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George Pendle – Death: A Life

24 Jan

„Death: A Life“

Death A Life

Autor: George Pendle

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 250

Verlag: Three Rivers Press

Sprache: Englisch

ISBN: 030739560X

Genre: Biografie & Fantasy & Historisch & Humor & Religion

ausgelesen am: 16.01.2014

Bewertung:

George Pendle ist einer der AutorInnen, die ich gern mal persönlich kennenlernen würde. Ich würde gern sehen, ob er wirklich so lustig und verrückt ist, wie es den Eindruck macht. Auf seiner Website gibt es eine Abteilung, die Teppichböden auf Flughäfen gewidmet ist. Sein Lebenslauf umfasst außer Artikeln für die „Financial Times“, die „Los Angeles Times“ und die „Times“ (u.a.) auch die Beschriftung von Straßenschildern für das „New York City Department of Parks and Recreation“. Im Vorwort von „Death: A Life“ beschreibt Pendle, wie er dazu kam, der Biograf des Todes zu sein. Es lag wohl daran, dass er eigentlich gern eine Autobiografie verfasst hätte, was aber nicht möglich war, weil seine eigene Kindheit zu glücklich war. Kein Trauma, keine Autobiografie. Also schrieb er fortan die Biografien anderer Leute. Ich denke wirklich, ich würde Pendle sehr mögen. 😉

„Death: A Life“ ist die Biografie des Todes. Ja, genau, der Tod, das Ende Aller Dinge, er, den alle eines Tages einmal treffen. Mit Hilfe seines Biografen berichtet er von seiner schwierigen Kindheit, wie er als Sohn von Satan und Sünde in der Hölle aufwuchs, um später dann auf die Erde umzuziehen und dort seine Bestimmung zu finden. Er räumt mit Vorurteilen auf, schildert ungeschönt seine fatale Beziehung zum Leben und erzählt hunderte Anekdoten über das Lebensende der verschiedensten mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Ohne Tabus spricht Tod über seine zutiefst missverstandene, unendliche Existenz; über Liebe, die im Großen Plan nicht vorhergesehen war und stellt klar, dass er es ist, der das Leben der Menschheit erst so kostbar macht.

Was soll ich sagen? Die Bewertung von „Death: A Life“ spricht eigentlich schon für sich selbst. Diese herrliche Biografie ist so lustig, dass ich nicht wüsste, wie man es besser machen könnte. Sie erzählt mythologische und religiöse Weltgeschichte aus einem völlig neuen Blickwinkel und beleuchtet auch die Aspekte, die in all den Legenden und Geschichten gerne mal ausgelassen werden. Tod als Protagonist und Ich-Erzähler ist eine höchst sympathische Figur, der in all seiner Übernatürlichkeit immer wieder durch und durch menschlich agiert und reagiert. Ich liebte es, dass in diesem Buch schlicht und ergreifend niemand, wirklich niemand, unfehlbar ist. Tod nicht, Gott nicht und erst recht nicht die Menschheit. Es erscheint mir völlig logisch, dass auch Gott das volle Ausmaß seiner Schöpfung nicht überblicken konnte und es im Garten Eden zu Beginn daher einige Kreaturen gab, die nie eine echte Chance auf das Überleben hatten. Wurzelpflanzen mit Klaustrophobie, Fische, die allergisch auf Wasser waren, stolze Insekten, die sich selbst so hässlich fanden, dass sie es nicht über sich brachten, sich zu reproduzieren. Es liegt auf der Hand, dass „Death: A Life“ dementsprechend als stark blasphemisch aufgefasst werden könnte und ich muss all diejenigen LeserInnen warnen, die in diesem Punkt sensibel reagieren. Ich selbst bin nicht religiös erzogen, ich bin nicht getauft und habe nie eine Verbindung zum Glauben aufbauen können – vielleicht bin ich gerade deswegen prädestiniert für dieses Buch. Es hat mich hervorragend unterhalten. George Pendles Darstellung aller möglichen religiösen Figuren ist zum Brüllen komisch. Wer hätte gedacht, dass Noah eine so weiche Birne hatte, dass er mit einer Rhabarber-Pflanze verheiratet war? Wie kommt man auf die Idee, Methusalem als Stalker zu skizzieren, der Tod über Jahrhunderte hinweg verfolgte, weil er unbedingt sterben wollte? Und Jesus? Verzeiht, wenn ich jetzt jemandem auf die Füße trete, aber in diesem Buch ist er einfach ein Miststück. Es ist beeindruckend, wie umfangreich und detailliert George Pendle recherchiert hat, zu längst vergessenen Kulturen und Völkern ebenso wie zu theologischen Ansätzen, um dann seine ganz eigene Interpretation niederzuschreiben. Er ließ seiner gesamten, phänomenalen Kreativität freien Lauf und vermittelt seinen LeserInnen, dass es völlig in Ordnung ist, ungezwungen über Themen zu lachen, die seit Jahrhunderten eine Aura von Ernsthaftigkeit und Strenge umgibt. „Death: A Life“ ist frei von jeglichen Konventionen und Tabus, dafür strotzt es vor liebevollen Charakterisierungen. Ich kann es nicht anders sagen, es ist großartig.

