 2015 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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