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Archiv für den Monat Januar 2014

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London

„Die Flüsse von London“

Reihe: Peter Grant #1

Autor: Ben Aaronovitch

Originaltitel: Rivers of London

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 480 Seiten

Verlag: dtv

Sprache: Deutsch

ISBN: 3423213418

Genre: Fantasy > Urban Fantasy & Krimi & Humor

ausgelesen am: 26.01.2014

Bewertung:

Ben Aaronovitchs Roman „Die Flüsse von London“ stand lange in meinem Regal, bevor ich mich dazu entschied, es mir vorzunehmen. Aaronovitch war mir bis dahin komplett unbekannt, was allerdings nicht verwunderlich ist: „Die Flüsse von London“ ist sein erster Roman, der auf dem deutschen Markt veröffentlich wurde. Vorher arbeitete der gebürtige Londoner hauptsächlich als Drehbuchautor, unter anderem für die Serien Doctor Who, Jupiter Moon, Casualty und Dark Knight.

Angesichts seines Geburtsortes ist es nicht überraschend, dass Aaronovitch London als Setting für seine Urban Fantasy – Reihe um den Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant wählte. Dieser stöbert während einer scheinbar ganz normalen Mordermittlung den einzigen Augenzeugen der Tat auf. Es gibt nur ein Problem mit dem Zeugen: er ist ein Geist. Es ist diese Begegnung, die Peters Leben drastisch verändert, wird er doch kurzerhand in die Einheit von Inspector Thomas Nightingale versetzt und findet sich als Londons erster Zauberlehrling seit 50 Jahren wieder. Plötzlich muss er sich damit abfinden, dass sich in London Götter, Vampire und Geister tummeln und dann ist da ja auch immer noch der Mordfall, hinter dem weit mehr steckt, als zu Beginn angenommen.

„Die Flüsse von London“ stellt einen völlig anderen Vertreter des Genres Urban Fantasy dar als all die Romane mit einer starken Heldin im Mittelpunkt. Es beginnt schon damit, dass der Protagonist Peter Grant kein typischer Held ist. Er ist kein Charakter von dem man erwarten würde, dass er den Tag rettet, genau genommen ist er nicht mal ein besonders herausragender Polizist. Was ihn trotzdem außergewöhnlich macht, ist seine intelligente Neugier und die Liebe zu Details. Sein Blick auf die Welt inklusive all ihren übernatürlichen Erscheinungsformen gleicht dem Blick durch ein Mikroskop; Grant interessiert sich immer für das Wie und Warum. Aaronovitch versäumt es nicht, ihn dadurch als leicht ablenkbar darzustellen; eine Eigenschaft, die ihm zwar manchmal zum Nachteil gereicht, ihn jedoch auch umso sympathischer und real wirken lässt. Peters Umgang mit dem Übernatürlichen selbst lässt sich am besten mit einer lässigen Nonchalance beschreiben, für mich ein absolutes Highlight des Buches. Nie flippt er aus, nie reagiert er hysterisch; er nimmt die Dinge einfach, wie sie sind und hat nur wenig Schwierigkeiten, diese in sein Weltbild zu integrieren, wie erschreckend sie auch sein mögen. Ich fand es unglaublich erfrischend, dass es keine einzige Situation gibt, in der Peter eine Sinnkrise bekommt und sich unter Wut und Tränen fragt, wo das alles hinführt, was es bedeutet und wie er damit zurecht kommen soll. Diese Gelassenheit wird noch unterstrichen durch den wunderbaren und unaufdringlichen britischen Humor, der den Leser das ganze Buch über begleitet. Ben Aaronovitch schildert alle Ereignisse ironisch trocken und mit einer gehörigen Portion Galgenhumor; ich konnte gar nicht anders, als immer wieder laut aufzulachen. Die Hauptlinie der Handlung an sich ist – von der übernatürlichen Komponente einmal abgesehen – ein typischer und spannender Kriminalfall; der Leser begibt sich zusammen mit Grant auf die Suche nach einem durchgedrehten Mörder, der ganz eigene Motive für seine Taten hat. Dabei gefiel mir sehr gut, dass man immer genau auf dem gleichen Stand bleibt wie Peter. Leser und Protagonist befinden sich dadurch auf Augenhöhe; man teilt seine Verwirrung, seine Unwissenheit, aber auch seine bereits erwähnte Neugier und das Bedürfnis, den Täter unbedingt schnappen zu wollen. Die meisten Krimis und Thriller bringen den Leser in eine dem Protagonisten gegenüber privilegierte Position; oft weiß man mehr als der Ermittler, weil ganze Kapitel aus Sicht des Mörder geschrieben sind. Das ist in „Die Flüsse von London“ nicht der Fall, man brütet quasi neben Peter über den Hinweisen und versucht, das Rätsel zu lösen. Dadurch entsteht eine ganz besondere Ebene der Identifikation und Sympathie.

