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Archiv für den Monat September 2014

Chloe Neill – Sehnsuchtsbisse

„Sehnsuchtsbisse“

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Reihe: Chicagoland Vampires #8

Originaltitel: Biting Bad

Autor: Chloe Neill

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 424

Verlag: Egmont LYX

Sprache: Deutsch

ISBN: 3802593944

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 14.09.2014

Bewertung:

 „Sehnsuchtsbisse“ ist der achte Band der „Chicagoland Vampires“ – Reihe und auch dieses Mal geht es wieder hoch her in Chicago. Seit ihrem Austritt aus dem Greenwich Presidium hat sich die Lage für die Vampire Haus Cadogans nicht unbedingt verbessert. Noch immer wird die Stadt von vampirfeindlicher Politik beherrscht und die Missstimmung in der Bevölkerung beginnt zu eskalieren. Unruhen schütteln Chicago und sogar menschliche Betriebe werden mittlerweile angegriffen. Doch hinter all dem scheint ein Plan zu stecken. Zu kontrolliert, zu geplant wirken die Ausschreitungen. Wie immer ist es die Aufgabe der Hüterin des Hauses, herauszufinden, was wirklich vor sich geht. Zu allem Überfluss holt das Greenwich Presidium nun auch noch zum Gegenschlag aus und setzt Haus Cadogan auf die „schwarze Liste“. Merit, Ethan und ihre Verbündeten haben alle Hände voll zu tun, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Doch in einem Krieg, der an mehreren Fronten geschlagen wird, sind Verluste unvermeidbar…

Auf mich wirkte „Sehnsuchtsbisse“ wie ein Zwischen-Band. Ihr kennt das sicher aus längeren Reihen, dass ab und zu mal einer dabei ist, der eher die Verbindung zwischen zwei Bänden herstellt, als eigenständig zu stehen. Ich habe dafür Verständnis, denn nicht immer können riesige Handlungssprünge geschehen. Aber es wirkt sich eben auch auf meine Bewertung aus, denn die Story des achten Bandes empfand ich als nicht sonderlich spektakulär. Vor allem das Heckmeck mit dem GP könne für mich langsam seinen Höhepunkt erreichen, denn es beginnt, mich anzuöden. Aber nach dem Ende von „Sehnsuchtsbisse“ könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es im nächsten Band „Teuflische Bisse“ endlich soweit ist.
Des Weiteren muss ich auch sagen, dass es meines Erachtens nach Zeit für etwas Neues wird, eine neue Aufgabe für Merit. In jedem Band musste Merit bisher Hinweisen nachgehen und Beweise aufdecken – letztendlich läuft es immer gleich ab. Ja, die Fälle sind verzwickt und spannend, aber trotzdem. Sie ist eher das investigative Mädchen für alles als eine Spezialkraft, was ich von der Funktion „Hüterin“ eigentlich angenommen hatte. Ich würde mich freuen, wenn Neill der Stellenbeschreibung der Hüterin eine feste, kreative Aufgabe hinzufügen würde, statt Merit immer nur da einzusetzen, wo sie grade nützlich ist. Sie hat einen so besonderen und sympathischen Charakter, da wird sich doch etwas finden, womit sie die Ewigkeit verbringen kann. Es gibt nur einen Punkt, der mich an ihr wirklich stört: sie stellt manchmal einen absolut übertriebenen und unangemessenen Sinn für Fairness zur Schau. Ein echter Kampf ist nicht fair. Da ist es einfach komplett hirnverbrannt, das Schwert wegzulegen, weil die netten Feinde auch keins haben.
Besonders ist auch Ethan Sullivan. Besonders perfekt. So perfekt, dass er für mich in den nächsten Bänden dringend ein paar Ecken und Kanten bekommen muss, um interessant zu bleiben. Ethan ist so beherrscht, so pflichtbewusst und dazu noch der ideale Schwiegersohn – kurz: langweilig. Liebe Frau Neill, bitte gestehen sie dem Mann doch ein paar Abgründe zu. Er ist mehrere Jahrhunderte alt, er MUSS welche haben. Mittlerweile weiß ich eigentlich nicht mehr, was Merit an ihm so toll findet. Beziehungsweise, ich weiß es schon, schließlich ist Ethan vollkommen. Ich finde Jonah inzwischen aber wesentlich attraktiver und denke auch, dass er besser zu Merit passen würde.
Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte zu den zeitlichen Relationen der Reihe sagen. Merit ist seit 10 Monaten Vampirin. In dieser Zeit hat sie gelernt, einwandfrei mit dem Schwert zu kämpfen und hat darüber hinaus auch den Kampf ohne Waffen nahezu zur Perfektion gebracht. Das lässt sich alles noch durch ihre speziellen Vampir-Superkräfte erklären. Doch die rasante Heilung von Merits bester Freundin Mallory ist mir eindeutig zu unrealistisch. Im Dezember versuchte sie noch, Chicago zu zerstören und jetzt, im Februar, ist sie bereits fertig mit ihrer magischen Entziehungskur? Also wirklich, wir reden hier über eine Suchtkrankheit. Davon ist man nicht in zwei Monaten geheilt. Völlig egal, wie intensiv sie an sich gearbeitet hat, das ist einfach nicht möglich. Mit einer Suchtproblematik zu leben ist ein nie endender Kampf. Und Merit und Konsorten wollen Mallory schon nach so kurzer Zeit wieder auf die Gesellschaft loslassen? Na Prost Mahlzeit.

„Sehnsuchtsbisse“ hat mir trotz aller Kritik eine Menge Spaß bereitet. Es las sich weg wie nichts und ich habe den Ausflug nach Chicago zu Haus Cadogan sehr genossen. Nichtsdestoweniger muss sich Chloe Neill für meinen Geschmack in der Zukunft wieder mehr ins Zeug legen. Sollte es dabei bleiben, dass die gleichen Rahmenbedingungen immer wieder durchgekaut werden, werde ich höchstwahrscheinlich das Interesse verlieren.
Ich kann „Sehnsuchtsbisse“ an alle Fans der Reihe empfehlen, möchte aber darauf hinweisen, dass es sich dabei meiner Meinung nach um einen Zwischen-Band handelt und er somit schwächer ist als die bisherigen Bände. Gar nicht geeignet ist das Buch für QuereinsteigerInnen. Die Handlung ist viel zu weit fortgeschritten, als dass jemand ohne Vorkenntnisse noch hinterher kommen könnte.
Ich warte nun gespannt auf den nächsten Band „Teuflische Bisse“, der im Februar erscheint.

 
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Verfasst von - 30. September 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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29. 09. 2014 – Montagsfrage: Merchandise?