George Pendles originelle Biografie des Todes hat extrem viel Herz, obwohl der Protagonist keines hat und auch nicht haben darf. Von vorne bis hinten ist es fantasievoll, kurios und amüsierte mich köstlich. Es lohnt sich sogar, die Danksagung am Ende zu lesen.
Sollte ich sterben und tatsächlich auf Tod treffen, habe ich mir ganz fest vorgenommen, dankbar und respektvoll zu sein, ihn nicht mit dummen Fragen zu nerven und ihm meine Hochachtung dafür auszusprechen, dass er diesen verdammt harten Job macht, denn ohne ihn wäre das Leben wesentlich weniger wertvoll.
Ich kann euch „Death: A Life“ von Herzen empfehlen, muss aber darauf hinweisen, dass George Pendles Englisch nicht ganz einfach ist, weil er viele religiöse und biologische/zoologische Vokabeln verwendet. Außerdem gibt es sicher einige LeserInnen, die in diesem Buch die pure Gotteslästerung sehen würden; wer sich also schnell in seinen/ihren religiösen Ansichten verletzt fühlt, sollte vielleicht die Finger davon lassen.
Ich schließe nun und beende die Rezension mit Jesus‘ Worten:

„Jesus reigns in Heaven, bitch!“ (S.153)

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7 Antworten zu “George Pendle – Death: A Life

  1. theRealDarkFairy

    Januar 24, 2015 at 7:38 pm

    Ich muss dieses Buch lesen O.O
    Ich liebe den Tod von Prattchet (vorne oder hinten zwei t? Das weiß ich nie…) und ich habe „Die Bibel nach Biff“ geliebt. Ich liebe es mich über den Kreationismus aufzuregen, obwohl ich eine große Faszination für Religion (besonders kath. Christentum und auch Buddhismus) hege.

    Ich mag es wenn Autoren mit diesen Themen spielen.
    Ich bin sowieso der Ansicht, dass man nicht immer alles so ernst nehmen soll und auch selbstironisch sein muss.

    Weißt du, ob es das Buch auch auf Deutsch gibt? Besonders wenn du schon sagst, das Englisch sei nicht so einfach, mag ich das ungerne auf englisch lesen 😦

    Liebe Grüße
    Marina

    Gefällt 1 Person

     
    • wortmagieblog

      Januar 24, 2015 at 8:02 pm

      Tod (den Namen kann ich mir auch nie richtig merken ^^) von Pratchett liebe ich auch und „Die Bibel nach Biff“ steht hier noch rum. 😉 Ich denke, wenn du auf diese Darstellungen stehst, dann ist „Death: A Life“ genau das richtige für dich. Leider habe ich keine deutsche Version des Buches gefunden, erstaunlicherweise ist es nicht einmal bei LovelyBooks verzeichnet, was ja schon einiges aussagt. Obwohl Pendle ein erfolgreicher Journalist ist, scheinen seine Bücher nicht so bekannt zu sein. Aber ich gehe davon aus, dass du das Englisch packst. Klar, man braucht ein bisschen mehr Zeit und man kann nicht stetig jeden Pflanzennamen nachschlagen, aber das muss man auch nicht, das tut dem Verständnis wirklich keinen Abbruch. Es spielt ja nur eine Rolle, dass man erkennt „Okay, jetzt spricht Tod gerade mit irgendeiner Pflanze“. 😉

      Viele liebe Grüße,
      Elli

      Gefällt 1 Person

       
      • theRealDarkFairy

        Januar 24, 2015 at 8:04 pm

        Ich werd mir das Buch auf jeden Fall mal auf meine Wunschliste schreiben. Erst mag ich noch ein bisschen SuB abbauen 😉

        Die Bibel nach Biff solltest du unbedingt lesen! Mich würde es interessieren, ob Raziel meiner Schwster im geiste auch so gut gefällt wie mir 😀

        Gefällt 1 Person

         
      • wortmagieblog

        Januar 24, 2015 at 8:05 pm

        Das werde ich auch noch, ganz fest versprochen! 😀

        Gefällt 1 Person

         
  2. amaunet0101

    Januar 27, 2015 at 12:26 pm

    Ich bin zwar ein bischen spät dran mit meinem Kommentar zu deiner Rezension, aber ich muss dazu einfach etwas sagen:
    Ich habe mir ja fest vorgenommen, meine Englischkenntnisse aufzufrischen und zu erweitern, damit ich endlich anfangen kann, Bücher im Original zu lesen…Und dieses hier gehört unbedingt auf meine Liste!!!
    Ich gehöre zu den Menschen, für die der Tod als Thema nicht tabu ist und ich finde es erfrischend, dass es Autoren gibt, die mit dem Tod „spielen“, zumal wenn sie das ganze mit Humor betrachten (siehe Pratchett). Niemand kann den Tod umgehen und genau darum sollte man eine entspannte Haltung ihm gegenüber einnehmen – finde ich zumindest.
    Deshalb will ich dieses Buch irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft lesen. (in der Hoffnung, Tod kommt mir nicht zuvor…)

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