Nach der Lektüre von „Die Flüsse von London“ bin ich zum Aaronovitch-Fan mutiert; zum Glück sind bereits zwei weitere Bände um Peter Grant in Deutschland erschienen, der vierte Band folgt im Mai. Ich kann dieses Buch nur wärmstens Liebhabern des englischen Humors empfehlen, die keine Schwierigkeiten haben, sich vorzustellen, dass London noch vielseitiger ist als bisher angenommen. Ich bin sehr erleichtert, dass das Genre Urban Fantasy doch noch Romane hervorbringt, die völlig frei von Klischees und Stereotypen sind und wohl bekannten Stoff humoristisch neu schreiben. Ben Aaronovitch hat mich so umfassend überzeugt, dass ich „Die Flüsse von London“ direkt an meine Eltern weitergereicht und darauf bestanden habe, dass sie es auch lesen. Persönlich freue ich mich bereits jetzt auf weitere Abenteuer mit Peter, Lesley und den Flussgöttern Londons und hoffe, ich konnte auch einige meiner werten Leser anstecken.

 
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Verfasst von - 28. Januar 2014 in Fantasy, Humor, Krimi, Rezension, Urban Fantasy

 

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Cassandra Clare – City of Ashes

„City of Ashes“

Reihe: The Mortal Instruments #2

Autor: Cassandra Clare

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 411 Seiten

Verlag: Walker Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1406307637

Genre: Fantasy > Urban Fantasy > Young Adult

ausgelesen am: 20.01.2014

Bewertung:

Nachdem ich Verfilmung des ersten Bandes der „The Mortal Instruments“ – Reihe („City of Bones“) gesehen hatte, war ich so neugierig auf den zweiten Band, „City of Ashes“, dass ich nicht mehr warten wollte und ihn direkt bei amazon bestellt habe. Wir erinnern uns: „City of Bones“ bekam von mir eine 3 – Sterne – Bewertung; ich war unzufrieden mit der Konstruktion der Charaktere, weil sie meiner Meinung nach nicht genug Tiefe aufweisen, obwohl mir die actiongeladene Story gefiel.

In „City of Ashes“ geht es ähnlich aufregend weiter: nachdem Valentine den Mortal Cup stehlen konnte, richtet sich sein Interesse nun auch auf den zweiten Gegenstand der Mortal Instruments, das Seelenschwert (Soul-Sword). Dafür ist er bereit, über eine Menge Leichen zu gehen. Wieder liegt es in Jace und Clarys Händen, ihren Vater aufzuhalten, da der Rat der Schattenjäger (The Clave) nicht gewillt ist, energisch einzuschreiten und ihnen stattdessen Steine in den Weg wirft. Zusammen mit ihren Freunden müssen sie sowohl gegen Valentine als auch gegen die starren Strukturen der Welt der Schattenjäger kämpfen. Dabei offenbart sich, dass in Clary und Jace weit mehr steckt, als es auf den ersten Blick erscheint.