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Hallo ihr Lieben, einen wunderschönen Wochenstart wünsche ich euch! Wir beginnen Kalenderwoche 40 wie immer mit der Montagsfrage von Nina aka Libromanie, die diese Woche wirklich interessant ist.

Was haltet ihr von Merchandise-Artikeln zu Büchern?

Ich mag Merchandise. Ich habe eine ziemlich umfangreiche Sammlung Band-T-Shirts und das eine oder andere Superhelden-Shirt findet sich wohl auch in meinem Schrank. Von der Cookie-Monster-Kaffeetasse und der Bettwäsche meines Fußballvereins mal ganz zu schweigen. Aber Buch-Merchandise… da ist der Kelch an mir vorbei gewandert und das hat Gründe.
Streng genommen hat das meiste Buch-Merchandise nämlich gar nichts mit dem Buch zu tun, sondern mit der Verfilmung. Es ist also kein Buch-Merchandise, sondern stinknormales Film-Merch. Kleidung, Schreibartikel, Nippes – all das kommt meist erst mit dem Film in die Läden. Ich bin aber in der Regel kein Fan des Films, sondern des Buches, also möchte ich keine Fanartikel kaufen, die bei mir eine Assoziation mit dem Film auslösen.
Nina hat in ihrem Beitrag das Beispiel „Harry Potter“ genannt. Obwohl ich die Filme wirklich großartig umgesetzt finde, gibt es in meinem Haushalt nicht einen einzigen Artikel aus der Merchandise-Reihe. Ich kann verstehen, dass es viele Fans gibt, die das Bedürfnis haben, ihre Liebe zu der Geschichte nach außen zu zeigen. Das meiste Merch ist auch recht hübsch. Trotzdem entsprechen die meisten Umsetzungen einfach nicht meinen Vorstellungen. Nehmen wir nur mal das T-Shirt, auf dem Dobby abgebildet ist. In meiner Vorstellung sah Dobby völlig anders aus. Ich sehe keinen Sinn darin, ein Shirt zu tragen, auf dem eine Figur ist, von der ich ein anderes Bild hatte.
Bei anderen Filmen finde ich dafür, dass das Merch einen ungesunden Hype begünstigt, Stichwort „Twilight“. Es mag voreingenommen sein, aber wenn ich junge Mädels sehe, die eine Edward-Cullen-Tasche mit sich herum tragen, frage ich mich immer, ob sie die Bücher überhaupt gelesen haben. Oder diese Shirts mit „Team Edward“ oder „Team Jacob“ drauf. Ich frage mich, ob es dabei überhaupt noch um die Buch-Charaktere geht, oder ob es mittlerweile nicht doch um Robert Pattinson (der in meinem Kopf wohl für immer Cedric Diggory heißen wird) und Taylor Lautner geht.

Bourbon Kid T-ShirtEs gibt eine große Ausnahme und die besteht aus meinem Bourbon-Kid-T-Shirt. Da ist die Situation für mich anders. Dieses Shirt wurde von einer winzigen französischen Underground-Filmfirma produziert. Mit den Einnahmen finanzieren sie ihre Mini-Produktionen zur Bourbon-Kid-Reihe. Bisher gibt es einen kleinen Trailer zur Trilogie und zwei Kurz-Videos zu „Das Buch des Todes“, die ich recht gelungen finde. Das heißt, mein Shirt hat nichts mit einem richtigen Film zu tun. Vielleicht werden SoJa Films irgendwann einmal genug Geld haben, um mehr als nur Trailer umzusetzen, aber selbst dann wurde mein Shirt VOR dem Film designt und hergestellt. Es ist Prä-Film-Buch-Merch und damit für mich völlig akzeptabel. Außerdem ist das Motiv eindeutig bezüglich des Buches, aber nicht eindeutig bezüglich eines potentiellen Films. Bourbon Kid zeigt so gut wie nie sein Gesicht, es ist immer von seiner Kapuze bedeckt. Da finde ich es nur richtig, dass mein Shirt auch genau das zeigt.

Abschließend kann ich also sagen, dass ich mit dem Merch, das zu Verfilmungen von Büchern herauskommt, meist nichts anfangen kann. Merch hingegen, das sich eindeutig auf ein Buch bezieht und nicht auf einen Film, finde ich toll.

Wie steht ihr zu Buch-Merch?

Habt ihr das eine oder andere Stück bei euch zu Hause? Oder habt ihr sogar eine ganze Sammlung? Wenn ja, erklärt mir doch, warum ihr euch zum Kauf entschieden habt, das interessiert mich nämlich wirklich sehr.

Ich freue mich wie immer auf eure Antworten und Kommentare! 🙂

 
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Verfasst von - 29. September 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Lindsay Buroker – The Emperor’s Edge

„The Emperor’s Edge“

The Emperors Edge

Reihe: The Emperor’s Edge #1

Autor: Lindsay Buroker

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 324 Seiten

Verlag: Createspace

Sprache: Englisch

ISBN: 1466219661

Genre: Science Fiction > Steampunk & Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 10.09.2014

Bewertung:

Dröhnende Dampfmaschinen, Kupfer und Messing, Luftschiffe, Zahnräder, Korsetts und Zylinder – Steampunk ist ein faszinierendes Genre. Die Verbindung aus Science Fiction und Abenteuerroman, die eine alternative Weltgeschichte mit viktorianischem Flair erzählt, erschafft eine ganz eigene Atmosphäre. Ich verbinde damit eine verrucht-romantische Welt, in der sogar die Bösewichte trotz niederer Absichten noch Gentlemen sind. Genau darauf freute ich mich, als ich Lindsay Burokers „The Emperor’s Edge“ begann. Ich erwartete gespannt einen Ausflug ins Cross-Genre, denn das Cover preist diesen Roman als „High Fantasy Novel in an Era of Steam“ an.

Amaranthe Lokdon ist eine der ganz wenigen weiblichen Polizeikräfte des Turgonischen Imperiums, deren wohlverdiente Beförderung auf sich warten lässt. Als sie eines Tages zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte zitiert wird und selbiger ihr einen haarsträubenden Auftrag anbietet, kann sie daher nicht ablehnen. Sie soll den meistgesuchten Assassinen des Imperiums finden und beseitigen. Sicarius ist gefährlich und absolut tödlich, doch Oberbefehlshaber Hollowcrest würde Amaranthe diesen Auftrag nicht geben, wenn er nicht glaubte, sie könnte ihn meistern, oder? Verunsichert aber pflichtbewusst macht sie sich an die Arbeit. Schnell stellt sich heraus, dass sie sich auf einer Selbstmordmission befindet. Amaranthe stößt auf Geheimnisse, die das Leben des jungen Imperators Sespian bedrohen und muss sich nun als Gesetzlose ungewöhnliche Verbündete suchen, um sein Leben zu retten.

