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26. 05. 2014 – Montagsfrage: Original vs. Übersetzung

26 Mai

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Es ist Montag, das heißt, es ist wieder einmal Zeit für die Montagsfrage von Libromanie. Diese Woche geht es um folgende Frage:

Gibt es AutorInnen, die du lieber im Original liest?

Für mich ist diese Frage nicht schwer zu beantworten, denn prinzipiell lese ich alle Bücher lieber im Original. Ähnlich wie bei Nina beschränkt sich das auf englische Bücher, denn mein Französisch ist massiv eingerostet und mein Spanisch… nun ja, ich würde wohl nicht verhungern, würde man mich mitten in der spanischen Pampa aussetzen, aber da hört es dann auch schon auf. Ich muss aber hinzufügen, dass ich kaum Werke von französischen und/oder spanischen AutorInnen lese. Ich bin mir nicht sicher, wieso das so ist, aber irgendwie begegnen mir nur sehr selten Bücher, die nicht von deutschen, britischen oder amerikanischen AutorInnen stammen. Das überrascht mich selbst; es scheint etwas mit dem Algorithmus von Seiten wie amazon oder Goodreads zu tun haben. Von diesen Websites beziehe ich den Großteil meiner personalisierten Empfehlungen, die ja auf den Büchern basieren, die ich bereits besitze, gelesen oder auf meine Wunschliste gesetzt habe. Da diese auch Großteils aus Deutschland, Großbritannien und Amerika kommen, werden mir vermutlich nur sehr wenige Bücher aus anderen Ländern vorgeschlagen. Verrückt, oder?
Back to topic. Ich habe mehrere Gründe, warum ich lieber Originale lese, soweit es englischsprachige AutorInnen betrifft:

  1. Die Schönheit der Sprache bleibt erhalten. Viele englische Witze, Metaphern, Vergleiche u.ä. gehen durch die Übersetzung verloren.
  2. Es gibt keine Irritation durch einen sinnlosen, falsch übersetzten Titel, von Eigenerfindungen des Verlags ganz zu schweigen (s. Rachel – Morgan – Reihe von Kim Harrison).
  3. Ich bin nicht auf Gedeih und Verderb der deutschen Verlagspolitik ausgeliefert. Dieser Punkt betrifft vor allem Reihen. Deutsche Verlage schauen bei der Veröffentlichung einer Reihe nur auf den Profit, das heißt, sie splitten gern mal ganze Bände auf, sie stellen Reihen manchmal mittendrin ganz ein und weigern sich, weitere Bände zu übersetzen. Die Wartezeit zwischen zwei Bänden beträgt oft Monate, manchmal sogar Jahre, obwohl sie auf dem britischen/amerikanischen Markt schon längst erschienen sind. Das ärgert mich maßlos; ich möchte unabhängig von diesen Machenschaften sein.
  4. Es gibt in Amerika und Großbritannien keine Buchpreisbindung, dadurch sind Bücher aus diesen Ländern oft wesentlich günstiger als deutsche Ausgaben. Es kann zwar manchmal ein paar Monate dauern, bis diese Ausgaben veröffentlicht werden, aber man kann sich in der Regel sicher sein, dass irgendein britischer oder amerikanischer Verlag versuchen wird, einen finanziellen Vorteil durch günstige Ausgaben zu erringen. Wer sich für das Thema Buchpreisbindung und deren Zweckmäßigkeit interessiert, sollte das Thema übrigens mal googlen. An dieser Regelung gibt es nämlich eine Menge negativer Aspekte.
  5. Die Auswahl bezüglich der Ausgaben ist größer. Dieser Punkt ergibt sich natürlich aus Punkt 4, ich halte es aber für einen tollen Vorteil. Ich suche mir gern aus, welche Ausgabe ich in mein Regal stelle und nehme natürlich immer die, die ich persönlich am schönsten finde.
  6. Der zeitliche Vorsprung des amerikanischen und britischen Markts ist enorm. Das Thema habe ich in Punkt 3 bereits angeschnitten, aber ich möchte es trotzdem noch mal gesondert besprechen, da es eben nicht nur Reihen betrifft. Mir ist bis heute nicht klar, warum wir in Deutschland so unglaublich weit hinterher hinken; warum die Zusammenarbeit zwischen britischen/amerikanischen und deutschen Verlagen nicht besser ist, obwohl das sicherlich möglich wäre. Ich gehe davon aus, dass auch das mit der Buchpreisbindung zusammenhängt; deutsche Verlage können es sich leisten, ihre KundInnen warten zu lassen, was natürlich nicht sehr kundenfreundlich ist.
  7. Englische Ausgaben zu lesen fördert meine Fähigkeiten in der englischen Sprache. Es erweitert meinen Wortschatz und mein Verständnis für die Grammatik. Mein Englisch ist während des Studiums sehr fachspezifisch geworden; ich benutze oft Formulierungen, die man im Alltag und umgangssprachlich niemals verwenden würde. Mir ist wichtig, beides gut zu beherrschen, sowohl Fachsprache als auch Umgangssprache und dabei helfen mir englische Bücher.

Wenn ich jetzt noch länger überlegen würde, würden mir sicher noch mehr Argumente einfallen, aber ich belasse es erst mal bei diesen sieben. Kurz gesagt lese ich also alle muttersprachlich-englischen AutorInnen lieber im Original.
Es gibt allerdings eine Einschränkung. Obwohl ich in den meisten Fällen auf englische Originale umgestiegen bin, gibt es bestimmte Bücher, die ich immer noch auf Deutsch lese. Das hängt damit zusammen, dass ich eine gute Tochter sein möchte. 😀 Meine Ma tut sich ein bisschen schwer mit englischen Originalen. Ich versuche schon seit einer Weile, sie dazu zu überreden, sich mehr zuzutrauen und es einfach zu versuchen, aber bisher habe ich nur kleine Fortschritte gemacht. Ich fände es dementsprechend sehr unfair, bei bereits begonnenen Reihen, die wir beide lesen möchten, einfach zu den englischen Versionen zu wechseln. Ein gutes Beispiel ist die Anita – Blake – Reihe von Laurell K. Hamilton. Ich würde so gern umsteigen, aber ich verzichte für meine Mutter darauf. Noch zumindest. 😉

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