Die „The Mortal Instruments“ – Reihe ist eine der merkwürdigsten Serien, die mir je untergekommen sind. Cassandra Clares Ideen sind innovativ und frisch, aber die Umsetzung lässt wirklich zu wünschen übrig. Daher ist es recht schwierig, eine ausgewogene und angemessene Bewertung vorzunehmen, die beide Aspekte beinhaltet. Ich habe mich für 2 Sterne entschieden, weil ich einerseits die Handlung spannend finde, andererseits aber meine Hoffnungen bezüglich der Verbesserung der Figuren enttäuscht wurden. Es ist wirklich schade, dass Clare anscheinend nicht in der Lage ist, die Story in ein logisches und nachvollziehbares Universum mit eigenständigen, starken Charakteren einzuflechten. In „City of Ashes“ begegnet der Leser erneut vielen sogenannten „Downworldern“ (Feen, Werwölfe, Vampire, Hexenmeister), die von den Schattenjägern als minderwertig erachtet werden; mir erschließt sich jedoch immer noch nicht, wieso. Meines Erachtens nach haben „Downworlder“ eindeutig die besseren Fähigkeiten. Die Schattenjäger haben im Grunde nichts, was ihr Überlegenheitsgefühl rechtfertigt, sie haben in der Regel keine nennenswerten Begabungen. Ich begreife nicht, was sie so außergewöhnlich macht und ich begreife auch nicht, wieso Clare sie nicht besser ausgestattet hat, schließlich sind die Schattenjäger diejenigen, die unsere Welt vor Dämonen schützen sollen. Das bringt mich direkt zum nächsten Punkt: warum sind es nur Schattenjäger, die gegen Dämonen kämpfen? Angesichts der Tatsache, dass auch alle „Downworlder“ ein Teil unserer Welt sind, ist es einfach nicht logisch, dass sie sich anscheinend keinen Deut darum scheren, ob Dämonen unsere Dimension infiltrieren. Sie müssten genauso unter den Konsequenzen leiden wie die Menschen; kam denn noch kein Übernatürlicher auf die Idee, sich am Kampf zu beteiligen? Die „Downworlder“ untereinander pflegen außerdem anscheinend eine gleichgültige Koexistenz, von der mehr als klischeehaften Rivalität zwischen Werwölfen und Vampiren einmal abgesehen. Somit wird deutlich, woran es in der „The Mortal Instruments“ – Reihe mangelt: Logik. Cassandra Clare stellt den Leser viel zu oft vor vollendete Tatsachen, sie erklärt wenig und bringt die verschiedenen Aspekte ihres Universums nur selten in einen nachvollziehbaren Zusammenhang. Auf mich wirkte es, als hätte die Autorin sich nicht die Mühe gemacht, ihre Welt bereits VOR dem Schreiben zu konstruieren; eher ist es, als hätte sie versucht, während des Schreibens all ihre Ideen auf Biegen und Brechen unter einen Hut zu bringen, ohne sich jemals die wohl wichtigste Frage zu stellen: wieso. Leider weitet sich dieser Mangel an Logik auch auf die Charaktere aus; ihre Handlungen und Reaktionen sind für mich nicht immer verständlich, obwohl Clare sich hier weit mehr Mühe gegeben hat, Kohärenz herzustellen. Erstaunlicherweise blockiert sie sich selbst, indem sie ihre Figuren als absolute Stereotypen darstellt; wie sich deren Verhalten äußert und ob es zur Handlung passt, ist hingegen nicht von Belang. Regelrecht entsetzt war ich davon, dass „City of Ashes“ tatsächlich weiterhin die Liebesbeziehung zwischen Clary und Jace thematisiert. Ich konnte kaum fassen, dass diese inzestuöse Verbindung weiterhin behandelt wird; wir sprechen hier immerhin über ein Buch für junge Leser, ich bin absolut davon überzeugt, dass so ein Tabu in dieser Art und Weise hier aus äußerst naheliegenden Gründen nicht angesprochen werden sollte. Es ist NICHT die Aufgabe einer Autorin von Urban Fantasy – Romanen, ihren jugendlichen Lesern zu vermitteln, dass eine amouröse Beziehung zwischen Bruder und Schwester akzeptabel wäre. Dabei ist völlig hinfällig, ob sich in den weiteren Bänden rausstellen sollte, dass die beiden doch nicht verwandt sind, wie ich es vermute. Es geht rein darum, dass die Einstellung zu dieser Thematik, die sie mit „City of Ashes“ veröffentlich hat, nicht in Ordnung ist und eine fehlerhafte Ausrichtung ihres moralischen Kompasses vermittelt.

Zusammenfassend rettet sich „City of Ashes“ nur durch die wirklich fesselnde Handlung, alle anderen Punkte weisen gravierende Mängel auf. Ich gestehe, ich bin überrascht von mir selbst, dass ich überhaupt bereit bin, die Folgebände zu lesen. Vielleicht hoffe ich immer noch auf eine Verbesserung von Cassandra Clares Fähigkeiten als Autorin. Ich kann den zweiten Band der „The Mortal Instruments“ – Reihe nur an Leser weiter empfehlen, die bereit sind, zu Gunsten einer guten Handlung auf runde Charaktere und ein logisches Universum zu verzichten. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen; der Hype, der um diese Bücher besteht, ist für mich nach zwei Bänden jedoch völlig unverständlich.