Leider hat „The Emperor’s Edge“ meine Erwartungen nicht erfüllt. Sowohl inhaltlich als auch bezüglich des Aufbaus sehe ich erhebliche Mängel. Es reicht einfach nicht, auf das Cover „in an Era of Steam“ zu schreiben und die spezielle Atmosphäre des Genres dann nur zu streifen. Steampunk bedeutet mehr als ein paar Dampfmaschinen; es bedeutet Lärm, Schmutz, verrückte Erfindungen und viktorianisches Ambiente. Lindsay Buroker setzte keinen dieser Faktoren um und hat es somit nicht geschafft, mich von der versprochenen Steampunk-Umgebung zu überzeugen. Ich konnte es mir weder vorstellen, noch ein Gefühl dafür entwickeln. Sicher liegt das auch am Schreibstil an sich. Vielleicht hängt es damit zusammen, das Englisch nicht meine Muttersprache ist, aber mir erschienen Lindsay Burokers Formulierungen unnötig kompliziert und anstrengend. In „The Emperor’s Edge“ sind mir so viele Vokabeln begegnet, die ich nicht kannte, dass dies meinen Lesefluss deutlich behinderte. In welchem Universum ist das Wort „satrapy“ bitte Teil des allgemeinen Wortschatzes?
Dementsprechend konnte ich auch den Inhalt des Romans nicht wirklich genießen. Allerdings bezweifle ich, dass mich die Geschichte begeistert hätte, selbst wenn Burokers Ausdruck leichter zu verstehen gewesen wäre. Es ist ein langatmiges Katz-und-Maus-Spiel. Die Protagonistin Amaranthe ist dauerhaft damit beschäftigt, gefangen genommen zu werden und sich anschließend selbst wieder zu befreien. Die Umsetzung ihres großen Plans zur Rettung des Imperators konnte ich daher nur schwer nachvollziehen, denn dieses ständige Hin und Her lenkt fürchterlich ab. Mal davon abgesehen, dass der Plan auch ziemlich lächerlich ist.
Amaranthe selbst… tja, schwierig. Einerseits ist sie eine sympathische Figur, aber andererseits ist sie auch eine Heuchlerin mit einem gefährlich blinden Pflichtbewusstsein. Ihr Plan ist eine Straftat. Das ist einfach so, aber Amaranthe dreht sich die Tatsachen so hin, dass sie diese Straftat vor sich selbst rechtfertigen kann. Der Zweck heiligt die Mittel. Doch natürlich sieht sie nicht ein, dass es keinen Plan dieser Größenordnung ohne Opfer geben kann. Sie kann sich mit ihrem Gesetzlosen-Status nicht abfinden und ist davon besessen, ihren Namen reinzuwaschen. Dass ihre Strategie dazu von Anfang an ungeeignet war, begreift sie nicht.
Amaranthes Team beinhaltet einige interessante Charaktere, die allerdings ziemlich flach bleiben. Mir kamen sie wie eine stereotype Rollenspiel-Gruppe vor – samt Magier, Gelehrtem und Tank (groß, breit, kann eine Menge einstecken). Die spannendste Figur ist der Assassine Sicarius, der meines Erachtens nach jedoch nie wirklich einen Grund hatte, sich Amaranthe anzuschließen.

Ich wollte „The Emperor’s Edge“ wirklich mögen und ich bedauere meine Enttäuschung noch mehr, seitdem ich die Website von Lindsay Buroker besuchte. Sie scheint mir eine sympathische Frau zu sein, die sich (vorerst) dem self-publishing verschrieben hat und dementsprechend den Löwenanteil der Arbeit, die mit ihren Romanen verbunden ist, selbst stemmt. Das bewundere ich sehr, aber es ändert eben nichts daran, dass mich der erste Band ihrer Reihe nicht überzeugte. Ich habe mit mir gerungen, ob ich ihr noch eine Chance zugestehen sollte, habe mich jedoch dagegen entschieden, denn zwei Sterne erhält „The Emperor’s Edge“ nur, weil ich die Charaktere im Großen und Ganzen mochte. Und das reicht nun mal leider nicht aus, um mich bei der Stange zu halten.

(Nächster Band: The Emperor’s Edge #2 – „Dark Currents – Lindsay Buroker – ISBN: 1466280956)

 
 

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23. 09. 2014 – Banned Books Week 2014

banned books week 2014

Heute bin ich über einen Beitrag von Yvo auf ihrem Blog It’s All About Books gestolpert, der mich ziemlich nachdenklich hat werden lassen. Ihr Beitrag ist von einer Initiative inspiriert, die sich „Banned Books Week 2014“ nennt und von der American Library Association ins Leben gerufen wurde. Die ALA kämpft für intellektuelle Freiheit, die ihrer Meinung nach in den USA bis heute regelmäßig eingeschränkt wird, indem Bücher und Publikationen verboten oder angezeigt werden können. Angezeigt, das bedeutet, dass Eltern einen Antrag stellen können, um ein Buch verbieten zu lassen, wenn sie überzeugt sind, die Lektüre sei unpassend für ihre Kinder. Kommt so ein Antrag durch, was glücklicherweise nur selten der Fall ist, wird das betreffende Buch aus Bibliotheken entfernt und der Zugang dementsprechend verhindert.
ALA veröffentlicht Zahlen zu diesen Anträgen. Sie machen sichtbar, welche Bücher aufgrund welcher Vorbehalte wie oft angezeigt werden und welche Bücher sogar verboten werden. In der Dekade von 2000 bis 2009 waren das laut ALA 5.099 Anträge, davon

  • 1.577 Anzeigen wegen „sexueller Freizügigkeit“
  • 1.291 Anzeigen wegen „anstößiger Sprache“
  • 989 Anzeigen, weil das Material „unpassend für die Altersgruppe“ sei
  • 619 Anzeigen wegen „Gewalt“‚
  • 361 Anzeigen wegen „Homosexualität“
  • 274 Anzeigen wegen „okkulten“ oder „satanistischen“ Themen
  • 291 Anzeigen wegen den vermittelten „religiösen Ansichten“
  • 119 Anzeigen, weil sich das Material „gegen die Familie“ richte

Die ersten vier Punkte scheinen recht logische Gründe zu sein, um ein Buch für Kids verbieten zu lassen, oder? Das Problem daran ist, dass jeder Mensch diese Punkte unterschiedlich streng interpretiert. Werfen wir mal einen Blick auf die Top 10 der angezeigten Bücher im Jahr 2013:

