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Laurence Cossé – Der Zauber der ersten Seite

28 Jun

„Der Zauber der ersten Seite“

Laurence Cosse - Der Zauber der ersten Seite

Originaltitel: “Au Bon Roman”

Autor: Laurence Cossé

Format: Hardcover

Seitenzahl: 464 Seiten

Verlag: Limes

Sprache: Deutsch

ISBN:  344237832X

Genre: Krimi & Realistische Fiktion

ausgelesen am: 21.06.2014

Bewertung:

„Der Zauber der ersten Seite“ lag lange auf meinem SuB, bevor ich mich diesen Monat endlich entschlossen habe, es zu lesen. Das Problem mit diesem Buch war, dass ich mir unsicher war, ob es wirklich etwas für mich ist. Laut Klappentext handelt es sich hierbei nämlich um einen Krimi und ihr wisst, dass ich mich für Krimis eigentlich nur schwer erwärmen kann. Ich war besorgt, dass ich bei diesem Spontankauf völlig danebengegriffen habe und war schon bereit, es einer kurzweiligen geistigen Umnachtung meinerseits zuzuschreiben.
Mittlerweile weiß ich, dass meine Sorgen komplett unbegründet waren.

Ivan und Francesca erfüllen sich einen Traum: sie eröffnen einen Buchladen in Paris. Nicht irgendeinen Buchladen, sondern ein Geschäft, das nur gute Romane führt. „Der gute Roman“ ist Francescas und Ivans Antwort auf den überbevölkerten Büchermarkt, der sich das Credo „Quantität statt Qualität“ auf die Fahnen schreibt. Ihr Sortiment wird auf der Basis einer einmaligen Idee zusammengestellt: acht anonyme Komitee – Mitglieder wählen unabhängig voneinander die in ihren Augen wertvollste Literatur der Geschichte aus.
Anfangs wird das Konzept des „Guten Romans“ von der Leserschaft begeistert angenommen, die Geschäfte laufen gut. Doch bald wird das ungewöhnliche Buchgeschäft Opfer einer gnadenlosen Hetzkampagne. Verleumdungen werden veröffentlicht, die Presse gräbt tief in Ivans und Francescas Vergangenheit, sie werden als Faschisten des Buchmarktes bezeichnet. Die beiden Buchhändler nehmen all diese Tiefschläge mal mehr, mal weniger gefasst auf. Als jedoch Angriffe auf drei der Komitee – Mitglieder verübt werden, können sie nicht länger zusehen. Sie ziehen die Polizei in Form von Kommissar Heffner hinzu, der herausfinden soll, wer ein Interesse daran haben könnte, den „Guten Roman“ zu ruinieren und dafür nicht mal davor zurückschreckt, drei harmlose Menschen anzugreifen.

„Der Zauber der ersten Seite“ macht Lust auf das Lesen. Es macht Lust auf Literatur, auf gute Literatur. Es ist eine Liebeserklärung an Bücher, die ein Leben verändern können. Die Buchhandlung „Der gute Roman“ ist ein Traum, von dem wohl insgeheim alle LeserInnen träumen. Wer hat sich noch nicht von der puren Masse in einer Großbuchhandlung erschlagen gefühlt?
Wie bereits zu Anfang beschrieben, war ich durch den Klappentext verunsichert. Meine Unsicherheit war unnötig, denn der Kriminalfall dieses Romans ist eher nebensächlich. Dieser fungiert als Aufmacher – Element, als Einstieg in die Geschichte dieses ganz besonderen Buchladens, doch im Handlungsverlauf nimmt er eine untergeordnete Rolle ein. Im Fokus steht die Entstehung des „Guten Romans“, die Idee dahinter, das Anliegen, der Leserschaft gute Literatur zu bieten. Nichtsdestotrotz sind die Anschläge auf die Komitee – Mitglieder ein wichtiger Baustein, den Laurence Cossé nutzt, um das moderne Verlagswesen zu desmaskieren. Sie zeigt auf, wie schwierig der Qualitätsanspruch von Menschen wie Ivan und Francesca sowie ihren KundInnen heutzutage umzusetzen ist, da doch Verkaufszahlen der wichtigste Faktor sind. Cossé kritisiert nicht den Geschmack der LeserInnen, es muss sich also niemand auf den Schlips getreten fühlen, sondern die Mechanismen einer harten Branche. Auch ich fühlte mich von einem trivialen, aber populären Buch wie Dan Browns „Illuminati“ gut unterhalten, doch mir war bewusst, dass es sich dabei um keine lebensverändernde Lektüre handelt. „Die Straße“ von Cormac McCarthy hingegen hat mein Verständnis des Wesens „Mensch“ durchaus beeinflusst. Ich habe beide Bücher genossen, nachhaltig in meinem Gedächtnis verankert ist jedoch nur „Die Straße“. McCarthy taucht in „Der Zauber der ersten Seite“ übrigens auf, er erhält von Ivan und Francesca das Qualitätsgütesiegel, was mich ganz besonders freute. Überhaupt stahl sich jedes Mal ein Lächeln auf mein Gesicht, wenn Cossé AutorInnen nannte, die ich bereits gelesen habe oder zumindest kenne. Außerdem enthält meine Ausgabe im Anhang eine Liste der erwähnten Werke; ich werde mir irgendwann die Zeit nehmen, diese Lektüreliste durchzuarbeiten.

„Der Zauber der ersten Seite“ ist ein Kleinod in meiner Büchersammlung, ein Schatz für alle LeserInnen, die Büchern ebenso viel Leidenschaft entgegen bringen wie Francesca, Ivan und ich. Es hat mein Herz berührt; ich habe mich an so vielen Stellen wiedererkannt. Nur weil ein Buch ein Bestseller ist, muss das noch lange nicht heißen, dass es auch kostbar ist. Es ist nicht verwerflich, nicht alles, was der Markt anpreist, zu lesen; ebenso wenig muss man als LeserIn alles mögen, was erfolgreich ist.
Es wundert mich, dass dieses Buch eher unpopulär geblieben ist, denn es spricht allen LiebhaberInnen guter Literatur aus der Seele.

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