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12. 06. 2014 – Der Junge, mit dem ich mich schlafen legte

12 Jun

Gestern Abend kam mir ein Gedanke, als ich im Bett lag. Es war für meine Verhältnisse noch sehr früh, da ich sowohl gestern wie heute fleißig malocht habe. Ich war unglaublich müde. Doch dieser Gedanke, der beschäftigte mich, bis ich ins Traumland hinüber glitt und auch heute tauchte er wieder auf. Er galt weder meinem Partner, noch meinem Hund, noch dem nächsten Tag. Er galt Simon Mondkalb, dem Protagonisten aus „Der Drachenbeinthron“ von Tad Williams, welches ich aktuell lese.
Nun ist es für mich nicht ungewöhnlich, bei dem Einschlafen über Bücher nachzudenken. Tatsächlich mache ich das oft. Es hilft mir, Frieden und Ruhe zu finden. Doch normalerweise überdenke ich eine ganze Geschichte; ich schreibe mental bereits an der Rezension oder – da mir diese meist am schwersten fällt – speziell an der kurzen Inhaltsübersicht.
Die Fixierung auf Simon entstand, weil mir etwas wirklich Faszinierendes auffiel. Okay, vielleicht ist es nur für mich faszinierend und ihr kennt das bereits. Vielleicht bin ich ein Spätzünder. 😀 Jedenfalls hing es mit dem letzten Satz zusammen, den ich las, bevor ich ins Bett gewatschelt bin. Das war folgender:

Das Geheimnis der Großen Schwerter #1 - Der Drachenbeinthron - Tad Williams„Eine Legion von Grillen und anderen nächtlichen Sängern füllte die Hohlräume der Nacht, als Simon in einen Schlaf der Erschöpfung sank, und sein Herz schlug in ihrem langsamen Rhythmus mit.“
(Tad Williams, „Der Drachenbeinthron“, S.481)

Schön, nicht wahr?
Meine Gedanken führten mich dahin, wie passend es doch ist, dass Simon und ich uns gemeinsam zum Schlafen hingelegt haben. Ein hübscher Zufall. Da ich selbst hundemüde war, konnte ich genauestens nachempfinden, wie Simon sich fühlt. Umgekehrt glaubte ich, dass auch Simon für mich Verständnis gehabt hätte. Es entstand ein intimer Augenblick der Verbundenheit. Eine außergewöhnliche Ebene der Identifikation zwischen Protagonist und Leserin. Unsere Leben verliefen für einen winzigen Moment parallel. Möglicherweise mache ich aus einer Mücke einen Elefanten (zur Zeit scheinen mich Elefanten zu begleiten), doch ich habe seitdem das Gefühl, noch tiefer in das Buch eingetaucht zu sein.
Schon in den letzten Tagen hatte ich ähnliche Gedanken, als es so unerträglich heiß war. Simon erlebte nämlich ebenfalls eine Hitzewelle und ich las davon innerhalb dieser Zeitspanne. Schon da dachte ich „Ich weiß genau, wie du dich fühlst!“. Nicht sehr magisch, aber wir schwitzten quasi gemeinsam.

Mir ist sowas vorher noch nie passiert. Kleine Details, die sich in meinem Leben und dem Leben des Protagonisten oder der Protagonistin decken. Ich finde es besonders erstaunlich, weil „Der Drachenbeinthron“ ein Fantasy – Buch ist. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass in meinem profanen kleinen Leben das Gleiche geschieht wie in einer fremden, magiegetränkten, fernen und vor allem fiktiven Welt?
Das begeistert mich. Bisher stimmte vermutlich einfach das Timing nie, aber es lässt meine abergläubische Ader erwachen und hinterlässt das Gefühl, es sei vorher bestimmt, dass ich dieses Buch genau jetzt lese, aller Rationalität zum Trotz. Als es hätte es irgendjemand (das Universum, das Schicksal, Gott, Karma, etc. pp.) so gewollt. Als sei es richtig.
Außerdem glaube ich, noch viel näher könnte ich mich Simon kaum fühlen. Er ist nun nicht mehr bloß „der Junge aus dem Buch“. Er ist der Junge, mit dem ich mich schlafen legte.

Es würde mich sehr interessieren, ob ihr schon mal so ein Erlebnis hattet. Habt ihr euch schon einmal so mit einer Figur verbunden gefühlt? Habt ihr schon einmal genau das Gleiche getan wie ein Charakter, zu genau der gleichen Zeit?

Ich freue mich wie immer sehr auf eure Antworten und Kommentare! 🙂

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Eine Antwort zu “12. 06. 2014 – Der Junge, mit dem ich mich schlafen legte

  1. amaunet0101

    Juni 13, 2014 at 9:45 am

    Verbundenheit mit einer Figur in einem Buch kenn ich auch, aber auf eine andere Art und Weise. Mir sind Figuren begegnet, denen die gleichen Dinge passiert sind wie mir – gleiche Schicksale verbinden nicht nur in der realen Welt… Manchmal kann einem so ne Romanfigur sogar bei der Bewältigung von bestimmten Ereignissen helfen. Mir ging es so mit „Hoffnung für Dan“ von Klaus Möckel, der die Geschichte eines behinderten Jungen und seiner Familie beschreibt. Das war zu großen Teilen mein Leben! Und es war gut zu wissen, dass meine Familie und ich nicht alleine mit dieser Last zurecht kommen mussten.

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