  1. „Captain Underpants“ (Reihe), von Dav Pilkey
    Gründe: anstößige Sprache, unpassend für die Altersgruppe, Gewalt
  2. „The Bluest Eye“, von Toni Morrison
    Gründe: anstößige Sprache, sexuelle Freizügigkeit, unpassend für die Altersgruppe, Gewalt
  3. „The Absolutely True Diary of a Part-Time Indian, von Sherman Alexie
    Gründe: Drogen/Alkohol/Rauchen, Rassismus, anstößige Sprache, sexuelle Freizügigkeit, unpassend für die Altersgruppe
  4. „Fifty Shades of Grey“, von E.L. James
    Gründe: Nacktheit, anstößige Sprache, religiöse Ansichten, sexuelle Freizügigkeit, unpassend für die Altersgruppe
  5. „The Hunger Games“, von Suzanne Collins
    Gründe: religiöse Ansichten, unpassend für die Altersgruppe
  6. „A Bad Boy Can Be Good for A Girl“, von Tanya Lee Stone
    Gründe: Drogen/Alkohol/Rauchen, Nacktheit, anstößige Sprache, sexuelle Freizügigkeit
  7. „Looking for Alaska“, von John Green
    Gründe: Drogen/Alkohol/Rauchen, sexuelle Freizügigkeit, unpassend für die Altersgruppe
  8. „The Perks of Being a Wallflower“, von Stephen Chbosky
    Gründe: Drogen/Alkohol/Rauchen, Homosexualität, sexuelle Freizügigkeit, unpassend für die Altersgruppe
  9. „Bless Me Ultima“, von Rudolfo Anaya
    Gründe: Okkultes/Satanismus, anstößige Sprache, religiöse Ansichten, sexuelle Freizügigkeit
  10. „Bone“ (Reihe), von Jeff Smith
    Gründe: politische Ansichten, Rassismus, Gewalt

Nehmt euch ruhig mal die Zeit, euch diese 10 literarischen Werke anzusehen. Mir hat eine kurze Recherche nämlich gezeigt, dass ich den Großteil der Anzeigen als unbegründet und überempfindlich einschätze. „The Hunger Games“, von Suzanne Collins vermittelt religiöse Ansichten? Ich kann mich nicht erinnern, dass mir etwas in der Art aufgefallen wäre. „The Bluest Eye“ – Toni Morrison WOLLTE schockieren. Es geht schließlich um realen Rassismus in den 40er Jahren.
Aber gut, vielleicht findet ihr diese Auswahl noch irgendwie nachvollziehbar. Schauen wir uns mal ein paar Titel an, die von 2000 bis 2009 verboten oder angezeigt wurden:

  • „Harry Potter“ (Reihe) von J.K. Rowling
  • „The Adventures of Huckleberry Finn“ von Mark Twain
  • „The Color Purple“ von Alice Walker
  • „Catcher in the Rye“ von J.D. Salinger
  • „To Kill A Mockingbird“ von Harper Lee
  • „Beloved“ von Toni Morrison
  • „Brave New World“ von Aldous Huxley
  • „Slaughterhouse-Five“ von Kurt Vonnegut
  • „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury
  • A Prayer for Owen Meany“ von John Irving
  • „Goosebumps“ (Reihe) von R.L. Stine

Wenn ihr die komplette Liste sehen möchtet, klickt HIER. Mich haben gerade diese Bücher sehr überrascht, weil sie erstens zu großen Teilen in den Bestenlisten dieser Welt auftauchen (siehe Let’s talk about…) und zweitens… ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll, es erscheint mir einfach unglaublich ignorant, diese Bücher verbieten zu wollen. Gerade „Slaughterhouse-Five“ von Kurt Vonnegut ist ein so wichtiges und trauriges Buch, ein so deutliches Statement gegen Krieg, dass es mich schmerzt, zu sehen, dass es Menschen gibt, die nicht wollen, dass es gelesen wird. Und die „Gänsehaut“ – Serie von R.L. Stine? Also mal ehrlich, ich habe diese Grusel-Romane als Kind gelesen (so mit 12, 13) und hatte viel Spaß daran. Geschadet hat es mir meiner Meinung nach nicht.
Wenn ich mir diese Auflistungen ansehe, bin ich sehr froh, dass es die ALA gibt. Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die sich für die Freiheit des geschriebenen Wortes einsetzen. Danke.

Die Frage, die sich mir aufdrängte, ist die nach der Situation in Deutschland. Sicher habt ihr, wie auch ich, bereits vom sogenannten Index gehört. Bei uns kümmert sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien um die Indizierung von Büchern, eine Unterabteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Ich habe versucht, mir diese Indexliste anzusehen. Das ist allerdings nicht so einfach, weil nur ein Teil selbiger überhaupt veröffentlicht wird und dieser öffentliche Teil ebenfalls aus rechtlichen Gründen nicht einfach publiziert werden kann. Möchte man den Index zu Rate ziehen, muss man die offizielle Veröffentlichung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kaufen. Ja, die verdienen Geld mit diesen Informationen.
Kurz gesagt: es gibt in Deutschland einen Index, den man aber nicht problemlos einsehen kann.
Auch hier können Anträge zum Verbot bestimmter Medien gestellt werden, das beinhaltet Bücher, Filme, Musik und Spiele. Indiziert bedeutet in der Regel erst einmal nur, dass diese Medien jugendgefährdend sind und deswegen nur an volljährige Bürger verkauft werden dürfen, Stichwort FSK 18. Mir ist das sogar schon passiert, dass ich ein PS3-Spiel kaufen wollte und dafür meinen Ausweis vorlegen musste. Es gibt allerdings auch Medien, die überhaupt nicht verkauft oder erworben werden dürfen, meist, wenn eine Straftat wie Volksverhetzung vorliegt.
Eine Indizierung ist für 25 Jahre gültig, danach muss das Medium aus dem Index gelöscht und gegebenenfalls neu geprüft werden.
Das klingt alles erst mal sehr typisch deutsch. Bürokratisch eben. Aber lasst das mal sacken. Deutsche Bürger sollen Geld dafür bezahlen, den Index einsehen zu können.
Für indizierte Medien besteht darüber hinaus ein absolutes Werbeverbot. Der Versandhandel ist strengen Auflagen unterworfen was den Verkauf dieser Medien angeht. Daraus ergibt sich eine Situation, in der eigentlich niemand richtig erfährt, was indiziert ist und was nicht. Eine Debatte hinsichtlich der Angemessenheit einer Indizierung wird dementsprechend massiv erschwert. Es ist die alte Frage: wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure? Uns wird von oben vorgegeben, was angeblich jugendgefährdend ist. Das ist nicht sehr demokratisch, wenn ihr mich fragt. Obwohl der Verbotsmechanismus bei uns in meinen Augen objektiver abläuft als in den USA, halte ich ihn für unzureichend. Natürlich habe ich nichts dagegen, dass Bücher verboten werden, die beispielsweise volksverhetzend sind. Eine Straftat ist und bleibt nun mal eine Straftat. Auch halte ich es nicht für falsch, den Zugang zu bestimmten Medien für Jugendliche zu erschweren oder unmöglich zu machen. Was mich stört, ist das Wie.

