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15. 07. 2014 – Inside Jane Austen #1

15 Jul

Wie ihr wisst, lese ich zur Zeit Jane Austens „Pride and Prejudice“. Ich gebe zu, das Buch war zu diesem Zeitpunkt nicht die beste Lektüre-Auswahl. Durch die Klausurvorbereitungen bin ich intellektuell arg eingespannt; Gedankenkraft, die ich für diesen Klassiker eigentlich bräuchte. Daher komme ich nur sehr langsam voran, meist schaffe ich gerade mal 20 magere Seiten pro Tag. Es liest sich für mich ziemlich schwer. Die Ausdrucksweise ist mir einfach nicht geläufig, viele Sätze muss ich doppelt und dreifach lesen, um sie zu verstehen. Ich kann auch noch überhaupt nicht sagen, ob es mir gefällt oder nicht.
Anhand dieser Tatsachen kann ich bereits abschätzen, dass die Rezension zu „Pride and Prejudice“ noch eine Weile auf sich warten lassen wird. Dementsprechend habe ich mir eine Kleinigkeit ausgedacht, um euch die Wartezeit zu verkürzen. 🙂
Ich habe ein bisschen zu Jane Austen und „Pride and Prejudice“ recherchiert und ein paar Fakten zusammen getragen, die ich höchst interessant fand und die mir geholfen haben, meine aktuelle Lektüre besser zu verstehen.
In den nächsten Tagen werde ich also ein bisschen mit Trivia-Wissen um mich werfen. 😉 Ich wünsche euch viel Spaß mit:

Inside Jane Austen #1: Was ihr bisher vermutlich nicht über „Pride and Prejudice“ wusstet

  1. Jane Austen schrieb „Pride and Prejudice“ in der ersten Fassung, als sie gerade mal 21 war (jünger als ich jetzt!). Diese erste Version trug den Titel „First Impressions“ und entstand 1797. Veröffentlicht wurde Austens Werk nach umfangreicher Überarbeitung jedoch erst 1813, also ganze 16 Jahre später.
  2. Zu Lebzeiten war Jane Austens Identität als Autorin unbekannt. In der Ur-Version von „Pride and Prejudice“ stand auf der ersten Seite lediglich „by the author of Sense and Sensibility“. Als das Buch später veröffentlicht wurde, war die Autorenangabe sogar noch minimalistischer, sie beschränkte sich auf die Aussage „by a lady“. Jane Austen versteckte sich regelrecht vor der PrideAndPrejudiceTitlePageÖffentlichkeit, da sie vor der daraus resultierenden Aufmerksamkeit zurückscheute. Trotz dessen wusste sie den finanziellen Erfolg ihrer Bücher durchaus zu schätzen. Ihre Identität wurde erst nach ihrem Tod aufgedeckt; laut einem Artikel aus der FAZ ist aber bis heute nicht völlig sicher, wie die Schriftstellerin aussah.
  3. „Pride and Prejudice“ ist bis heute Jane Austens populärster Roman. Man schätzt, dass er sich weltweit etwa 20 Millionen Mal verkauft hat. Trotz dieses Erfolges gab es im 19. Jahrhundert einige Kritiker, die Austens Werk „zu keck“ fanden. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, mit wie viel Charme und Witz sie die (aus heutiger Sicht) teilweise absurden gesellschaftlichen Gepflogenheiten dieser Zeit porträtierte.
  4. In Bezug auf die Thematik des gesellschaftlichen Aufstiegs der Mittelklasse in die Oberschicht hat „Pride and Predjudice“ bis heute nicht an Aktualität eingebüßt. Im 18. und 19. Jahrhundert konnten Mitglieder einer Familie der Mittelklasse durch die Ausbildung in Elite-Schulen oder Freundschaften in der Oberschicht gesellschaftlich aufsteigen. Natürlich konnte dies auch durch eine Heirat geschehen. Das beste aktuelle Beispiel für so einen Aufstieg ist Kate Middleton. Durch ihre Ehe mit Prinz William wurde sie ein Teil der britischen Royals.
  5. „Pride and Predjudice“ ist nicht halb so züchtig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Jane Austen thematisiert darin deutlich die sexuelle Anziehungskraft junger Soldaten auf die Damen der Umgebung.
  6. In der Zeit des Romans wurde zunehmend Wert auf die „Vollendung“ einer jungen Frau gelegt. Dieser Begriff konnte sich auf verschiedene, meist oberflächliche Aspekte beziehen; in „Pride and Prejudice“ bezeichnet Miss Bingley ein angemessenes Auftreten und eine bestimmte Art zu Gehen als Zeichen der „Vollendung“. Es gab jedoch auch andere Auffassungen: Mr. Darcy ist überzeugt, dass der Gipfel der „Vollendung“ einer Dame die Verbesserung ihres Intellekts durch umfangreiches Lesen ist.
  7. Die Tatsache, dass Elizabeth Bennets Schwester (ich vermute, dass es Jane ist, obwohl ich noch nicht so weit bin) mit ihrem Angebeteten durchbrennt und unverheiratet mit ihm zusammen lebt, war zu Zeiten Jane Austens schlicht schockierend und absolut inakzeptabel. Eine solche Entscheidung konnte eine Frau völlig ruinieren und zusätzlich ein schlechtes Licht auf ihre Familie werfen. In „Pride and Prejudice“ kann nur eine hastig arrangierte Hochzeit Janes (?) Ruf retten und es darüber hinaus auch ihren Schwestern ermöglichen, für sich selbst einen passenden Ehemann zu finden.
  8. Wie bereits gesagt, hat „Pride and Prejudice“ definitiv eine sexuelle Note. Obwohl im 18. und 19. Jahrhundert eine strenge sexuelle Moral vorherrschte, verwendete Jane Austen Andeutungen, die von den LeserInnen dieser Zeit eindeutig verstanden wurden. Als Mr. Darcy Elizabeth seine Zuneigung gesteht, sagt er „my feelings will not be repressed,“. Was mir wie ein harmloser, emotionaler Ausruf erschien, sagte den LeserInnen dieser Epoche klar, WELCHE Gefühle Mr. Darcy veranlassen, sich sogar auf eine Frau einzulassen, die weit unter seinem sozialen Status rangiert.
  9. „Pride and Prejudice“ entstand zu einer Zeit, in der der Tourismus gerade begann, sich als Beschäftigung für die reiche Elite zu etablieren. Diesen Prozess bildete Jane Austen ab, indem sie Elizabeth auf eine Reise mit ihrer Tante und ihrem Onkel schickte, auf der sie letztendlich auch Mr. Darcy wieder trifft.
  10. Zwar ist mir in keiner Weise klar, warum das zu dieser Zeit angesagt war, doch ein Detail aus „Pride and Prejudice“ bildet durchaus die Realität des 18. und 19. Jahrhunderts ab: Landbesitzer erbauten in ihren großen, romantischen Gärten sogenannte Klausen, die das Leben mittelalterlicher Mönche imitieren sollten. Auch die Bennets  besitzen auf ihrem Gut so eine Klause.
  11. Zu Zeiten Jane Austens waren Kutschen ein wichtiges Statussymbol, so, wie es heute das Auto ist. Lady Catherine aus „Pride and Prejudice“ besitzt ganze drei Kutschen nur für sich selbst und ihre Tochter, was als äußerst kostspielige Exzentrik angesehen werden kann.
  12. „Pride and Prejudice“ wurde häufig für Bühne und Film adaptiert. 1940 produzierte MGM aus dem Buch einen Film, an dessen Set laut Aussage der Schauspielerin der Elizabeth Bennet ständig Chaos herrschte, weil die opulenten Kostüme wenig alltagstauglich und extrem voluminös waren.