 
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Verfasst von - 26. Januar 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy, Young Adult

 

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Chloe Neill – Für eine Handvoll Bisse

„Für eine Handvoll Bisse“

Reihe: Chicagoland Vampires #7

Originaltitel: House Rules

Autor: Chloe Neill

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 416

Verlag: Egmont LYX

Sprache: Deutsch

ISBN: 3802592387

Genre: Fantasy > Urban Fantasy

ausgelesen am: 15.01.2014

Bewertung:

Die „Chicagoland Vampires“ – Serie von Chloe Neill war für mich eine DER Entdeckungen im Genre Urban Fantasy der letzten Jahre. Wie ich bereits in der Rezension zu „City of Bones“ schrieb, bietet der Markt viele wirklich schlechte Reihen und Einzelromanen dieser Gattung, doch diese gehört für mich zu den besten. Die Heldin Merit ist weniger tough und hart als Anita Blake, wesentlich intelligenter als Sookie Stackhouse und außerdem ist sie kein Mensch, der durch einen Zufall in die übernatürliche Welt katapultiert wird, nein, sie ist selbst eine Vampirin. Darüber hinaus bin ich begeistert von der Welt die Neill konstruiert, sie ist logisch und wirkt auf mich durchdachter als beispielsweise Cassie Alexanders „Nightshifted“ – Universum.

Mit „Für eine Handvoll Bisse“ erschien nun der siebte Band der Reihe auf dem deutschen Markt und er bietet wieder all das, wofür ich diese Serie liebe. Merit sieht sich erneut mit mehreren Problemen konfrontiert: zum Einen steht für ihr Haus Cadogan der Austritt aus dem Greenwich Präsidium an, zum Anderen treibt ein Serienmörder, der es offenbar nur auf Vampire abgesehen hat, in Chicago sein Unwesen. Als Hüterin des Hauses muss Merit in beiden Fällen aktiv für den Schutz der Vampire der Stadt eintreten. Unterstützt wird sie dabei unter anderem von ihrem Meister und Liebhaber Ethan, dem sympathischen Formwandler Jeff Christopher, sowie dem Hauptmann der Wache des Hauses Gray und Mitglied der Roten Garde, Jonah. Zwischen der Jagd auf den Mörder und der Organisation des Austritts muss Merit darüber hinaus noch eine Entscheidung treffen, die ihr ewiges Leben auf bedeutsame Weise verändern wird: möchte sie weiterhin und unumstößlich ein Mitglied der Roten Garde werden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Häuser und das Greenwich Präsidium zu überwachen? Oder wäre dies ein Verrat an Ethan und allem, wofür er steht und kämpft?