Wie seht ihr das? Was haltet ihr von Verboten und Indizierungen von Medien?

Findet ihr es richtig, wie die Mechanismen in Deutschland und den USA ablaufen? Würdet ihr daran etwas verändern? Empfindet ihr es als Zensur?

 
 

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22. 09. 2014 – Montagsfrage: Markennennungen?

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Wie ihr vielleicht gemerkt habt, bin ich momentan fleißig dabei, ausstehende Rezensionen abzuarbeiten. Ich gebe mir die größte Mühe, endlich wieder auf den neusten Stand zu kommen. Trotzdem muss für die Montagsfrage einfach immer Zeit sein. 😉 Nina aka Libromanie möchte heute wissen, wie wir mit Markennennungen zurecht kommen:

Sind Markennennungen in Büchern für euch okay?

Mich haben Markennamen in Büchern noch nie gestört. Ich habe auch noch nie wirklich darüber nachgedacht, weil ich das nicht als Schleichwerbung empfinde. Es ist ja nicht so, dass auf Büchern der nette Spruch „Unterstützt durch Produktplatzierungen“ stünde. Ich glaube nicht, dass AutorInnen tatsächlich die Anpreisung einer Marke im Kopf haben, wenn sie ihre Geschichten konzipieren. Wie Nina schon schrieb, konkrete Markennennungen unterstützen die Fantasie. Es fällt mir viel leichter, mir eine Situation vorzustellen, in der die Charaktere in einem Volvo fahren, als eine Situation, in der sie eben nur in irgendeinem Auto sitzen. Hört die Protagonistin unterwegs gern Musik über ihren iPod, kann ich mich besser mit ihr identifizieren, weil ich das selbst auch gern tue. Je konkreter eine Beschreibung ist, desto besser funktioniert meine Vorstellungskraft.
Außerdem denke ich, man sollte das nicht so streng sehen, weil man sich sonst genau überlegen müsste, wo die Grenzen liegen. Ist es schon zu viel, wenn Markus Heitz in seiner „Kinder des Judas“– Reihe einen bestimmten Leipziger Club benennt? Darf dann niemand mehr Coke in Büchern trinken? Muss es dann „eine Zeitung“ heißen statt „die New York Times“? Ich glaube, man läuft sehr schnell Gefahr, päpstlicher als der Papst zu werden und sich selbst den Spaß am Lesen zu vermiesen. Also genieße ich einfach meine Lektüre und denke weiterhin nicht darüber nach, ob und wenn ja, wie viele Markennamen auftauchen. Sollte es mich jemals doch stören, lasse ich es euch wissen. 😉 Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass das irgendwann passiert, denn ich schätze, dass ich dafür allein schon zu viel High Fantasy lese. Und da gibt es nun mal keine Marken. 😉

Wie denkt ihr darüber? Stören euch Markennennungen in Büchern?

Ich freue mich wie üblich auf eure Meinungen und Kommentare! 😀

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 22. September 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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20. 09. 2014 – Das Geburtstagsgewinnspiel von Arena

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Gestern feierte der Arena Verlag seinen 65.Geburtstag – ich wünsche alles Gute nachträglich!
Anlässlich dieses freudigen Ereignisses hat sich Arena ein Gewinnspiel ausgedacht, dass BuchbloggerInnen anspricht. Der Deal: wir promoten Buch-Trailer von Arena und dafür gibt es die Chance, Buchpakete zu gewinnen. Aus einer Liste von sechs Trailern soll der eine ausgesucht und gebloggt werden, der uns am meisten anspricht. Ich bekam die Info als E-Mail und habe mir vorgenommen, nur dann teilzunehmen, wenn mich einer der Trailer auch wirklich reizt und meine Neugier auf das Buch weckt. Teilnehmen, nur um zu gewinnen, ohne dass mich die Bücher interessieren, finde ich blöd. Aber: tatsächlich ist ein Buch für mich dabei! 😉
Lustigerweise habe ich schon gestern gelesen, dass auch die liebe Buchmacherin mitmacht und sich darüber hinaus für genau das gleiche Buch interessiert wie ich. Schaut mal rein in den Trailer:

Ich finde gerade diesen Trailer für „Stigmata“ von Beatrix Gurian spannend, weil das alles so herrlich mysteriös, geheimnisvoll und auch ein bisschen gruselig wirkt. Es erinnert mich an die Geschichten aus dem Ferienlager, als ich zwei Wochen in einem alten Schloss bzw. einer Burg verbrachte, das angeblich von einem Geist heimgesucht wurde. Man erzählte sich, es sei der Geist des ehemaligen Burgherren, der vom höchsten Turm der Burg stürzte. Es war unglaublich aufregend, weil in so einem alten, großen Gebäude natürlich auch massenhaft Geheimgänge verbaut wurden, das Gemäuer Geräusche von sich gibt und die Fantasie eines jungen Mädchens einfach verrückt spielt, wenn es besagten Turm besucht.
Buchmacherin erwähnte es bereits und ich muss ihr da zustimmen: irgendwie erwartet man eine Exorzismus-Sekten-Geschichte, oder etwas in die Richtung, dass der/die SchlossherrIn durchdrehte und kleine Kinder ermorden ließ. Ich konnte natürlich nicht widerstehen und habe schon mal in die Goodreads-Beschreibung geschmult, allerdings half mir das nicht so richtig weiter. Ich werde wohl einfach Geduld haben und abwarten müssen. Auf meiner Wunschliste ist „Stigmata“ jedenfalls schon verzeichnet.
Des Weiteren werde ich mich wohl auch noch mal mit zwei weiteren Büchern aus der Trailer-Liste genauer beschäftigen – „So rot wie Blut“ und „Das Buch aus Blut und Schatten“ von Robin Wassermann. Ersteres ist ein Thriller der finnischen Autorin Salla Simukka mit einer jugendlichen Protagonistin, letzteres klingt für mich ein bisschen nach einem Verschwörungstheorie-Agenten-Thriller.

Hat der Buch-Trailer von „Stigmata“ auch eure Neugier geweckt? Dann schaut euch doch auch die restlichen Trailer an und nehmt am Gewinnspiel teil! 🙂

Außerdem wüsste ich gerne, wie wichtig euch Buch-Trailer sind. Normalerweise bin ich überhaupt nicht der Typ für YouTube. Gar nicht. Mich langweilen diese Kurz-Videos sehr schnell, ich verliere oft schon nach ein paar Sekunden die Lust daran. Daher suche ich sonst eigentlich nie Trailer raus, egal für was. Gut, dass ich jetzt mal eine Ausnahme gemacht habe, sonst wäre ich wohl nicht so schnell auf „Stigmata“ gestoßen.