Na, hättet ihr es gewusst? 😉
Ich habe mich im Voraus nicht mit Jane Austen oder dem Werk an sich beschäftigt, daher hat mich hier so einiges richtig überrascht, besonders Punkt 8 über die sexuellen Anspielungen. Ich wäre da nie drauf gekommen! Ich kann nur sagen: skandalös! 😀

Ihr möchtet zu diesen Punkten etwas sagen? Tut euch keinen Zwang an, ich freue mich wie immer über eure Meinungen und Kommentare! 🙂

Quellen:
http://www.huffingtonpost.com/david-shapard/pride-prejudice-facts_b_2552180.html#slide=2027182
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-portraet-von-jane-austen-diese-nase-trat-in-der-familie-oefter-auf-11559829.html
http://reederreads.com/2013/01/28/20-interesting-facts-about-jane-austens-pride-and-prejudice/

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4 Antworten zu “15. 07. 2014 – Inside Jane Austen #1

  1. Maki

    Juli 16, 2014 at 7:37 am

    Ich bin ein sehr grosser Jane Austen Fan und hab ihre Romane schon mehrmals gelesen, das kommt sehr sehr vor, dass ich ein Buch zwei mal lesen. Ich hoffe dir gefällt es auch..

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  2. Caroline

    Juli 16, 2014 at 11:49 am

    Ich mag „Stolz und Vorurteil“ sehr, allerdings als Film noch mehr als als Buch, muss ich gestehen. Einige interessante Fakten hast du da zusammen gesucht, wobei ich dich schon einmal vorab korrigieren muss: es ist nicht Jane, die mit jemandem durchbrennt. 😉

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    • wortmagieblog

      Juli 16, 2014 at 6:27 pm

      Uhhhuuuu, dann wirds ja jetzt erst recht spannend, wenn es nicht Jane ist! 😀 Da freu ich mich schon auf die Auflösung! 😀

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  3. BuecherFaehe

    Juli 20, 2014 at 8:48 pm

    Puh, bin ich froh, dass Caroline das mit der Schwester jetzt schon angedeutet hat. Ich hätte jetzt nämlich einfach rundheraus gesagt, welche es ist. 😀 Nochmal Glück gehabt!
    Finde die Fakten aber auf jeden Fall sehr interessant, das habe ich so auch nicht gewusst. Ist aber immer wieder witzig zu sehen, wie sich die Zeiten verändert haben und was damals als “skandalös” galt. Da würde heute ja keiner mehr mit der Wimper zucken – oder anders gesagt: mir wäre die Anspielung in keinster Weise aufgefallen. Die heutige Welt ist einfach zu “eindeutig”.

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