Zu allererst ist es wichtig, dass „Für eine Handvoll Bisse“ absolut nichts für Quereinsteiger ist. Zwar bietet Chloe Neill ihren Lesern bei jeder Anspielung auf vorangegangene Bände kleine Erinnerungshilfen, diese sind für Neulinge der Serie jedoch nicht wirklich geeignet um das bereits Geschehene zu verstehen. Die Handlungslinie an sich erinnerte mich zum Teil stark an die britisch-amerikanische Geschichte. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch dadurch, dass das Oberhaupt des Greenwich Präsidiums Brite ist; so wirkte es, als hätte Neill die Geschichte um die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auf das 21. Jahrhundert und die Welt ihrer Vampire übertragen. Da diese jedoch so massiv im amerikanischen Gedächtnis verankert ist, kann ich als Deutsche daran keine Kritik üben. Mich störte es nicht; wie dieser Kniff bei einem Amerikaner oder einer Amerikanerin ankommt, die ihr Leben lang mit diesem Teil ihrer Geschichte konfrontiert waren, kann ich nicht beurteilen. Die Figuren empfand ich als gewohnt stark und rund, obwohl man hier nicht vergessen darf, in welchem Genre sich die „Chicagoland Vampires“ – Reihe bewegt. Ein Hauch Stereotypie lässt sich vermutlich kaum vermeiden, doch Chloe Neill bemüht sich wirklich (und in meinen Augen erfolgreich), allen Charakteren eine eigenständige Persönlichkeit und Tiefe zu verleihen. Diese bindet sie nachvollziehbar in ihr übernatürliches Universum ein, das mir – wie bereits gesagt – wirklich sehr gut gefällt. Es gibt meiner Meinung nach keine Lücken in der Konstruktion; dadurch, dass Merit selbst noch relativ neu in Chicagos Welt der Vampire, Formwandler und Feen ist, lernt der Leser mit ihr zusammen mehr und mehr dazu. Man wird nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, stattdessen teilt man Merits Erfahrungen sehr direkt und kann ihre Reaktionen wunderbar nachempfinden. Zu guter letzt möchte ich noch ein paar Worte zu der Kritik schreiben, dass Ethan Charlaine Harris‘ Eric Northman zu ähnlich sei. Ja, sie teilen einige oberflächliche Gemeinsamkeiten, aber in der Tiefe sind sie doch sehr unterschiedlich. Ethan ist wesentlich kultivierter und beherrschter als Eric, welcher eher zu impulsiven Reaktionen neigt. Dementsprechend finde ich nicht, dass Chloe Neill bei Charlaine Harris abgekupfert hat und es stört mich auch überhaupt nicht, dass sie sich äußerlich ähnlich sind.

Insgesamt ist der siebte Band der „Chicagoland Vampires“ – Serie wieder ein Leckerbissen für Fans der Reihe, der mit den gewohnten Charakteren eine neue und aufregende Geschichte erzählt, die trotzdem logisch an schon begonnene Handlungsstränge anknüpft. Es ist die perfekte Lektüre für zwischendurch und fällt meines Erachtens nach unter die Kategorie „Brain Candy“. Interessierten Lesern empfehle ich, mit dem ersten Band („Frisch gebissen“)zu beginnen; mit bereits Infizierten warte ich nun sehnsüchtig auf die Fortsetzung, die im Juli unter dem Titel „Sehnsuchtsbisse“ auf dem deutschen Markt erscheinen wird.

 
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Verfasst von - 23. Januar 2014 in Fantasy, Rezension, Urban Fantasy

 

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Nathanael West – The Day of the Locust

„The Day of the Locust“

Autor: Nathanael West

Ersterscheinung: 1939

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 192

Verlag: Penguin Classics

Sprache: Englisch

ISBN: 0141023651

Genre: Klassiker > Amerikanisch

ausgelesen am: 14.01.2014

Bewertung:

“The Day of the Locust” von Nathanael West sollte ich im Rahmen eines Kurses lesen, der sich mit amerikanischer Literatur von 1900 bis 1945 beschäftigt. Unter anderen Umständen wäre ich vermutlich auf dieses Buch, das 1939 erstmals erschien, nie gestoßen, obwohl es beispielsweise auf amazon in einem Atemzug mit „Unter Null“ von Bret Easton Ellis genannt wird, eines meiner Lieblingsbücher.

Wests Werk wird zu den Hollywood-Romanen gezählt, da die gesamte Handlung in dieser Glitzer- und Glamourwelt spielt. Der Leser begleitet den Maler Tod Hackett, der in Amerikas Filmhauptstadt noch relativ neu ist und dort als Set Designer arbeitet. Er ist hoffnungslos dem Filmsternchen Faye Greener verfallen, um deren Aufmerksamkeit er permanent buhlt, obwohl er selbst erkennt, wie aussichtslos und selbstzerstörerisch seine Bemühungen sind. Hierbei steht er in Konkurrenz mit verschiedenen anderen Männern die seine Leidenschaft für Faye teilen, neigt die junge Möchtegern-Schauspielerin doch dazu, sich ausschließlich mit Menschen zu umgeben, die ihr Selbstwertgefühl steigern und sie bestätigen. Tod beginnt, sich immer weiter in der Welt Hollywoods zu verlieren, bis er schließlich ganz von ihr verschluckt wird, symbolisiert durch seine versehentliche Involvierung in Ausschreitungen anlässlich einer Filmpremiere.