Ich freue mich wie üblich auf eure Antworten, Meinungen und Kommentare! 🙂

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 20. September 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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Jessica Park – Flat-Out Love

„Flat-Out Love“

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Reihe: Flat-Out Love #1

Autor: Jessica Park

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 391 Seiten

Verlag: Skyscape

Sprache: Englisch

ISBN: 1461085977

Genre: Realistische Fiktion > Young Adult

ausgelesen am: 23.08.2014

Bewertung:

Wisst ihr, wie „Flat-Out Love“ in der deutschen Version heißt? „Im freien Fall ODER Wie ich mich in eine Pappfigur verliebte“. Der deutsche Titel war es, der mich auf diesen Roman von Jessica Park aufmerksam machte. Ich wollte unbedingt wissen, was dahinter steckt. Verliebt in eine Pappfigur, das klang nach einer verrückten Geschichte genau nach meinem Geschmack.

Gestrandet am Straßenrand, zwischen einem Berg Koffer – so beginnt Julies erster Tag in Boston. Ihren Studienstart hatte sie sich anders vorgestellt. Zum Glück muss sie trotzdem nicht auf der Straße nächtigen, denn in der Stadt lebt eine alte Freundin ihrer Mutter: Erin Watkins. Als diese ihren Sohn Matt schickt, um Julie aufzusammeln, glaubt sie sich im falschen Film. Dieser Nerd trägt doch ernsthaft ein T-Shirt mit der Aufschrift „Nietzsche Is My Homeboy“. Es kommt noch dicker, denn im Haus trifft Julie auf Celeste, die 13-jährige Tochter der Watkins‘. Doch der Teenie in den Klamotten einer 8-jährigen und mit der Ausdrucksweise einer distinguierten Lady des letzten Jahrhunderts ist immer noch nicht das Schrägste, das Julie erwartet. Celeste hat einen ständigen Begleiter: Flat Finn. Eine lebensgroße Pappfigur des ältesten Sohns der Familie. Der echte Finn befindet sich auf Weltreise und dank Celestes Drängen nimmt Julie Kontakt mit ihm auf. Finn sieht nicht nur atemberaubend gut aus, er ist auch witzig und die beiden finden schnell einen echten Draht zueinander. Doch irgendetwas stimmt mit der Familie nicht. Julie kommt einfach nicht darauf, was es ist. Andererseits – mit ihr stimmt offenbar auch etwas nicht, denn sie verliebt sich in Finn; einen Jungen, den sie eigentlich nur als Pappfigur kennt.

Ich glaube, ich hatte in einer Rezension noch nie solche Angst zu spoilern wie jetzt. „Flat-Out Love“ ist so großartig, ich könnte seitenweise vor mich hin schwärmen und jedes Detail aufzählen, das mir daran gefällt. Aber vor allem möchte ich, dass ihr dieses Buch lest. Deswegen werde ich mich so gut es geht zusammen reißen und euch nur einen kleinen Einblick verschaffen.
Anfangs war ich trotz meiner Neugierde etwas besorgt, dass „Flat-Out Love“ unrealistisch, schwülstig und kitschig sein könnte. Gott sei Dank ist es das nicht, ganz im Gegenteil. Tatsächlich hat Jessica Park ihre Geschichte so realistisch gestaltet, dass mir nach einiger Zeit nicht mal mehr Flat Finn abgedreht vorkam. Ja, die Idee ist verrückt, aber Park setzte sie auf eine Weise um, die jegliche Zweifel von Beginn an auslöscht. Das liegt zu großen Teilen an ihrem Schreibstil. Sie beschreibt Szenen, Charaktere und Hintergründe flüssig und eingängig, sodass einfach alles absolut vorstellbar ist. Ich fand den Einstieg schneller, als ich es für möglich gehalten hätte; ich hatte erwartet, dass ich mich erst auf die ganze Flat Finn – Sache einlassen müsste. Das war überhaupt nicht nötig, weil Park ihre LeserInnen so sanft an seine Existenz heranführt und ihnen darüber hinaus Geleit gewährt. Seite an Seite mit Julie erlebte ich, wie eine Pappfigur auf einmal wichtig in ihrem Leben wird, weil sie im Leben der Familie Watkins bereits wichtig ist. Dahinter steckt natürlich weit mehr; Flat Finn erfüllt eine Funktion. Ich gestehe, ich wusste bereits vor Julie, worauf es hinausläuft. Normalerweise bemängele ich Vorhersehbarkeit an einem Buch, aber in diesem Fall war es total in Ordnung, weil Julie einfach noch nicht bereit war.
Es geht in „Flat-Out Love“ meiner Meinung nach nicht primär um eine absurde Liebesgeschichte, es geht um Familie. All die verschiedenen Beziehungen, die in einem Familiengefüge auftauchen können, die sich entwickeln und verändern, Missverständnisse und Erwartungen, verletzte Gefühle und der unglaubliche Halt, den nur die Familie geben kann. Eine perfekte Familie gibt es nicht und die Art, wie Jessica Park das deutlich macht, hat mich zutiefst berührt. Ich gebe zu, ich habe sogar das eine oder andere Tränchen vergossen, weil die Geschichte trotz vieler witziger Elemente eigentlich doch recht traurig ist. Ich habe mit den Charakteren gelacht und gelitten; sie alle sind einzigartig und lebendig. Niemand blieb blass, ihre Ecken und Kanten machen sie sympathisch und realistisch. Ich habe ja sowieso selten Probleme, eine Verbindung zu den Figuren eines Romans aufzubauen, aber hier fühlte es sich tatsächlich so an, als wären sie meine Freunde.

Ich bin sicher, „Flat-Out Love“ wird am Ende des Jahres in meiner Top-10 landen, denn es ist schlicht und ergreifend sensationell. Es passiert nicht sehr oft, dass ich wirklich nicht das Geringste zu bemäkeln habe. Wenn ein Buch überhaupt perfekt sein kann, dann ist es „Flat-Out Love“. Ich werde die Karriere von Jessica Park ab sofort aufmerksam verfolgen, denn ihr Potential ist überwältigend. Ich hoffe, sie schafft bald erneut eine Geschichte, die mich mit ihrer ganzen Absurdität und Tragik auf eine Achterbahn der Gefühle schickt.
Bitte bitte bitte lest dieses Buch. Ich muss mich mit irgendwem darüber unterhalten, sonst platze ich.

 
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Verfasst von - 19. September 2014 in Realistische Fiktion, Young Adult

 

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Chevy Stevens – Blick in die Angst

„Blick in die Angst“

blick in die angst

Originaltitel: Always Watching

Autor: Chevy Stevens

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 496

Verlag: Fischer

Sprache: Deutsch

ISBN: 3596193796

Genre: Krimi & Thriller

ausgelesen am: 14.08.2014

Bewertung: 

Psychologie ist schon lange eines meiner Steckenpferde. Der menschliche Geist, die menschliche Seele faszinieren mich. Abnorme Psychologie, Schutzmechanismen, Manipulation – ist es nicht unglaublich, was unser Geist alles leisten und in welche Richtung er sich entwickeln kann?
Sekten sind in diesem Zusammenhang ein spezielles Thema. Ich glaube, was mich an Sekten interessiert, ist ihre Technik, durch Gedankenmanipulation und emotionale Erpressung Menschen von alldem zu überzeugen, was ihnen nutzt, egal wie verwerflich oder schrecklich das ist. „Blick in die Angst“ von Chevy Stevens ist ein Psychothriller, der sich mit dieser Thematik beschäftigt und landete genau deswegen auf meiner Wunschliste.

Heather Simeon wollte sich selbst töten. Doch glücklicherweise wurde sie rechtzeitig gefunden und befindet sich nun in der Klinik, in der Dr. Nadine Lavoie als Psychiaterin arbeitet. Nadine möchte der jungen Frau helfen und schnell bemerkt sie, dass sie und Heather eines gemeinsam haben: sie verbachten beide eine erhebliche Zeitspanne in der Sekte „Fluss des Lebens“. Als Kind lebte Nadine dort mit ihrer Mutter und ihrem Bruder. Aber warum kann sie sich nicht mehr vollständig an die Kommune erinnern? Warum leidet sie seit dieser Zeit an Klaustrophobie? Und warum wollte Heather sterben? Nadine dachte, sie hätte ihre Vergangenheit überwunden und hinter sich gelassen. Doch nun kommen die Erinnerungen Stück für Stück zurück. Etwas Furchtbares ist damals geschehen. Schwebt Nadine jetzt, 40 Jahre später, noch immer in Gefahr?

Als ich „Blick in die Angst“ ausgelesen hatte, wollte ich für diesen Roman vier von fünf Sternen vergeben. Doch jetzt, etwa einen Monat später, muss ich diese Einschätzung etwas zurückstufen. Chevy Stevens‘ Psychothriller bekommt von mir nur noch gute 3 Sterne; würde ich mit halben Werten arbeiten, wäre es wohl eine 3,5. Wie kam es dazu?
Es ist so: „Blick in die Angst“ gefiel mir wirklich gut, hinterließ aber so gut wie keinen Eindruck auf mich. Nach jedem Buch stelle ich Rezensions-Notizen zusammen, meist sofort, wenn ich es beendet habe und die Eindrücke noch frisch sind. Für mich ist das die beste Strategie, weil es mir auch hilft, mit einer Lektüre abzuschließen. Doch bei „Blick in die Angst“ hatte ich massive Probleme, überhaupt etwas aufzuschreiben, weil es meiner Meinung nach nur wenig über den Roman zu sagen gibt. Das hat mich selbst überrascht, denn eigentlich war ich zufrieden, mal wieder einen Thriller gelesen zu haben, der mich nicht völlig enttäuscht hat. Chevy Stevens baute eine fesselnde Geschichte mit einer beklemmenden Atmosphäre auf, deren Zugkraft vom intensiven Fokus auf die Psyche ausgeht. Da ihre Protagonistin Nadine keine Polizistin ist, sondern Psychiaterin, geht es nicht darum, herauszufinden, wer der Mörder ist. Stattdessen beobachten die LeserInnen Nadine beim Kampf mit ihren Erinnerungen und dem tiefen Bedürfnis, Beweise für das Unrecht aufzudecken, das ihr damals angetan wurde. Ich empfand diesen Ansatz als originelle Abwechslung und kam auch mit Nadine selbst sehr gut zurecht. Zwar ist sie als Hauptfigur etwas schwierig, weil sie eine Menge Fehler hat, die ihr Handeln des Öfteren bestimmen, aber genau das machte sie mir sympathisch. Sie weiß sehr gut, dass sie sich anders verhalten sollte, kann jedoch einfach nicht aus ihrer Haut. In vielen Szenen ist sie von unglaublich intensiven und starken Gefühlen geschüttelt, durch die ich eine feste Verbindung zu ihr aufbauen konnte.
Sie ist eine wirklich runde Figur, doch überstrahlt dadurch – wie so oft bei starken ProtagonistInnen – jegliche Nebencharaktere. Vermutlich ist das einer der Gründe, warum es kaum Faktoren gibt, die mich wirklich beeindruckt haben: inhaltlich ist „Blick in die Angst“ nicht sonderlich komplex. Da ist Nadine und ihre Vergangenheit beziehungsweise die ihrer Familie – und das war es. Sehr viel mehr wird nicht thematisiert.

Sicher werde ich Chevy Stevens damit nicht gerecht, doch im Nachhinein betrachtet hinterließ „Blick in die Angst“ bei mir nur das emotionale Pendant eines Schulterzuckens. Ja, es ist ein guter, solider Thriller mit einer sympathischen Protagonistin, nachhaltig ist er meiner Empfindung nach allerdings nicht. Eine flüssige, interessante Lektüre für zwischendurch, nicht sehr anspruchsvoll und selten überraschend. Zwischen Oberfläche und Tiefe besteht keinerlei Spannung, man muss als LeserIn nicht mit dem Buch arbeiten.
Nehmt „Blick in die Angst“ mit in den Urlaub, gönnt euch damit eine mentale Auszeit oder lest es unterwegs, denn wenn ihr Psychothriller mögt, wird es euch bestimmt gefallen. Große Lektüre dürft ihr jedoch nicht erwarten.

 
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Verfasst von - 18. September 2014 in Krimi, Rezension, Thriller

 

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Joe Abercrombie – Racheklingen

„Racheklingen“

Racheklingen

Autor: Joe Abercrombie

Originaltitel: „Best Served Cold“

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 927 Seiten

Verlag: Heyne

Sprache: Deutsch

ISBN: 3453525221

Genre: Fantasy > High Fantasy

ausgelesen am: 31.08.2014

Bewertung:

Hach, der Herr Abercrombie. Seine „The First Law“ – Trilogie hat mich maßlos begeistert und überrascht. Nie hätte ich erwartet, eine Mischung aus Gossen-Kodder-Schnauze und überaus intelligenten politischen Intrigen vorzufinden – gewürzt mit einer ordentlichen Portion Blut und einzigartigen Charakteren. Joe Abercrombie hat sich bei mir ein hohes Maß an Achtung und Respekt verdient. Es kam für mich daher gar nicht in Frage, den Einzelband „Racheklingen“ nicht zu lesen. Ich begann diesen High Fantasy Roman mit sehr hohen Erwartungen. Innerlich tanzte meine kleine Joe-Abercrombie-Cheerleader-Version schon eine Choreografie, fest entschlossen, sich erneut hemmungslos begeistern zu lassen.