„The Day oft the Locust“ gehört zu den Büchern, deren Symbolgehalt sich der Leser bewusst machen muss, um ihre Bedeutung zu verstehen. Während der Lektüre war mir das nicht klar, wodurch meine Bewertung weniger positiv ausfällt. Erst durch die Besprechung des Buches innerhalb meines Kurses eröffnete sich mir die Intension, die Nathanael West vermutlich verfolgte. Zwischen der Realität an der Oberfläche und der Realität unter der Oberfläche besteht eine sehr hohe Spannung, nichts ist das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Charaktere, die Handlung ist nur sekundär von Belang. Auch spielt potentielle Sympathie für die Figuren kaum eine Rolle, da diese komplett überspitzt und grotesk dargestellt sind. Wests Absicht war nicht, dass der Leser seine Charaktere mag, sondern dass ihm bewusst wird, was sie symbolisieren. Das zentrale Thema des Buches ist die Entwertung von Persönlichkeit und Individualität, wie sie in Hollywood regelrecht erzwungen wird. Der Mensch wird auf seine vermarktbaren Eigenschaften reduziert, daher sind auch Wests Figuren degenerierte Individuen. Am deutlichsten ist dies am Beispiel des Homer Simpson zu sehen, der am Ende der Geschichte nicht einmal mehr in der Lage ist zu sprechen. Er hatte von Beginn an keine Eigenschaften oder Fähigkeiten, die für die Filmindustrie von Wert gewesen wären, folglich wurde er von ihr verschlungen, durchgekaut und das, was von ihm übrig blieb wieder ausgespuckt. Ein ähnliches Schicksal ereilt Tod, der jedoch im Gegensatz zu Homer für die Welt des Films brauchbar ist und den für ihn vorgesehenen Platz einnimmt, indem er die Distanz des Künstlers aufgibt und zu einem Teil von ihr wird. Eine nähere Betrachtung verlangt auch der Titel des Buches selbst. Übersetzt bedeutet er „Der Tag der Heuschrecke“ und man kommt dementsprechend nicht umhin, die biblische Assoziation zu bemerken. Heuschrecken sind in der Bibel eine allesverschlingende Plage; in Bezug auf den Roman legt das die Interpretation nahe, dass die Figuren nicht nur Opfer, sondern auch Täter sind. Hollywood ist nur das, wozu es durch Menschen wie Tod, Homer oder Faye gemacht wurde. Sie wurden verschlungen, um selbst zu verschlingen.

Die Bewertung von „The Day oft the Locust“ fiel mir schwer, da mir zwar (mittlerweile) einerseits sein symbolischer Wert bewusst ist, ich aber andererseits trotzdem nicht begeistert von dem Werk bin. Anders als „Unter Null“ bietet es dem Leser keinerlei moralisches Zentrum; es gibt keinen Clay, der deutlich macht, wie stumpf, flach und degeneriert Hollywoods Charaktere sind. Ich kann nicht behaupten, dass ich besonders viel aus dem Buch mitgenommen habe, obwohl die Thematik heute wohl aktueller ist denn je. Ich werde daher keine Empfehlung für „The Day oft the Locust“ aussprechen. Wer es lesen möchte, soll das tun, sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Dinge, die West nicht schildert, die nur zwischen den Zeilen stehen, den eigentlichen Wert des Romans darstellen.

 

 
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Verfasst von - 22. Januar 2014 in Amerikanisch, Klassiker, Rezension

 

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Cassandra Clare – City of Bones

„City of Bones“

Reihe: The Mortal Instruments #1

Autor: Cassandra Clare

Format: Taschenbuch

Seitenzahl: 442

Verlag: Walker Books

Sprache: Englisch

ISBN: 1406307629

Genre: Fantasy > Urban Fantasy > Young Adult

ausgelesen am: 02.01.2014

Bewertung:

Der Büchermarkt wird aktuell regelrecht überschwemmt mit Romanen aus dem Urban Fantasy – Genre. Ganze Verlage haben sich auf oft als Reihe angelegte Unterhaltungsliteratur spezialisiert, die die Realität der Stadt mit einer übernatürlichen Handlung verbindet. Gewürzt wird das Ganze meist mit einer ordentlichen Portion Romantik, um die weibliche Zielgruppe voll und ganz zufrieden zu stellen. Selbstredend, dass nicht alle diese Bücher und Reihen lesenswert sind. Aus diesem Grund bin ich um die „The Mortal Instruments“-Reihe von Cassandra Clare lange herumgeschlichen, trotz vieler überschwänglicher Rezensionen und der Verfilmung des ersten Bandes „City of Bones“ im August letzten Jahres. Ich fürchtete, dass Handlung und Charaktere den bekannten Klischees über das Genre unterworfen sind: ein Mädchen, das nicht weiß, wie hübsch sie ist, trifft auf den klassischen „Bad Boy“ und mutiert dann an seiner Seite im Kampf mit übernatürlichen Kräften zur Heldin, wodurch er sich unsterblich in sie verliebt. Ausschlaggebend für meine Entscheidung, es doch mit „City of Bones“ zuversuchen, war letztendlich die bereits erwähnte Verfilmung. Da ich vorhabe, mir den Film anzuschauen, wollte ich sicher gehen, dass ich im Voraus die Romanvorlage kenne, um eine Vergleichsmöglichkeit zu haben.

Meine Befürchtungen lagen nicht so weit abseits der Realität, tatsächlich weißt die Handlung viele Parallelen zum Klischee auf: Die 15-jährige Clarissa „Clary“ Fray wird von heute auf morgen in die Welt des Übernatürlichen katapultiert, als sie zufällig in einem New Yorker Club die Exekution eines Dämons durch sogenannte Schattenjäger beobachtet. Gleichzeitig ist dieser Zufall ihre erste Begegnung mit Jace, der schon von Kindesbeinen an in diese Welt hineingewachsen ist. Am folgenden Tag wird Clarys Mutter entführt und Clary selbst von einem Dämon angegriffen; Clary muss sich den Schattenjägern anschließen, um ihre Mutter zu retten und herauszufinden, welche Verbindung zwischen ihr selbst und der übernatürlichen Welt besteht. Sie muss sich der Wahrheit über ihre Wurzeln stellen; an der Seite von Jace begibt sie sich auf die nervenaufreibende und gefährliche Suche nach Antworten, die nicht nur ihr gesamtes Leben verändern werden, sondern auch seines.

Trotz der klischeehaften Rahmenhandlung gefiel mir die Storyline des ersten Bandes von „The Mortal Instruments“ recht gut. Die Idee der Dämonenjäger ist zwar nicht neu, doch Clare peppte diesen altbekannten Stoff mit einigen innovativen Ideen auf, die mir so noch nicht begegnet sind. Die 442 Seiten (meiner Ausgabe) sind vollgepackt mit Action, es gibt kaum ruhige Momente und der Leser schlittert mit den Figuren durch eine aufregende übernatürliche Welt, in der Schlaf offensichtlich überbewertet ist. Unglücklicherweise ist es auch diese abenteuerliche Handlung, unter der die Charaktere leiden. Cassandra Clare konnte ihren Ideenreichtum nicht auf ihre Figuren übertragen, dadurch wirken sie etwas flach und vor allem stereotyp. Die beschrieben Ereignisse liegen so dicht beieinander, dass die Story den Charakteren gegenüber immer dominant bleibt und deren Ausarbeitung eindeutig zu oberflächlich geraten ist. Erfrischend ist diesbezüglich nur, dass sich zwischen Clary und Jace keine wirkliche Liebesgeschichte entwickelt (und dies auch nicht möglich ist), wobei ich die Wendung, die zur Veränderung ihrer Beziehung führt, fast schon zu dramatisch fand.

Zusammenfassend ist der erste Band der „The Mortal Instruments“-Reihe etwas für Freunde von Urban Fantasy aus der Sparte Young Adult. Die Geschichte ist für junge Leser geschrieben, daher kann man als Liebhaber des Genres der Autorin die fehlende Tiefe der Charaktere verzeihen. Erwachsene, die facettenreiche und tiefgründige Figuren erwarten, sollten allerdings die Finger von der Serie lassen.

Nach der Lektüre von „City of Bones“ stand ich abschließend vor der Frage, ob ich bereit bin, Cassandra Clare noch eine Chance zu geben und auch den zweiten Teil der Reihe, „City of Ashes“, zu lesen. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich darauf hoffe, dass die Defizite der Charaktere im Verlauf der Geschichte aufgehoben werden und ich Clares Figuren besser kennenlernen kann. Ich freue mich bereits darauf, meine Eindrücke vom nächsten Band hier zu besprechen und mit euch zu teilen!

 
 

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