Monza Murcatto erlebte den tiefsten Fall, den man sich vorstellen kann – wortwörtlich. Weil die gefeierte Söldner-Königin ihrem Herrn, Großherzog Orso, zu einflussreich wurde, mussten sie und ihr Bruder Benna kurzerhand verschwinden. Er ließ Benna ermorden und stieß Monza einen Balkon hinunter. Nur… sie starb nicht. Schwer verletzt und für ihr Leben gezeichnet überlebte Monza den Sturz. Nun kennt sie nur ein Ziel: Rache. Rache für den Mord an ihrem geliebten Bruder und den Angriff auf sie selbst, denn ihr Schmerz verlangt ein Opfer. Sieben Männer müssen auf ihrem Weg sterben. Doch in ihrem geschwächten Zustand kann Monza diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Sie braucht Hilfe. Gemeinsam mit dem Nordmann Espe, dem Mörder Freundlich, dem Giftmischer Morveer, der Folterexpertin Vitari und dem abgehalfterten Söldner Cosca begibt sie sich auf einen blutigen Pfad, der das Schicksal ganz Styriens verändern wird.

Anfangs war ich wieder völlig hingerissen von Abercrombies ehrlicher, direkter, schonungsloser Schreibweise. Gegenüber der lieben DarkFairy beschrieb ich es als „Gedicht aus Spucke, Blut und schlimmeren Körperflüssigkeiten“. Ich fand den Einstieg unheimlich schnell, der Cheerleader frohlockte glücklich. Abercrombie hat dieses unglaubliche Talent, die Dinge beim Namen zu nennen, egal wie abstoßend sie sein mögen. Er schont seine LeserInnen nicht, er fordert ihre Nerven und ihre Mägen heraus. Sicher können damit nicht alle umgehen, aber ich liebe es. Wie berauscht begleitete ich Monza und ihre seltsame Truppe zum ersten, zweiten und dritten Mord. Und dann – beschlich mich ein dumpfes Gefühl von Unzufriedenheit. Sollte das alles gewesen sein? Ein schlichter Rachefeldzug? Ich konnte es nicht glauben, denn eigentlich hielt ich diese Handlungslinie für zu banal, einem Joe Abercrombie nicht würdig. Doch genauso ist es. Insofern hat mich „Racheklingen“ ein bisschen enttäuscht. Die Story erschien mir etwas uninspiriert und weniger kreativ, als ich erwartet hatte. Für mich hätten fünf Morde völlig ausgereicht, hätte Abercrombie dem Ganzen stattdessen etwas mehr Würze verliehen.
Die Charaktere in „Racheklingen“ sind hingegen wieder sehr eigenständig und haben eine echte Identität, wobei allerdings keine Figur auftaucht, die an die Brillanz eines Sand dan Glokta heranreicht. Er ist und bleibt für mich Abercrombies Meisterstück. Nichtsdestotrotz überzeugten mich auch die ProtagonistInnen dieses Romans. Ich bringe ihnen unterschiedlich viel Sympathie entgegen und betrachte vor allem Monza mit gemischten Gefühlen. Sie ist einfach keine Frau, die man gern haben kann. Ich verstehe sie auf gewisse Weise, aber ich werde ihr wohl niemals verzeihen, was sie Espe antat. Ich kannte ihn schon aus den vorangegangenen Büchern und mochte ihn unheimlich gern. Monza jedoch löste in ihm eine Entwicklung aus, die mir fast das Herz brach.
Ein absolutes Highlight war der Mörder Freundlich. Mit dem Namen nicht genug, verpasste ihm Abercrombie allen Ernstes auch noch das Asperger-Syndrom, gepaart mit einer Inselbegabung für Zahlen. Wegen solcher Eskapaden würde ich jederzeit wieder zu einem seiner Bücher greifen: man weiß einfach nie, was er für seine LeserInnen an Überraschungen bereithält.

Obwohl mich „Racheklingen“ etwas enttäuscht hat, überwiegen letztendlich die positiven Aspekte. Abercrombie ist ein begnadeter Schriftsteller, der sowohl ein Händchen für runde, außergewöhnliche Charaktere als auch für eine extrem dichte Atmosphäre hat. Ich würde niemandem raten, mit diesem Abercrombie-Werk zu beginnen, denn es ist wirklich äußerst blutig und brutal; außerdem werden Bezüge zu Figuren hergestellt, die man ohne Kenntnis der „The First Law“ – Trilogie nicht versteht. Ich denke, man sollte bereits wissen, zu welchen kompromisslosen Beschreibungen dieser Autor fähig ist, bevor man sich mit Monza auf ihren Rachefeldzug begibt. Für bereits Infizierte ist es jedoch ein passender Ausflug, der zwar nicht an die „The First Law“ – Trilogie heranreicht, dafür aber Abercrombies Stärken noch einmal deutlich betont.
Macht euch auf was gefasst, denn Rache wird bekanntermaßen am besten kalt serviert.

 
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Verfasst von - 16. September 2014 in Fantasy, High Fantasy, Rezension

 

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15. 09. 2014 – Montagsfrage: Frankfurter Buchmesse?

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Montag in Berlin, die Sonne scheint, da ist es wohl Zeit für die Montagsfrage von Nina aka Libromanie! 🙂 Heute geht es um das Mekka aller deutschen Buchfans:

Besuchst du nächsten Monat die Frankfurter Buchmesse?

Nein. 😦 Ich wäre gern hingefahren, aber das geht leider nicht. Es ist zu weit, zu teuer und mein Partner hat unglücklicherweise auch keine Urlaubstage mehr übrig. Wenn man sowas plant, sind ja meist nicht die Eintrittspreise das Problem, sondern all das, was noch mit dran hängt: Fahrt-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten. Wären wir oder ich eher auf diese Idee gekommen, wäre es vermutlich noch machbar gewesen, aber so war es etwas arg kurzfristig. Dieses Jahr muss ich also noch mal verzichten, aber nächstes Jahr werden wir das ernsthaft in Betracht ziehen. Fest steht bereits, dass wir zur Leipziger Buchmesse fahren werden, ob die Frankfurter Buchmesse dann auch mit uns rechnen kann, wird sich zeigen. In jedem Fall werde ich vorher noch ein paar Vorbereitungen treffen, um für meinen Blog ein bisschen zu werben. 🙂

Wie sieht es bei euch aus? Fahrt ihr zur Frankfurter Buchmesse?

Ich freue mich wie immer auf eure Antworten und Kommentare! 🙂

 
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Verfasst von - 15. September 2014 in Neuigkeiten & schnelle Gedanken

 

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